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Große Unterschiede zwischen Ost und West: Immer mehr Kinder kommen unehelich zur Welt

Große Unterschiede zwischen Ost und West : Immer mehr Kinder kommen unehelich zur Welt

Wiesbaden (RPO). Der Anteil der außerehelich geborenen Kinder hat sich in Deutschland seit 1990 mehr als verdoppelt. 33 Prozent der rund 678.000 im vergangenen Jahr zur Welt gekommenen Babys hatten nicht miteinander verheiratete Eltern, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

1990 waren es lediglich 15 Prozent gewesen. Im Vergleich zu 2009 stieg der Anteil der außerehelich geborenen Kinder um 0,5 Prozentpunkte.

Zwischen Ost und West verzeichnen die Statistiker erhebliche Unterschiede. Während 2010 in den neuen Bundesländern mit 61 Prozent die meisten Neugeborenen nicht verheiratete Eltern hatten, ist im Westen (27 Prozent außerehelich Geborene) die Ehe der Eltern nach wie vor der Regelfall.

Im Ländervergleich sind die Unterschiede noch größer: Die meisten nicht ehelichen Kinder wurden in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern (jeweils 64 Prozent) sowie Brandenburg (62 Prozent) geboren. Die niedrigsten Quoten gab es in Baden-Württemberg (22 Prozent), Hessen und Bayern (jeweils 26 Prozent). Überdurchschnittlich viele Neugeborene von nicht verheirateten Eltern gab es in den alten Bundesländern vor allem in Bremen (39 Prozent), Hamburg (36 Prozent) und Schleswig-Holstein (35 Prozent).

Oft wird nach dem ersten Kind geheiratet

Nicht verheiratet sind die Eltern vor allem beim ersten Kind, wie die Statistik weiter zeigt: Unter den Erstgeborenen hatten 2010 rund 43 Prozent nicht miteinander verheiratete Eltern, wobei es im Westen 36 Prozent und im Osten 74 Prozent waren. Die Zahlen lassen vermuten, dass Paare oft nach der Geburt eines gemeinsamen Kindes heiraten: Bei 20 Prozent der Eheschließungen im Jahr 2010 gab es schon mindestens ein gemeinsames voreheliches Kind, wobei es in den neuen Bundesländern 36 Prozent und im alten Bundesgebiet 16 Prozent waren. Das war vor 20 Jahren noch nicht so: 1991 hatten nur 8 Prozent der Brautpaare schon gemeinsamen Nachwuchs.

Im EU-Vergleich werden in Deutschland noch immer unterdurchschnittlich viele Kinder außerhalb einer Ehe geboren. Der EU-weite Durchschnitt lag 2009 bei 38 Prozent. Dabei waren die Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten immens: Am höchsten war der Anteil der außerehelichen Geburten in Estland (59 Prozent), am niedrigsten in Griechenland (7 Prozent).

(apd/jre)