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Hochwasser-Katastrophenschutz: Debatte über Cell Broadcasting - Baerbock fordert "Warn-SMS"

Handy-Benachrichtigung im Katastrophenfall : Wird in Zukunft über Cell Broadcasting gewarnt?

Nach der verheerenden Unwetter-Katastrophe im Westen Deutschlands hat eine Debatte über bessere Warnmöglichkeiten der Bevölkerung begonnen. Annalena Baerbock fordert das sogenannte Cell Broadcasting. So funktioniert es.

Nach der verheerenden Flutkatastrophe im Westen Deutschlands geht Bundesinnenminister Horst Seehofer davon aus, dass die Bevölkerung vor Gefahren künftig auch per SMS gewarnt wird. Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, habe zur Warnung per Cell Broadcasting bereits im Frühjahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, sagte Seehofer am Mittwoch in Berlin. Schuster gehe davon aus, dass das noch vor der Bundestagswahl am 26. September erwartete Ergebnis positiv sein werde.

Beim Cell Broadcasting wird ähnlich wie bei einer SMS eine Nachricht an Handy-Nutzer verschickt – und zwar an alle Empfänger, die sich zu dem Zeitpunkt in der betreffenden Funkzelle aufhalten. Dabei kann eine öffentliche Stelle veranlassen, dass alle angeschalteten Handys im Bereich einer Funkzelle über die Netzbetreiber dieselbe kurze Textnachricht erhalten, wie der Telekommunikationsexperte Nick Kriegskotte vom Digitalverband Bitkom erläuterte. „Technisch gesehen ist das keine SMS“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Der Unterschied ist wichtig: Braucht es fürs Versenden einer SMS eine Rufnummer, funktioniert Cell Broadcasting anonym. Datenschutzbedenken dürften dadurch weitgehend zerstreut werden. Anders als SMS würde eine Nachricht über Cell Broadcasting auch bei überlastetem Netz ankommen. Bricht allerdings das Mobilfunknetz ganz zusammen, kommen keine Nachrichten mehr durch.

Zudem müsse die Technologie bei manchen Handys erst in den Einstellungen aktiviert werden, gab Kriegskotte zu bedenken. Das stellt ähnlich wie bei den Warnapps Nina und Katwarn die Hürde dar, dass ausreichend Menschen die Technologie aktiv nutzen wollen müssen, damit sie ihren Zweck erfüllt. Anders als die Apps kann das System außerdem keine Grafiken oder andere über Text hinausgehenden Informationen übermitteln – denn die Technologie ist laut Kriegskotte schon mehr als 30 Jahre alt. Demnach nutzen Länder wie Japan und die USA im Katastrophenschutz bereits ähnliche Systeme.

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sprach sich für die Warn-SMS aus. Andere Länder hätten ein solches System bereits - „das müssen wir auch in Deutschland einführen“, sagte sie in der Sendung „Frühstart“ von RTL und ntv am Mittwoch.

Für die Warnung vor akuten Gefahren sei ein Mix aus analogen und digitalen Methoden notwendig, von Sirenen bis hin zu High-Tech-Lösungen, betonte Seehofer. Sirenen alleine seien kein Allheilmittel, denn „es reicht ja nicht aus, nur akustisch zu warnen, die Bevölkerung muss ja auch wissen, was sie tun soll“.

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Die Ressourcen des bislang hauptsächlich für den Verteidigungsfall zuständigen BBK sollten in Zukunft besser genutzt werden, sagte Seehofer. Zusätzlich zur Umsetzung eines dafür bereits im März vorgelegten Konzepts zur Neuausrichtung der Bonner Behörde werde es dafür im Herbst möglicherweise auch „eine kleine Gesetzesänderung“ geben müssen.

(mba/AFP/dpa)