Vierjähriger zu Tode gequält Hohe Haftstrafen im Fall Mehmet

Zwickau (RPO). Im Fall des zu Tode gequälten Jungen Mehmet hat das Landgericht Zwickau langjährige Haftstrafen verhängt. Die Mutter des Jungen muss für acht Jahre ins Gefängnis, ihr einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte für zwölf Jahre.

 Beide Angeklagten erhielten langjährige Haftstrafen.

Beide Angeklagten erhielten langjährige Haftstrafen.

Foto: AP

Mehmet war am 13. Oktober vergangenen Jahres von dem Lebensgefährten der Mutter, Matthias P., über Stunden hinweg mit Schlägen derart brutal misshandelt worden, dass der Junge noch am gleichen Tag an massiven Hirnblutungen starb. Die Mutter sah tatenlos zu. Katja K. sagte in ihrem Schlusswort: "Ich hätte meine Kinder besser schützen müssen, ich fühle mich schuldig."

Die Verteidigung hatte für Matthias P. unter zehn Jahre und für seine Lebensgefährtin Katja K. drei Jahre Freiheitsstrafe gefordert. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor für Matthias P. 13 Jahre und sechs Monate beantragt und für Katja K. acht Jahre. Beide wurden wegen Totschlags und Misshandlung von Schutzbefohlenen verurteilt.

Dem wegen Körperverletzung und Beleidigung vorbestraften Matthias P. warf Staatsanwalt Arthur Ast brutales Vorgehen und eine menschenverachtende Gesinnung vor.

Es sei erwiesen, dass der Angeklagte Mehmet im Laufe des Tages über Stunden hinweg so heftig geschlagen hatte, dass das Kind auf dem Fußboden aufschlug, mehrfach gegen die Wand stieß und einmal sogar regelrecht in die Küche flog. Matthias P. wollte damit eigenen Angaben zufolge auf Mehmet erzieherisch einwirken.

Es sei dem Angeklagten gleichgültig gewesen, dass er dem Kind möglicherweise tödliche Verletzungen durch seine Schläge zufügen konnte, betonte Ast. Gleichwohl wollte Matthias P. den Tod von Mehmet nicht, sagte der Jurist. Deshalb könne man auch nur von einem bedingten Vorsatz sprechen. Katja K. hielt der Staatsanwalt vor, dass sie hätte einschreiten müssen, denn sie hatte alle Misshandlungen mitbekommen. Sie sei als Mutter verpflichtet gewesen, ihr Kind vor Gewalt zu schützen. Dies sei aber nicht passiert.

Schläge statt Essen

Die 28-jährige Angeklagte hatte vor Gericht ausgesagt, sie sei an dem betreffenden Tage während der Misshandlungen in der Küche gewesen und habe mehrmals ein Klatschen gehört. Dann habe Matthias P. mit Mehmet auf dem Arm im Wohnzimmer gestanden und ihr das Kind gereicht, das kalt gewesen sei und Schwellungen an der Stirn gehabt habe. Sie habe dem Vierjährigen daraufhin drei oder vier Mal ins Gesicht geschlagen, um eine Bewusstlosigkeit zu verhindern.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, Mehmet über lange Zeit hinweg grausam mit Essensentzug und Schlägen gequält zu haben, weil der Junge nicht gehorchte. Sie sollen ihm den Mund zugeklebt und die Hände auf dem Rücken gefesselt haben, damit er das Band nicht abreißen konnte.

Ein Gutachter sah bei den Angeklagten keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit.

(ap)
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