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Vermisstenfall Madeleine McCann: Hunderte neue Hinweise geben McCanns Hoffnung zurück

Vermisstenfall Madeleine McCann : Hunderte neue Hinweise geben McCanns Hoffnung zurück

Am Montagabend erläuterte Chef-Ermittler Andy Redwood in der britischen Sendung "Crimewatch" die neuen Erkenntnisse im Fall Maddie. Scotland Yard erhielt daraufhin Hunderte neue Hinweise.

"Wir sind hocherfreut über die Reaktionen", sagte Scotland- Yard-Hauptkommissar Andy Redwood am Dienstag. Mehr als 300 Anrufe und 170 Emails seien eingegangen, man gehe den Hinweisen nun genauer nach.

Eltern und die Ermittler hoffen nun auf Erfolge der internationalen TV-Fahndung. Am Mittwoch wird die Aktion in Deutschland in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" fortgesetzt, schon an diesem Dienstag wird die Sendung "Opsporing Verzocht" in den Niederlanden ausgestrahlt.

Scotland Yard hatte die ursprünglichen Ermittlungen in dem Fall der im Mai 2007 im Urlaub in Portugal verschwundenen Maddie überprüft. Der Schwerpunkt habe sich nun verschoben, hieß es.

Was ist neu? Vor allem zwei Phantombilder einer mysteriösen Person könnten Fortschritte in dem verwickelten Fall ermöglichen. Bereits am Montag präsentierten die Ermittler zwei Fahndungsbilder. Sie zeigen jeweils denselben Mann. Den Zeichnungen liegen zwei unabhängige Personenbeschreibungen zugrunde.

Sie stammen von einem irischen Urlauberpaar, das am Abend der Entführung, dem 3. Mai 2007, gegen 22 Uhr einen Mann mit einem Kind auf dem Arm auf dem Weg zum Strand von Praia de Luz gesehen haben will.

Der Gesuchte soll zwischen 20 und 40 Jahren alt und von mittlerer Statur sein.

Bisher waren die Beobachtungen des Urlauberpaares nicht berücksichtigt worden, weil das erste Ermittlungsteam aus Portugal den Zeitpunkt der Entführung deutlich früher datierte.

Nun aber erweist sich die so lange Zeit verfolgte Theorie als falsch. Die Polizei in Portugal fahndete die ganze Zeit nach einem Mann mit dunklem Haar, der gegen 21.15 Uhr mit einem schlafenden Kind an der Ferienanlage gesehen worden war. Scotland Yard fand ihn - es stellte sich heraus, dass er lediglich sein eigenes Kind aus einer Abend-Krippe abgeholt hatte.

Daraufhin rückte die Aussage des irischen Paares in den Mittelpunkt.

Noch ein weiterer Ansatzpunkt ist neu. Am Vorabend der Entführung sollen sich mehrere Männer auf einem Balkon nahe des Appartements der McCanns verdächtig verhalten haben. Zeugen berichteten, die Männer hätten auffallend oft zu Maddies Wohnung herübergesehen - und deutsch oder niederländisch gesprochen. Daher auch die Fahndung über das Fernsehen in Deutschland und den Niederlanden.

Auch von diesen Männern soll es demnächst Phantombilder geben. Zeugen beschrieben sie als hellblond. Möglicherweise war sogar dieselbe Person dabei, die tags darauf am Strand gesehen wurde.

Außerdem sucht die Polizei Spendensammler, die am Tag des Verschwindens in der Gegend unterwegs waren. Ob die Männer als Zeugen oder teilweise auch als Verdächtige gesucht werden, ließ die Polizei zunächst offen.

Festgestellt habe man zudem, dass es in den Wochen vor dem Urlaub der McCanns in der Anlage zahlreiche Einbrüche gegeben habe. Für Hinweise, die zur Lösung des Falls führen, hat Scotland Yard 20 000 Pfund (23 600 Euro) als Belohnung ausgesetzt.

In der Sendung "Crimewatch" forderte Chief Inspector Redwood die Öffentlichkeit auf, angesichts der neuen Erkenntnisse alle Vorurteile abzulegen und den von Spekulationen umgebenen Fall neu betrachten. Nach der Sendung sagte er, die Reaktionen auf die "Crimewatch"-Folge seien "überwältigend".

Auch Maddies Eltern schöpfen angesichts der Erkenntnisse wieder Hoffnung auf einen Durchbruch. "Die neuen Hinweise bringen uns wirklich voran", sagte Vater Gerry McCann in der Sendung. Er und seine Frau Kate, die zwischenzeitlich selbst unter Verdacht standen, hatten nicht locker gelassen und den Fall immer wieder in die Öffentlichkeit gebracht. Am Mittwoch sind sie zu Gast in der deutschen ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fall Madeleine McCann: Polizei veröffentlicht neue Fahndungsfotos

(dpa)