Serie "Silvesterbräuche": Italien - Wo der Spumante in Strömen fließt

Serie "Silvesterbräuche": Italien - Wo der Spumante in Strömen fließt

Rom (RP). An dieser Stelle möchten wir Ihnen bis Samstag die Silvesterbräuche unserer Nachbarn in Europa vorstellen. Den Anfang macht: Italien. Die Italiener - das besagt zumindest ein Klischee - sind ein lebensfrohes Volk. Und wie jedes Klischee, enthält auch dieses ein Körnchen Wahrheit. Das zeigt sich nicht zuletzt an Silvester. "Man muss die Feste feiern, wie sie fallen", sagen sich die Italiener - und handeln danach.

Während der Italiener Weihnachten ganz der Familie oder Großfamilie widmet (mit Geschenken, endlosen Schlemmereien und immer spärlicherem Kirchgang), verhält er sich Silvester anders. Rund zehn Millionen Italiener machen zwischen dem 24.Dezember und dem 6.Januar Ferien und verreisen. Sie feiern den Jahreswechsel irgendwo im Hotel - und schauen dabei nicht auf jeden Euro.

Noch weit mehr Bewohner des Stiefels, schätzungsweise 25Millionen, bleiben zum Jahreswechsel zwar in ihrem Wohnort, begeben sich am letzten Abend des Jahres aber zum "veglione di San Silvestro" in ein reich geschmücktes Lokal, wo sie schmausen, tanzen und das neue Jahr "begießen". Die Preise für derlei Feste variieren stark. In Rom zum Beispiel von 80 Euro pro Person in einfachen Restaurants bis zu 900 Euro im "Ristorante La Pergola" des HiltonHotels, wo der in Italien inzwischen zu hohem Ansehen gelangte deutsche Koch Heinz Beck das Silvester-Menü kreiert.

Rund um den berühmten Dolve-vita-Boulevard Via Veneto wird vielerorts edel Silvester gefeiert. In der Nobelherberge "Splendide Royal", Restaurant im obersten Stockwerk, sagt der Maitre: "Natürlich machen wir ein ,veglione´. Für 670 Euro, Getränke nicht inbegriffen. Es gibt zwar wenig Platz zum Tanzen, höchstens für einen Walzer um Mitternacht. Aber dafür können Sie von unserer Terrasse die vielen Feuerwerke bewundern." Im nahen Luxushotel "Excelsior" hingegen kostet der Silvesterschmaus "nur" 380 Euro - zum Tanzen mit Musik live von einer Bandmuss man in einen anderen Saal gehen.

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Südländische Häuslichkeit

Auch wenn zahlreiche Lokale zu Silvesterfeiern laden - die Mehrzahl der Italiener rutscht Zuhause ins neue Jahr. Dort kommen dann nicht nur die Großfamilien zusammen. Im Unterschied zu Weihnachten lädt man auch Freunde ein. Bei der römischen Familie Di Renzi sind zwölf Personen angesagt: Kinder, Schwiegertöchter, Schwiegersöhne, Enkelkinder und zwei gute Freunde. Die Gastgeberin Anna Di Renzi verrät, was sie auftischt. ,,Zu Silvester gibt's traditionsgemäß Fisch, tags darauf dann, an Neujahr, hingegen Fleisch." Als Vorspeise serviert Anna di Renzi gebackene Brokkoli, Artichocken und Stockfischfilets. Darauf folgen Spaghetti mit Tunfisch oder Reis mit frischen Meeresfrüchten. Als Hauptgericht stehen Seebarsch, Goldbrasse oder gebackener Tintenfisch zur Auswahl; dazu als Beilagen Bratkartoffeln oder Salat. Dazu wird ein trockener Weißwein ausgeschenkt. Zum Dessert gibt‘s den für diese Jahreszeit typischen, mit Rosinen gespickten Kuchen Panettone.

Kaum ist der Tisch abgedeckt, spielt die ganze Runde bis Mitternacht Tombola (eine Art Lotto) oder Karten - und stets geht es dabei um Geld. Kurz vor Zwölf kommt bei den Di Renzis wie vielerorts im Land Schweinewurst mit Linsen auf den Tisch. Denn viele Linsen, so der Aberglaube, bedeuten viel Zaster im neuen Jahr. Punkt Zwölf knallen dann, während draußen überall die ersten Leuchtraketen aufsteigen, die Spumante-Korken; der Schaumwein fließt in Strömen.

(alfa)