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Mannichl enttäuscht über Spekulationen: "Ich gehe durch ein tiefes Tal"

Mannichl enttäuscht über Spekulationen : "Ich gehe durch ein tiefes Tal"

München/Passau (RPO). Im Fall Alois Mannichl werden Stimmen laut, die an einem rechtradikalen Übergriff zweifeln. Der Passauer Polizeichef zeigt sich tief betroffen über die Spekulationen. "Ich gehe durch ein tiefes Tal. Jeden Tag kommt ein neues", sagte er.

"Ich hoffe, dass das bald vorbei ist", sagte Mannichl der Münchner "Abendzeitung". Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor über offene "Fragen von großer Brisanz" berichtet. So hätten sich mittlerweile die Zweifel am Hergang der Tat gemehrt. Das Blatt zitierte "erfahrene Ermittler" mit den Worten: "Irgendetwas passt da nicht zusammen." Erstaunlich ist dem Bericht zufolge beispielsweise, dass Mannichl nur eine sehr ungenaue Personenbeschreibung abgegeben habe.

Der Polizeidirektor sagte dazu: "Da kann ich nur lachen. Wenn's ums blanke Überleben geht, denkt man nicht darüber nach, welche Schuhgröße der Täter hat." Er sei im Gegenteil froh, dass er sich an so vieles erinnere.

Mit Blick auf Spekulationen, er könnte gelogen oder nicht alles gesagt haben, betonte Mannichl: "Das sehe ich mit einer gewissen Gelassenheit. Es nutzt ja nichts." Er habe eigentlich gehofft, nach seiner Rückkehr in den Dienst am vergangenen Mittwoch wieder in Ruhe leben und arbeiten zu können. "Durch den Artikel in der SZ wurde nun wieder alles hochgeputscht", sagte er. "Aber da muss ich jetzt durch."

Fahndung bislang erfolglos

Es bleibt aber dabei, dass die Ermittlungen der Polizei ins Stocken geraten sind. Die Hoffnung nach einem schnellen Fahndungserfolg hielt nicht lange. Zwar machte schon anderthalb Tage nach der Messerattacke auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl im Dezember die Nachricht von der Festnahme zweier Tatverdächtiger aus der rechten Szene die Runde. Doch die beiden Männer mussten ebenso wieder freigelassen werden wie ein kurz darauf festgenommenes Neonazi-Ehepaar aus München. Vier Wochen nach dem Attentat fehlt vom Täter jede Spur - und der Fall scheint rätselhafter denn je.

Möglicherweise haben sich die Beamten dem Bericht zufolge zu schnell auf die Theorie eines rechtsradikalen Attentats konzentriert. "Ein guter Ermittler legt sich nicht so früh auf eine Richtung fest", zitiert das Blatt Fahnder aus anderen Städten.

Die Passauer Polizei hat nach Informationen der "SZ" nicht, "wie sonst in unklaren Tatsituationen schnell das private Umfeld aufgeklärt". Eingehende Befragungen aller Familienmitglieder seien zunächst nicht vorgenommen worden. Die beiden erwachsenen Kinder der Mannichls seien erst vor ein paar Tagen vernommen worden, als das LKA die Ermittlungen übernommen habe.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Attentat auf den Polizeichef

(DDP)