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Bekannter Psychoanalytiker: Horst-Eberhard Richter ist gestorben

Bekannter Psychoanalytiker : Horst-Eberhard Richter ist gestorben

Der Psychoanalytiker und Vordenker der deutschen Friedensbewegung, Horst-Eberhard Richter, ist tot. Er starb am Montag im Alter von 88 Jahren nach einer kurzen schweren Krankheit in Gießen, wie die Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) am Dienstag in Berlin unter Berufung auf Richters Familie mitteilte.

Richter, Jahrgang 1923, galt über viele Jahre als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Friedensbewegung. Der Arzt engagierte sich gegen das nukleare Wettrüsten und prangerte früh auch die Zerstörung der Umwelt durch die internationale Industrialisierung an. Richter galt als unermüdlicher Verfechter einer entmilitarisierten Welt und setzte sich mit Beginn der Globalisierung für eine gerechte und auf sozialen Ausgleich bedachte internationale Zusammenarbeit ein.

Der Mitbegründer der deutschen Sektion der "Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW)" war über viele Jahre ein ebenso unbequemer wie gefragter Gesprächspartner der politischen Entscheider und wirkte an zahlreichen Fachkongressen mit. Die Organisation IPPNW wurde 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Richter leitete von 1959 bis 1962 das Berliner Psychoanalytische Institut. Danach war er bis zu seiner Emeritierung 1992 Direktor des Zentrums für Psychosomatische Medizin in Gießen.

Richter erhielt für seine Publikationen, die in zwölf Sprachen übersetzt wurden, mehrere Preise und Auszeichnungen. Drei Mal sollte ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen werden, doch Richter lehnte es jedes Mal ab: "Zu viele Ex-Nazis" hätten es bereits erhalten, erklärte er.

Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann hat den Verstorbenen als Pionier der Übersetzung psychoanalytischer Theorien in alltagstaugliche Erkenntnisse gewürdigt. Richter habe die Theorien von Sigmund Freud oder Carl Gustav Jung "in die konkrete Alltagswelt geholt" und auf Beziehungen innerhalb der Familie bezogen, sagte Hurrelmann am Dienstag auf dapd-Anfrage. Das sei hin bis zu konkreten Ratschlägen gegangen.

Die Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag, Renate Künast und Jürgen Trittin, würdigten Richter als "Mensch, der sich mit den gesellschaftlichen Zuständen nicht abgefunden hat". Er habe nicht halt gemacht bei der Analyse der Gesellschaft und der sozialen Bewegungen, sondern sei zum maßgeblichen Teil dieser Bewegungen geworden, erklärten Künast und Trittin. Dies gelte vor allem der Friedensbewegung in Deutschland.

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(APD/afp)