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Video-Dreh im Gerichtssaal: Gewalt-Rapper verhöhnt die Justiz

Video-Dreh im Gerichtssaal : Gewalt-Rapper verhöhnt die Justiz

Der Essener Rapper KC Rebell hat sein aktuelles Video mit offizieller Genehmigung im Wuppertaler Gerichtssaal gedreht. Nun staunen die Richter nicht schlecht: In dem Clip verhöhnt er die Justiz und lässt sich mit Maschinengewehren aus der Anhörung befreien. Das Gericht steht da wie ein begossener Pudel.

Der Rapper KC Rebell sieht sich der Tradition der amerikanischen Gangsta-Rapper. Die pflegen ein ganz eigenes Selbstverständnis außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft: In ihrer Werteordnung spielen Waffen, Gewalt, Geld und dicke Autos die tragende Rolle, Frauen dienen in ihren Videos oftmals in knappen Bikinis als Sexobjekt.

Mit seinem aktuellen Video zu dem Titel "Anhörung" verbreitet der Essener Musiker seine Ansichten nun auch in gut produzierten Bildern bei Youtube. Der Text ist schwulen- und frauenfeindlich, verherrlicht Gewalt und verhöhnt das Recht. KC Rebell stilisiert sich als Mann aus dem Ghetto, der sich gegen eine feindliche Umwelt behaupten muss. "Zu viele Körperverletzungsdelikte, zu geringe Hemmschwelle — da wo ich herkomm, nennen wir das Respektschelle", heißt es zum Einstieg.

Das Video erzählt eine einfache Geschichte. Spießige Beamte und Richter versuchen darin die Hauptfigur KC Rebell im Gerichtssaal in die Mangel zu nehmen. Der Richter konfrontiert den Angeklagten mit Vorwürfen. Er sei gewalttätig, missachte die Frauen, verderbe die Jugend.

KC Rebell rappt dagegen an und erklärt dem Gericht in wenig jugendfreundlichen Worten seine Sicht auf die Welt. Im Finale zeigt KC Rebell dem Vorsitzenden den Stinkefinger und wird von vermummten Männern mit dicken Wummen in der Hand aus dem Saal geholt. "F... die Richter, nur Gott kann mich richten", rappt er dazu.

Für die Rap-Szene eine sicher durch und durch stimmige Inszenierung.

Nicht aber für die Wuppertaler Justiz. Denn gedreht wurde der Clip in den Räumen des dortigen Landgerichts. Dort ist man nun angesichts der wenig freundlichen Auslassungen des Rappers einigermaßen entsetzt. Zumal der Präsident den Dreh offiziell genehmigte. Die dürre Ankündigung der Produktionsfirma, der Künstler wolle seinen Titel im Rahmen einer gerichtlichen Anhörung inszenieren, reichte den Verantwortlichen offenbar aus.

Nun wird beklagt, es habe sich dabei um "irreführende verkürzte Angaben" gehandelt, mit denen die wirkliche inhaltliche Ausrichtung des Videos verschleiert wurde, schreibt die Wuppertaler Presse. Hätte das Landgericht die "tatsächliche Konzeption und inhaltliche Ausrichtung des Musikvideos" gekannt, wäre dem Rapper der Dreh sicher nicht genehmigt worden. Demnächst werde man schärfere Prüfungen vornehmen. Zudem prüft das Gericht angeblich rechtliche Schritte. Doch egal, was nun auch noch folgen mag - die Blamage ist perfekt.

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Der Rapper und seine Fans feiern die Aufregung um sein Video nun als gelungenen Coup. "Er ist der geilste, wie er die verarscht hat", kommentiert ein Nutzer auf Facebook-Profil des Musikers. Von den Vorwürfen, er verhöhne Justiz und verherrliche Gewalt, will KC Rebell jedoch nichts wissen. Mit dem Clip zu Anhörung habe er schlichtweg einen Actionfilm gedreht, um seine Musik zu verkaufen.

Offensichtlich mit Erfolg. Sein Video hat inzwischen über drei Millionen Abrufe zu verzeichnen.
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Hier geht es zur Bilderstrecke: Gewalt-Rapper dreht Video im Landgericht

(pst)