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Hochwasser-Schutz: Sandsäcke als Wassersperre bei Unwetter und Starkregen -So setzt man sie richtig ein

Unwetter und Starkregen : Wie man Sandsäcke zum Hochwasserschutz richtig einsetzt

Starkregen und Hochwasser haben den Westen in den vergangenen Tagen stark getroffen, zahlreiche Wohnhäuser stehen unter Wasser. Um das eigene Haus vor akuten Flutschäden zu schützen, sind Sandsäcke ein gutes Mittel. Das ist bei der Auswahl und dem Stapeln der Säcke zu beachten.

Was ist beim Kauf der Säcke zu beachten?

Bei drohendem Hochwasser ist es wichtig, Türen und Fenster durch Bretter, Folien oder Sandsäcke zu sichern. Handelsübliche Sandsäcke sind entweder aus Jute oder Polypropylen hergestellt. Jutesäcke sind rutschfest und eignen sich gut für kurze Einsätze. An abschüssigen Stellen (zum Beispiel bei Deichen) ist man laut Technischem Hilfswerk und Katastrophenschutz mit dem griffigen Jutesack besser beraten, er ist sehr flexibel und dichtet gut ab. Polypropylen ist ein thermoplastischer Kunststoff und damit besser lagerfähig - vor allem bei Feuchtigkeit und UV-Strahlung. Der PP-Sack ist etwas günstiger als der Jutesack und wird zu einem Stückpreis von 10 bis 80 Cent im Internet verkauft. Bei der günstigen Variante aus dem Internet gilt es allerdings, auf den Verschluss zu achten. Häufig werden kostengünstige Säume und Verschlussbändchen verwendet, die bei Belastung schnell reißen können. Wichtig ist, dass die verschiedenen Säcke nicht innerhalb einer Schutzmauer gemischt werden, da die unterschiedlichen Oberflächen zu undichten Stellen in der Schutzmauer führen können.

Die Standardgröße der Säcke ist 30 mal 60 Zentimeter, da sich Säcke in dieser Größe gut befüllen lassen und nicht zu schwer sind. Sie können Sand und Säcke getrennt im Baumarkt kaufen, jedoch haben viele Baumärkte nur die Jute-Variante vorrätig. Im Internet sind schon fertig befüllte Sandsäcke erhältlich, allerdings sind diese wesentlich teurer und benötigen eine längere Lieferzeit.

Welchen Sand soll ich verwenden?

Auch die Wahl des Sandes kann entscheidend sein. Am besten geeignet ist sehr feiner Sand mit einer Korngröße von 0 bis 8 Millimetern. Notfalls kann auch ein Sand-Kies-Gemisch verwendet werden, die maximale Korngröße sollte aber 16 Millimeter nicht übersteigen. Die Säcke werden etwa zu zwei Dritteln mit Sand gefüllt, pro Sack entspricht das circa 13 Litern und einem Durchschnittsgewicht von 20 Kilogramm.

Wenn die Säcke nass werden, quillt der Sand auf. Deswegen ist es wichtig, die Säcke nicht bis oben hin zu befüllen. Sandsäcke sind nicht zu 100 Prozent wasserdicht. Vor allem beim Einsatz in der Nähe von Wohnraum empfiehlt das THW deswegen, zusätzlich mit Planen oder Folien abzudichten.

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Kann ich eine Sandsack-Mauer alleine bauen?

Man benötigt mindestens zwei Menschen, um die Säcke zu befüllen. Im Idealfall kann eine dritte Person die befüllten Sandsäcke verschließen. Es ist sinnvoll, die Säcke mit einem Trichter zu befüllen – von speziellen Maschinen, sogenannten Sandsackbefüllern, wird eher abgeraten.

Wie stapelt man die Sandsäcke?

Der Einsatzzweck der Säcke bestimmt, wie sie am besten verlegt werden: Für einen Notdamm, etwa nach einem schweren Unwetter, müssen die Säcke nicht verschlossen werden. Laut THW befüllt man die Säcke dazu wie üblich zu zwei Dritteln, klappt dann das überstehende Drittel einfach um und legt den Sack mit dem Falz nach unten auf die Mauer. Weil die Säcke nur zu zwei Dritteln befüllt sind, lassen sie sich außerdem gut festtreten. So werden Lücken minimiert und für Stabilität gesorgt. Einen Ringwall würde man mit der gleichen Methode bauen. Möchte man einen Deich ausbessern oder mit dem Sandsack andere Materialien beschweren, muss der Sack aber unbedingt mit einer Kordel oder einem Stück Draht verschlossen werden. Beim Verlegen ist außerdem darauf zu achten, dass die Sandsäcke nicht Fuge auf Fuge liegen, sondern überlappend – ähnlich den Mauern einer Wand.

Wie viele Säcke brauche ich zum Hochwasser-Schutz?

Pro Quadratmeter empfiehlt das Technische Hilfswerk zwischen acht und zehn Sandsäcken pro Lage, um einen effektiven Wall zu bauen. Gefüllt sind handelsübliche Sandsäcke in etwa zehn Zentimeter hoch. Im privaten Gebrauch, also etwa für das Absichern eines Hauses, genügt häufig eine einfache Reihe Sandsäcke.

(rosa)