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Aufatmen nach dem großen Regen: Hoch "Sabine" bringt Sonnenschein

Aufatmen nach dem großen Regen : Hoch "Sabine" bringt Sonnenschein

In den Hochwassergebieten können die Menschen allmählich aufatmen. Zumindest von oben drohen keine neuen Fluten.

Nachdem Tausende Menschen am Montag noch im Dauerregen Sandsäcke schleppten, setzte sich am Dienstag die Sonne durch. Die Temperaturen kletterten vielerorts über 20 Grad. Und so geht es nach der Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) weiter.

Endlich wird es frühsommerlich: In ganz Deutschland sollen die Temperaturen in den nächsten Tagen auf 19 bis 26 Grad steigen. Zu verdanken sei das dem Hoch "Sabine", das von Westen her die Regenwolken verdrängt, sagte DWD-Meteorologe Helmut Malewski. Voraussichtlich werde sich "Sabine" bis über das Wochenende hinaus halten.

Die Hochwassergebiete im Süden und Osten bekommen allerdings nachmittags einzelne Gewitter mit Schauern ab. Aber die Regenmengen werden nach den Erwartungen der Meteorologen nicht ausreichen, um die Hochwasserlage zu verschärfen.

Extremwetter im Sommer wird häufiger kommen

Insgesamt könnten starke Regenfälle in Deutschland zunehmen. Eine statistische Häufung von Fluten wie derzeit lasse sich jedoch noch nicht nachweisen, sagte der Meteorologe Gerhard Lux vom DWD. Ein Hochwasser wie in Bayern und Ostdeutschland sei natürlich ein Einzelereignis. "Mit so seltenen Fällen kann man keine Statistik basteln."

Generell habe die jährliche Niederschlagsmenge in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland nur unwesentlich zugenommen. "Wir sehen aber Veränderungen in den einzelnen Jahreszeiten", sagte der DWD-Sprecher. "Es gibt eine Tendenz zu wärmeren, feuchteren Wintern und zu trockeneren Sommern."

"Es fällt mehr Niederschlag im Winter - und dies eher als Regen denn als Schnee." Im Sommer gebe es dagegen etwas häufiger Unwetter, obwohl die Jahreszeit in der Summe der Niederschläge insgesamt etwas trockener geworden sei. Eine Zunahme langer Dauerregen im Frühling oder Sommer, wie sie nun zu den heftigen Hochwassern geführt hatten, sei bislang nicht statistisch abgesichert.

Generell gelte jedoch, dass warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen und damit auch mehr Wasser transportieren könne. Die Durchschnittstemperatur in Deutschland ist Lux zufolge seit der Industrialisierung in den vergangenen hundert Jahren um rund ein Grad gestiegen. "Wir haben die Befürchtung, dass es künftig häufiger große Niederschlagsmengen geben wird." Insbesondere die Zahl von Wetterextremen könnte weiter zunehmen.

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Extreme Hochwasser nicht vorhersehbar

Extreme Hochwasser wie derzeit in weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands werden sich nach Experteneinschätzung nie völlig vorhersagen lassen. Zwar sei bis zu einer Woche vorher absehbar, dass große Regenmengen fallen würden, sagte der Hydrologe an der Uni Potsdam, Maik Heistermann, am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Wie stark die Regenfälle dann aber tatsächlich seien, hänge von mehreren Prozessen in der Atmosphäre ab, die regional variierten.

Zwar könne eine zutreffende Vorhersage dazu beitragen, Schäden zu reduzieren, sagte Heistermann. Vermeiden ließen sie sich aber - gerade bei einem Extremereignis wie dem aktuellen Hochwasser - nie.
Anwohner müssten daher akzeptieren, dass es keinen perfekten Schutz vor Hochwasser-Katastrophen gebe.

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(dpa/felt)