Lübecker Bucht: Gibt es einen zweiten Buckelwal in der Ostsee?

Lübecker Bucht : Gibt es einen zweiten Buckelwal in der Ostsee?

Lübeck (RPO). In der Ostsee wurde am Freitag in der Lübecker Bucht ein weiterer Buckelwal gesichtet. Zwei Buckelwale gleichzeitig hat es bisher noch nie in der Ostsee gegeben. Die beiden Wale unterscheiden sich durch ihre Rückenfinne.

Der dänische Meeresbiologe Carl Kinze kam nach Auswertung von Fotos im Gespräch mit der "Ostseezeitung" (Samstagausgabe) zu dem Schluss, dass ein am Freitag in der Lübecker Bucht gesichteter Wal eindeutig nicht identisch mit jenem Meeressäuger sei, der seit drei Wochen immer wieder vor der Insel Rügen gesehen werde.

Kinze sprach von einer doppelten Sensation: "Zwei Buckelwale auf einmal, das hatten wir nach meinen Recherchen noch nie in der Ostsee", sagte er. Der Forscher verwies auf deutliche Unterschiede auf der Rückenfinne.

Er hält es dem Bericht zufolge für wahrscheinlich, dass der am Dienstagabend vor Warnemünde gesichtete Buckelwal derselbe ist, der am Freitag vor Niendorf (Schleswig-Holstein) beobachtet wurde. Rügen-Wal "Bucki" war zuletzt am Mittwoch vor Sellin aufgetaucht.

"Das Tier scheint bei bester Gesundheit zu sein", sagte Dirk Frese von der Wasserschutzpolizei Lübeck-Travemünde der AP. Das etwa acht bis zehn Meter lange Tier sei weder verletzt, noch verhalte es sich untypisch: "Es ist sehr verspielt, taucht immer wieder auf und schwimmt zwischen den Booten hin und her."

Forscher gehen davon aus, dass sich die Wale in der Ostsee verirrt haben. Sie seien vermutlich in Richtung Arktis unterwegs gewesen, um sich dort eine Fettschicht anzufressen, und dabei "falsch abgebogen".

Buckelwale leben weltweit in den Ozeanen, wobei sie im Sommer meist in die Polregionen ziehen und sich im Winter in subtropischen Gewässern aufhalten. Die letzte Sichtung eines Buckelwales in der deutschen Ostsee vor "Bucki" liegt bereits 30 Jahre zurück.

Die Wasserschutzpolizei war aufgrund eines Tipps vom Ordnungsamt Timmendorf mit dem Schlauchboot rausgefahren und hatte das Tier circa einen Kilometer vom Strand entfernt zwischen der Niendorfer und der Timmendorfer Seebrücke angetroffen.

Der erste Buckelwal "Bucki" war vor drei Wochen bei Rügen entdeckt und seitdem in polnischen, dänischen und nach unbestätigten Meldungen auch in schwedischen Gewässern gesichtet worden. Zuletzt tauchte er vor Warnemünde auf.

Experten raten von Whale Watching ab

Frese rät davon ab, sich dem Wal mit kleinen Booten zu nähern: Auch ein noch so friedliches Tier stelle in dieser Größe eine Gefahr dar. Auch das Deutsche Meeresmuseum Stralsund warnt davor, sich "Bucki" zu nähern - allerdings aus Angst um das Tier: So spannend und aufregend die Buckelwal-Sichtungen in der Ostsee für Einheimische und Touristen seien, so stressig sei die aktuelle Situation für den Meeressäuger selbst.

(ap)