Ab Mittwoch Dauerausstellung in Berlin Endstation Museum — wo die "Körperwelten"-Plastinate herkommen

Berlin/Guben · Ab Mittwoch sollen sie in Berlin ein dauerhaftes Museum bekommen, die präparierten menschlichen Körper des Gunther von Hagens. Sie kommen aus einer Werkstatt in Brandenburg, die der umstrittene Leichenpräparator vor Jahren eröffnete.

Das ist das "Menschen Museum" von Gunther von Hagens in Berlin
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Blick ins Berliner "Menschen Museum" von Gunther von Hagens

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Foto: dpa, pil sab

Die Arbeit hier hat es in sich. In einer ehemaligen Tuchfabrik in Brandenburg an der Grenze zu Polen werden menschliche Körper präpariert. Mitarbeiter sind über ihre Arbeiten gebeugt, aus Tischlampen kommt grelles Licht. Die meisten der Arme, Beine bis hin zu ganzen Körpern werden an Universitäten verkauft, wie der Geschäftsführer der Plastinate GmbH in Guben, Rurik von Hagens, sagt. Dort werden sie zu wissenschaftlichen Zwecken verwandt. Weltweit bekannt hat diese Arbeiten sein Vater gemacht, der umstrittene Leichenpräparator Gunther von Hagens. Mit seinen "Körperwelten"-Ausstellungen.

Am morgigen Mittwoch wird ein eigens für die Plastinate geschaffenen Museums am Berliner Alexanderplatz eröffnet — der Bezirk Mitte kämpfte allerdings lange erbittert dagegen. Für ihn verstößt das Ausstellen von präparierten Körpern gegen das Bestattungsgesetz. Die Kuratorin des Museums, Angelina Whalley, erklärte, im rechtlichen Sinne handle es sich danach nicht mehr um Leichen. Sie wies die Position des Bezirksamtes zurück. Auch das Verwaltungsgericht Berlin folgte nicht der Auffassung des Amtes und erlaubte die Eröffnung. Nun wird eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts über das Museum erwartet.

"Wir wollen zeigen, dass wir kein Gruselkabinett sind"

Rurik von Hagens geht durch eine riesige Halle. Seit 2012 ist der Diplom-Kaufmann Geschäftsführer des Plastinariums, das sein Vater 2006 eröffnete. Der 34-Jährige rechnet damit, dass mit dem Berliner Museum mehr Besucher hierher kommen. "Das haben wir auch beobachtet, als die "Körperwelten"-Ausstellung in Berlin Station machte — damals sind die Besucherzahlen hier in Guben pro Tag doppelt so hoch gewesen als an einem gewöhnlichen Tag."

Alles ist offen für Besucher — als "Lernwerkstatt" angelegt. "Wir wollen transparent sein und zeigen, dass wir kein Gruselkabinett sind", sagt von Hagens. Kritiker werfen seinem Vater vor, die Menschenwürde zu verletzen. Von Hagens polarisiert. Die Kritik sei wahrscheinlich damit erklärbar, dass der Tod Ängste hervorrufe, meint Sohn Rurik.

Von Hagens öffnet eine Schiebetür und geht in einen klimatisierten Raum. Hier sehen die Körperteile bei Weitem noch nicht so aus, wie sie Millionen Besuchern in den "Körperwelten"-Ausstellungen gezeigt werden. Mit Handschuhen und Pinzetten entfernen Mitarbeiter in Plastikschürzen Gewebe. Zwei Männer arbeiten an einem Bein.

Mai 2014: Körperwelten in Hamburg
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Mai 2014: Körperwelten in Hamburg

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In einem mehrstufigen Prozess werden die Körperteile, die von Spendern stammen, präpariert und zu Plastinaten. Rurik von Hagens kennt diese Arbeit gut. Bei seinem Vater habe er als Schüler in den Ferien gejobbt, berichtet er.

Wichtiger Arbeitgeber in Guben

In das Plastinarium, das drei Tage in der Woche geöffnet ist, kommen nach eigenen Angaben zwischen 100 und 150 Besucher pro Tag. Dazu zählten auch Schulklassen — jedoch nicht aus Brandenburg. Denn das Bildungsministerium in Potsdam unterstützt das nicht.

Im Herbst gab es mit den Landtagswahlen einen Wechsel an der Spitze des Bildungsministeriums. Hat sich die Haltung inzwischen geändert? Das Ministerium erklärt auf Anfrage: "Privat kann sich "Körperwelten" ansehen wer will, aber als schulische Veranstaltung ist dies nicht geeignet." Bildungsminister Günter Baaske (SPD) teile die Ansicht seiner Vorgänger.

In Guben an der Neiße leben annähernd 20.000 Menschen. Als von Hagens hierher kam, gab es zunächst Protest. "Mittlerweile hat sich die Meinung in Guben geändert", sagt Bürgermeister Fred Mahro (CDU). Das Plastinarium sei ein wichtiger großer Arbeitgeber in der Stadt. Und ein Imagefaktor.

(dpa/KNA)