Kita ohne Weihnachtsbaum Streit um Baum zeigt viel religiöse Unkenntnis

Meinung | Düsseldorf · Weil eine Betreuungseinrichtung für Kleinkinder in Hamburg auf den Weihnachtsbaum verzichten wollte, wurde sie Ziel eines Sturms der Entrüstung. Dabei spricht nichts gegen dieses weihnachtliche Symbol. Und um Religionsfreiheit geht es schon gar nicht.

 Die nordhein-westfälische Forstministerin Silke Gorissen (M, CDU) begrüßt Düsseldorfer Kita-Kinder im Foyer des Stadttors, damit diese traditionell den Weihnachtsbaum mit selbstgebastelten Schmuck bestücken. Hier gehört der Christbaum noch zur weihnachtlichen Tradition.

Die nordhein-westfälische Forstministerin Silke Gorissen (M, CDU) begrüßt Düsseldorfer Kita-Kinder im Foyer des Stadttors, damit diese traditionell den Weihnachtsbaum mit selbstgebastelten Schmuck bestücken. Hier gehört der Christbaum noch zur weihnachtlichen Tradition.

Foto: dpa/Roberto Pfeil

In Hamburg brennt der Baum – aber nur sprichwörtlich, denn in einer Kindertageseinrichtung (Kita) wird es in diesem Jahr keinen Weihnachtsbaum geben. Das habe religiöse Gründe, so die Einrichtung. Aus Gründen der "Religionsfreiheit" habe man sich dazu entschieden, auf eine Tanne zu verzichten. Man wolle niemanden durch geschmücktes Gehölz ausschließen.

In einer Erklärung nennt der Kita-Träger die Formulierung seiner Einrichtung "unglücklich". Man wolle in Hamburg mit Sicherheit nicht die christliche Tradition abschaffen. Es sei jedoch seit über 47 Jahren Tradition, dass Kita-Teams (gemeinsam mit den Kindern) entscheiden würden, wie sie ihre Einrichtung schmückten. In den vergangenen zehn Jahren habe es in der betroffenen Kita dreimal einen Baum gegeben.

Begründungen wie "Religionsfreiheit" und die erklärte Angst vor kulturellem Ausschluss Anderer klingen nach dem alljährlichen Sankt Martin-/Lichterfest- oder Nikolaus-/Weihnachtsmann-Streit. Und folglich gilt auch hier: Niemandem wird es wehtun, die Bräuche anderer kennenzulernen und dazu auch einmal unter einem Tannenbaum Platz zu nehmen. Die Begründung ist deshalb fehl am Platz. Zumal der Kita-Träger betont, dass es zum Bildungsauftrag in der Einrichtung einer weltoffenen Stadt wie Hamburg gehöre, verschiedene Feste und Kulturen kennenzulernen.

Die Ironie der Geschichte: Das Zusammensitzen unterm Tannenbaum hat denkbar wenig mit dem religiösen Weihnachtsfest zu tun. Vielmehr kann der Baum als das Symbol des säkularen Weihnachtsfestes angesehen werden. Goethe erfreute sich daran, eifernde Prediger verdammten das geschmückte Grün, und im Vatikan hatte er bis vor gut 30 Jahren schlicht nichts zu suchen. Mit dem christlichen Kern des Weihnachtsfestes hat der heutige Tannenbaum also denkbar wenig gemein. Manche Kirchengemeinden verzichten sogar bewusst darauf.

Sicher wird es also auch ohne Baum Weihnachten, doch welcher Inhalt bleibt dem säkularen Fest? Schaut man auf die Wortmeldungen der Abendlands- und Kita-Weihnachtsbaumretter, scheint auch dort recht wenig von der eigentlichen Weihnachtsbotschaft angekommen zu sein.

Nachdem sich in Hamburg erste Eltern über das Fehlen des Kita-Baums empörten und lokale Medien berichteten, klagt der Kita-Träger nun über "massive rassistische Drohungen" und Erpressungsversuche. Wer, um eine Zimmerdekoration zu retten, verbale oder gar physische Gewalt gegen chronisch überlastetet Erzieherinnen und Erzieher in Betracht zieht, sollte vor Weihnachten noch einmal dringend nachschauen, worum es bei diesem Fest eigentlich geht. Das Fest fußt auf der Erzählung der Freundschaft des christlichen Gottes mit den Menschen. Seine Engel kündigen Frieden auf den Feldern an – nicht Hass und Hetze. Von einem Baum steht dort jedoch nichts.

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