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Gute Apfelernte in Deutschland erwartet - Obst mit großer Symbolkraft​

Knackig, rund und paradiesisch : Gute Apfelernte in Deutschland erwartet - Obst mit großer Symbolkraft

Äpfel versprechen Jugend und Gesundheit. Von der Bibel bis zu den Gebrüdern Grimm spielen die Früchte immer wieder eine Schicksalsrolle. Statistiker erwarten in diesem Jahr eine gute Apfelernte.

Er hat Kulturgeschichte geschrieben: Der Apfel spielt nicht nur bei Homer und in der Bibel eine besondere Rolle, sondern auch in Märchen und in Schillers Drama „Wilhelm Tell“. Die knackige, vitaminreiche Frucht symbolisiert Fruchtbarkeit, Herrschaft, aber auch Versuchung und Sündenfall. Auch ist sie ein Symbol des Lebens - etwa in dem Luther zugeschriebenen Satz: „Auch wenn ich wüsste, dass morgen die Welt zugrunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.“

Deutschland ist in Europa einer der bedeutendsten Apfelerzeuger. Zugleich ist der Apfel die wohl beliebteste Obstsorte hierzulande; Experten unterscheiden an die 2.000 Sorten und Varietäten. Die Obstbaubetriebe erwarten für das laufende Jahr eine gute Apfelernte von rund 1,05 Millionen Tonnen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Damit dürfte die Apfelernte gegenüber dem Vorjahr voraussichtlich um knapp 46.000 Tonnen und damit 4,6 Prozent höher ausfallen.

Apfelbäume werden bundesweit auf einer Fläche von knapp 34.000 Hektar - rund 48.000 Fußballfelder - angebaut. Die wichtigsten Anbaugebiete liegen in der Bodenseeregion und im Alten Land bei Hamburg sowie in Sachsen. Mehr als 70 Prozent der geernteten Äpfel werden als Tafelobst zum Verkauf angeboten. Zur Produktion von Fruchtsaft, Konserven oder Apfelwein wurde etwa ein Viertel verwendet.

Die Geschichte des Apfels ist eng mit der des Menschen verbunden: Archäologische Funde zeugen nach Darstellung des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena davon, dass Menschen seit mehr als zehntausend Jahren Wildäpfel in Europa und Westasien sammelten. Doch beweisen fossile und genetische Funde, dass Apfelbäume bereits Millionen Jahre vor ihrer Kultivierung recht große fleischige und süße Früchte entwickelten - für die damals lebenden riesigen Tiere eine attraktive Nahrungsquelle.

Das genetische Material für den modernen Apfel stammt aus Kasachstan. Die dort wachsenden Holzapfel-Arten waren dem delikaten Obst von heute allerdings nur entfernt ähnlich, gaben aber der ehemaligen Hauptstadt ihren zwischenzeitlichen Namen: Alma Ata - Stadt der Äpfel. Über die Seidenstraße gelangten die Pflanzen und Früchte ans Schwarze Meer. Griechen und Römer kultivierten sie weiter.

Die frühesten deutschen Dokumente über den Apfelanbau sind die „Kapitularien“ Karls des Großen. Gefördert wurde das Pflanzen von Obstbäumen insbesondere in Klöstern und von einigen Landesherren. So wurden Brautpaare bisweilen verpflichtet, Obstbäume zu pflanzen - große Bedeutung für den mittelalterlichen Speiseplan hatten sie allerdings nicht.

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Das 19. Jahrhundert gilt dann als Blütezeit der Obstkultur: Pfarrer, Ärzte, Apotheker und Lehrer spielten eine zentrale Rolle. Sie gründeten Pomologenvereine, Gesellschaften und Schulen, die ihre Mitglieder mit Edelreisern wertvoller Obstsorten versorgten. Heute gilt diese Vielfalt als gefährdet, weil die großen Produzenten und Lebensmittelketten nur wenige Sorten anbieten.

Zugleich ist der Apfel mit einer Symbolik verbunden wie kaum eine andere Frucht. Liebesgöttinnen wurden in der Antike mit einem Korb voller Äpfel dargestellt. Das vitaminreiche Obst spielt in der griechischen Mythologie aber auch eine verhängnisvolle Rolle - als Zankapfel. Königssohn Paris muss entscheiden, welche der drei Göttinnen die Schönste sei: Aphrodite, Athene oder Hera. Paris reicht Aphrodite den goldenen Apfel - was indirekt den Trojanischen Krieg auslöst.

Zwar spricht die biblische Schöpfungsgeschichte nur allgemein von einer „Frucht“, mit der Eva ihren Adam im Garten Eden zum Sündenfall animiert hat. In der christlichen Kunst aber sind es meist Äpfel, die am Baum der Erkenntnis hängen. Ein vergifteter Apfel ist es, der „Schneewittchen“ in Grimms Märchen beinahe das Leben kostet.

Für mittelalterliche Herrscher wurde der Apfel zum Zeichen der Macht. Dem „Reichsapfel“ der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war ein goldenes, mit Edelsteinen geschmücktes Kreuz aufgesetzt.

Den bekanntesten Apfel der Gegenwart entwarf 1977 Rob Janoff: Die angebissene Frucht ist das Symbol des Technologie-Riesen Apple. Weltherrschaftsgelüste soll er angeblich nicht symbolisieren: Mitgründer Steve Jobs hatte die Idee bei einer Obstdiät.

(albu/kna)