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Streng geheime Passagiere: GSG-9-Männer fliegen unauffällig mit

Streng geheime Passagiere : GSG-9-Männer fliegen unauffällig mit

Berlin/Washington (RPO). Sie sind verdeckt an Bord. Unauffällig in Zivil schützen die im Antiterrorkampf geschulten Männer der GSG 9 schon länger die Passagiere in deutschen Flugzeugen, besonders auf Flügen in die USA und nach Israel. Nach dem vereitelten Anschlag der Al Qaida auf eine Maschine der amerikanischen Delta Airlines wurde der Schutz durch die "Sky-Marshalls" erheblich verstärkt.

Das erfuhr die Nachrichtenagentur ddp aus Sicherheitskreisen in Berlin. Der Einsatz der Sicherheitsbeamten werde "streng geheim gehalten", hieß es. Auch die Lufthansa wollte zu den verschärften Maßnahmen nichts sagen.

Das beherzte Eingreifen der Passagiere, besonders des Niederländers Jasper Schuringa, hatte beim Delta-Flug 253 am ersten Weihnachtsfeiertag den Anschlag des Nigerianers Umar Faruk Abdulmutallab beim Anflug auf Detroit verhindern können. Ein amerikanischer Pilot hatte schon vor einiger Zeit Passagieren für den Fall, dass ein Terrorist, der eine Waffe zückt oder irgendwie erkannt wird, zu einem ungewöhnlichen "Bombardement" auf ihn geraten: Sie sollten Gegenstände auf den Angreifer werfen, Bücher, Schuhe, Zeitungen, Kissen, Brillen, Gläser oder Besteck. Dadurch werde der Mann oder die Frau von dem Vorhaben abgelenkt, verwirrt und könne leichter überwältigt werden.

Experten der Bundespolizei zeigten sich davon überzeugt, dass der wesentlich verstärkte Schutz durch Sicherheitsleute in den Passagiermaschinen eine gute Ergänzung zu den intensivierten Sicherheitsmaßnahmen auf den Flughäfen darstellt. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), äußerte die Erwartung, dass es dem Forschungsinstitut der Bundespolizei in Lübeck gelingen wird, schon im nächsten Jahr ein Kontrollgerät einsatzbereit zu haben, das auch Sprengstoff, der dicht am Körper haftet, entdecken kann. Eine "digitale Entkleidung" wie beim "Nacktscanner" wäre dann nach dem Urteil von Fachleuten überflüssig.

Aus Kreisen des US-Geheimdienstes CIA war zu erfahren, dass die Eröffnung einer "dritten Front" im Jemen nach dem Irak und Afghanistan in Washington "große Sorgen" bereitet. Der 23-jährige Nigerianer war nach Angaben jemenitischer Regierungsstellen für den Anschlag auf die amerikanische Passagiermaschine vom August bis Dezember in einem Terrorcamp der Al Qaida nahe der jemenitischen Hauptstadt Sanaa für den Umgang mit Sprengstoff ausgebildet worden.

Schon vor sieben Jahren hatte die CIA auf den aufkeimenden Al Qaida-Terror auf der Arabischen Halbinsel aufmerksam gemacht. Mit einer von einer Drohne abgefeuerten Rakete trafen CIA-Spezialisten einen durch die Rub-al-Chali-Wüste rasenden Geländewagen. Sechs Terroristen starben. Einer der Getöteten war Abu Ali, früherer Leibwächter von Terrorchef Osama Bin Laden. "Der Zwischenfall war das Zeichen für den Beginn der Regional-Al Qaida im Jemen", erläuterte ein CIA-Mann in Washington.

Ähnlich wie an der afghanisch-pakistanischen Grenze setzten sich die Gefolgsleute von Bin Laden im politisch zerrütteten Jemen nach und nach fest. In den Camps in den unzugänglichen Gebirgen und Steinwüsten, die den Verhältnissen im pakistanischen Nord- und Süd-Waziristan ähneln, werden nach CIA-Informationen immer mehr Terroristen ausgebildet. US-Präsident Barack Obama hat jetzt befohlen, diese Camps genauso wie die entsprechenden Einrichtungen in Pakistan mit Drohnen anzugreifen. "Die jemenitische Regierung hat ihr Einverständnis dazu erklärt", erläuterte ein CIA-Mann.

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Vor anderthalb Wochen wurden im Jemen Terrorcamps der Al Qaida mit amerikanischen Marschflugkörpern angegriffen. Es sollen 120 Menschen ums Leben gekommen sein. Der versuchte Anschlag auf die US-Passagiermaschine beim Landeanflug auf Detroit sei dafür die Vergeltung gewesen, hieß es im Bekenntnis von Al Qaida zu dem Attentat.

Der Terrorexperte der Vereinten Nationen, Richard Barrett, berichtete, dass sich offenbar viele Schlüsselfiguren der Al Qaida im Jemen festgesetzt hätten. Der Kampf gegen die Taliban und Al Qaida in Afghanistan sei eigentlich sinnlos, wenn man jetzt einfach in den Jemen gehen könne, dort eine Terror-Ausbildung erhalte und dann auch von der Arabischen Halbinsel zu Attentaten in die westlichen Länder geschickt werde. US-Senator Joseph I. Liebermann befürchtet, Jemen werde zu einem "neuen Zentrum der Al Qaida-Terroristen".

(DDP/spo)