Greta Thunberg im ICE: Die Deutsche Bahn wehrt sich gegen Platzproblem-Bild

Der Nebel lichtet sich : Wirbel um Greta-Foto - Bahn verteidigt sich, Thunberg relativiert

Ein Bild von Greta Thunberg geistert seit Samstag durch das Netz. Es zeigt, wie sie in einem angeblich völlig überfüllten ICE keinen Platz findet und auf dem Boden sitzt. Laut Deutscher Bahn ist sie jedoch zumindest zeitweise in der ersten Klasse gefahren.

Umweltaktivistin Greta Thunberg hat am Samstag ein Bild aus einem angeblich überfüllten ICE in den sozialen Medien gepostet. Auf dem Bild ist zu sehen, wie Greta Thunberg mit ihren Koffern auf dem Gang sitzt und aus dem Fenster sieht. Sie sei „in überfüllten Zügen durch Deutschland“ unterwegs, wie sie auf Twitter schrieb. „Und ich bin endlich auf dem Heimweg!“, schrieb sie dazu. Greta befand sich auf dem Weg von Zürich nach Kiel. Die Fahrt war das Ende ihrer viermonatigen Reise durch Amerika und Europa.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="de" dir="ltr">Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der Ersten Klasse betreut worden bist. <a href="https://twitter.com/hashtag/Greta?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw">#Greta</a> 2/2</p>&mdash; Deutsche Bahn AG (@DB_Presse) <a href="https://twitter.com/DB_Presse/status/1206182674949382145?ref_src=twsrc%5Etfw">December 15, 2019</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Schnell ging der Post viral - und direkt gab es massive Kritik für die Deutsche Bahn. Nun äußert sich der Konzern. Er stellt den Sachverhalt allerdings etwas anders dar.

Zuerst antwortete die Deutsche Bahn verhalten und schrieb: „Wir wünschen Greta eine gute Heimfahrt. Und arbeiten weiter hart an mehr Zügen, Verbindungen und Sitzplätzen.“

Wenig später meldete sich der Konzern via Twitter erneut zu Wort. „Liebe #Greta, danke, dass Du uns Eisenbahner im Kampf gegen den Klimawandel unterstützt! Wir haben uns gefreut, dass Du am Samstag mit uns im ICE 74 unterwegs warst. Und das mit 100 Prozent Ökostrom“, schreibt die Pressestelle auf dem Kurznachrichtendienst. Und weiter: „Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der Ersten Klasse betreut worden bist.“

Einer weiteren Mitteilung der Bahn zufolge reiste Thunberg von Frankfurt nach Hamburg - zwischen Kassel und Hamburg auf einem Sitzplatz in der Ersten Klasse. Dies hätten Recherchen zum Reiseverlauf ergeben.

Am Sonntagnachmittag reagierte Thunberg mit einem eigenen Tweet auf die Statements der Bahn. Ihr Zug von Basel aus sei ausgefallen, weshalb sie im Anschluss in zwei verschiedenen Zügen auf dem Boden gesessen habe, schrieb sie. Hinter Göttingen habe sie schließlich einen Sitzplatz erhalten. „Das ist natürlich kein Problem und ich habe niemals gesagt, dass es eines wäre.“ Sie konnte der Situation auch etwas Positives abgewinnen: „Überfüllte Züge sind ein großartiges Zeichen, weil das bedeutet, dass die Nachfrage nach Bahnreisen groß ist“, twitterte sie.

Auf dem Foto, das die Schwedin gepostet hatte, stehen zumindest keine anderen Passagiere neben ihr, der ICE 74 verkehrt zwischen Zürich und Kiel. Der Flur ist leer.

Für die Bahn kommt das Greta-Bild zu einer schlechten Zeit. Eigentlich wollte sich der Konzern eher mit dem neuen Fahrplan rühmen, der am Sonntag in Kraft getreten ist. Jetzt muss er sich mit einem Bild herumschlagen, das hohe Wellen auf Twitter schlägt und für eine Menge Spott sorgt.

Für Thunberg jedenfalls gingen viereinhalb Monate fernab der schwedischen Heimat zu Ende. Anfang August war sie zunächst per Zug nach Lausanne in die Schweiz zu einer internationalen Konferenz der Klimabewegung Fridays für Future gereist. Von dort aus ging es weiter nach Plymouth, wo sie an Bord der Hochsee-Rennjacht „Malizia“ vom norddeutschen Segelprofi Boris Herrmann und dessen Co-Skipper Pierre Casiraghi in 14 Tagen über den Atlantik nach New York gebracht wurde. Schon da gab es Kritik, weil ein Teil ihres Teams geflogen sei.

Auf der anderen Seite des Ozeans nahm die 16-Jährige unter anderem am UN-Klimagipfel in New York teil, ehe sie für Klimaproteste und andere Termine erst ins kanadische Montreal und dann quer durch die USA bis nach Los Angeles reiste. Von dort sollte es zur Weltklimakonferenz in Santiago de Chile weitergehen - daraus wurde aber nichts, weil Chile die Zusammenkunft wegen der Unruhen nicht ausrichten konnte.

Stattdessen sprang Madrid ein - und Thunberg machte sich auf den Rückweg nach Europa. Per Katamaran eines Youtuber-Paars gelangte sie von Virginia nach Lissabon und von dort rechtzeitig zu einem großen Klimaprotest am 6. Dezember nach Madrid. Auf der UN-Klimakonferenz kritisierte sie, den Politikern wohlhabender Staaten fehle jegliches Gefühl für die Dringlichkeit der Krise.

Auf dem Weg zurück nach Schweden legte sie am Freitag einen kurzen Zwischenstopp in Turin in Italien ein. Erst hielt sie auch dort eine Rede vor Klimademonstranten, dann sagte sie vor Journalisten, dass sie eine Pause brauche und Weihnachten zu Hause in Schweden verbringen werde. Von ihrer Familie war auf der großen Reise nur Vater Svante dabei, zu Hause erwartet sie nun das Wiedersehen mit ihrer Mutter Malena Ernman sowie ihrer Schwester und den beiden Familienhunden.

(mit Material der dpa)