Marode Freizeitanlagen: Hunderten Schwimmbädern droht Schließung

Marode Freizeitanlagen: Hunderten Schwimmbädern droht Schließung

In Deutschland sind ein Großteil der Bäder offenbar so marode, dass ihnen Experten zufolge die Schließung drohen könnte. Denn für die notwendigen Reparaturen fehlt vielen Kommunen seit Jahren das Geld.

Mit zwölf Milliarden Euro beziffert der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, bundesweit den Investitionsrückstand für Bäder und Sportstätten — Tendenz steigend. "Wir brauchen in Deutschland eine Infrastrukturoffensive und dazu gehört auch die Sanierung vieler Schwimmbäder", forderte Landsberg.

Laut Deutscher Gesellschaft für Badewesen gibt es in NRW 1400 Bäder, davon 428 Freibäder. "Die meisten haben finanzielle Probleme", sagte Geschäftsführer Christian Ochsenbauer. Vor allem bei den klammen Kommunen gebe es oft Diskussionen um die städtischen Zuschüsse für die Bäder.

Zwischen 2007 und 2012 sind allein in NRW laut DLRG 81 Hallen- und Freibäder dichtgemacht worden. Rund 100 weitere seien akut von der Schließung bedroht. Besonders auf dem Land und im Ruhrgebiet mussten in den vergangenen Jahren viele Schwimmstätten aus finanziellen Gründen schließen. So wurde auch in Moers ein Schwimmbad aus Kostengründen geschlossen. "Die Unterhaltskosten sind einfach zu hoch gewesen", sagte ein Stadtsprecher. Ständig fielen Reparaturen an. Das Geld dafür aber fehle. "Um die Kosten halbwegs decken zu können, müssten wir Eintrittspreise von 25 Euro pro Person verlangen", betonte der Sprecher.

Der Städte- und Gemeindebund in NRW kennt das Problem. "Öffentliche Bäder sind fast immer ein Zuschussbetrieb", sagte ein Sprecher. "Das liegt daran, weil sie sich anders als private Anbieter nicht auf Nischen- und reine Freizeitangebote beschränken dürfen." In NRW gebe es seines Wissens nach kein Konzept für den kostendeckenden Betrieb eines öffentlichen Freibades gibt.

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Von einer drohenden Schließungswelle will man bei der Gesellschaft für Badewesen allerdings nichts wissen. Geschäftsführer Ochsenbauer betonte, man dürfe das Thema öffentliche Bäder nicht nur betriebswirtschaftlich betrachten. Ein durchschnittliches Freibad habe Kosten von bis zu 350.000 Euro pro Jahr. Dem stünden lediglich durchschnittliche Einnahmen aus Eintrittsgeldern in Höhe von 100.000 Euro gegenüber. Als wichtigste Sparmaßnahme schlägt der Verband höhere Investitionen in die Instandhaltung vor. "Auf die Dauer können damit so viel Heiz- und Wasserkosten gespart werden, dass die Investitionen sich lohnen", so Ochsenbauer.

Die Schließungen führen in manchen Regionen schon zu Problemen bei der Deutschen Lebenrettungsgesellschaft (DLRG). "Wir haben schlichtweg zu wenige Schwimmbäder, um Nachwuchs auszubilden", sagte ein DLRG-Sprecher. Auch der Schwimmsport in Schulen leidet unter den Einsparungen. Die Schließungen sind laut DLRG mitverantwortlich dafür, dass immer weniger Kinder schwimmen könnten. In NRW können einer Studie der Universität Bielefeld zufolge rund 30 Prozent aller Kinder nach der Grundschule gar nicht oder nicht richtig schwimmen.

Doch in der Bevölkerung regt sich zunehmend Widerstand gegen die Schließungen. In Duisburg-Homberg konnte zum Beispiel eine Bürgerinitiative im letzten Moment die Schließung eines Freibades verhindern, die politisch längst beschlossen war. In anderen Städten werden Bäder mithilfe von Fördervereinen in Betrieb gehalten.

(csf/tor)
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