Halle steht stundenlang still

Stadt nach Bluttat im Ausnahmezustand : Halle steht stundenlang still

Die tödlichen Schüsse und der Angriff auf eine Synagoge haben Halle an der Saale am Mittwoch praktisch zum Stillstand gebracht. Stundenlang waren die Anwohner aufgefordert, in ihren Wohnungen zu bleiben.

Sirenengeheul unterbricht die Totenstille. Schwer bewaffnete Polizisten in schwarzen Anzügen und mit Helmen durchkämmen das beschauliche Paulusviertel im Norden von Halle in Sachsen-Anhalt. Etwa 30 Meter von einer Synagoge entfernt liegt die Leiche einer Frau, sie ist mit einer blauen Decke bedeckt. Daneben steht ein schwarzer Rucksack, an dessen Reißverschluss eine kleine Stoffente hängt. Ein Mann wird an oder in einem Döner-Imbiss erschossen. Außerdem habe ein Täter selbstgebastelte Sprengsätze an der Synagoge abgelegt und versucht, hineinzugelangen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Die Polizei hat das Gebiet weiträumig mit Flatterband abgesperrt.

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Nach den tödlichen Schüssen befindet sich die Saalestadt im Ausnahmezustand. Am Himmel über der Innenstadt kreist ein Hubschrauber. Streifenwagen fahren mit Blaulicht durch das Villenviertel und fordern die Anwohner auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Auch das mobile Warn- und Informationssystem Katwarn wendete sich mit einer „Gefahrendurchsage“ an die Bevölkerung. „Gebäude und Wohnungen nicht verlassen. Von Fenster(n) und Türen fern bleiben!“ Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) betont: „Zum Schutz der Bevölkerung ist dies unbedingt erforderlich.“ Der öffentliche Nahverkehr in Halle ist bis zum frühen Abend komplett eingestellt. Auf den Straßen der Stadt mit knapp 239.000 Einwohnern staut sich der Auto- und Lastwagenverkehr.

Einwohner erreichten besorgte Anfragen von Verwandten oder Freunden: „Bist du in Sicherheit?“ oder „Was ist bei Euch los?!“ Die Stadt Halle spricht von einer „Amoklage“ und beruft einen Krisenstab ein. Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Die Polizei hatte seit den Mittagsstunden alle verfügbaren Kräfte in Sachsen-Anhalt abgezogen und nach Halle verlegt. Das Universitätsklinikum verstärkte vorsorglich die Notaufnahme. „Die Nacht- und Frühschicht ist auch geblieben“, sagte ein Klinikumssprecher der dpa.

(jco/dpa)
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