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Gewalt: Jede dritte Frau wird Opfer von massiver Gewalt

Verbrechen : Jede dritte Frau wird Opfer von massiver Gewalt

Egal ob in Industrienationen, dem globalen Süden oder in Schwellenländern - Gewalt gegen Frauen ist weltweit Alltag. Auch in Deutschland. Die WHO schätzt, dass 35 Prozent aller Frauen mindestens einmal körperliche oder sexuelle Gewalt innerhalb oder außerhalb einer Beziehung erlebt haben.

Das Bundesfamilienministerium kommt auf ähnliche Zahlen und geht davon aus, dass in Deutschland jede dritte Frau in ihrem Leben mindestens einmal massive Gewalt erfährt. Statistisch gesehen sind das mehr als zwölf Millionen Frauen.

So vielfältig wie die Umstände, unter denen Frauen Gewalt erfahren, sind auch die Formen der Übergriffe. Oftmals lassen sich die verschiedenen Arten nicht genau trennen. Häusliche Gewalt geht zum Beispiel oft mit emotionaler und verbaler Gewalt einher. Zwei der wohl extremsten Arten der Gewalt gegen Frauen sind Femizide und sexuelle Übergriffe.

Unter Femizid wird die Tötung von Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts verstanden. Nach Angaben des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (Eige) fallen darunter unter anderem Morde an Frauen durch aktuelle oder ehemalige Partner, im Namen der „Ehre“, in bewaffneten Konflikten oder in Verbindung mit Banden- oder organisierter Kriminalität.

Im Jahr 2019 wurden nach Angaben des Bundesfamilienministeriums 117 Frauen durch sogenannte Partnerschaftsgewalt getötet, also an jedem dritten Tag. Im Vorjahr lag die Zahl bei 122 Morden, Totschlägen oder Körperverletzungen mit Todesfolge.

Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) veröffentlicht noch viel erschreckendere globale Zahlen. Im Jahr 2017 wurden demnach 87.000 Frauen vorsätzlich getötet, davon 50.000 durch Intimpartner oder Familienmitglieder. Das entspricht 137 Taten pro Tag. In einer vorherigen Erhebung aus dem Jahr 2012 schätzte die UN-Einrichtung die Gesamtzahl dieser Morde auf 48.000 pro Jahr. Somit haben Femizide innerhalb von fünf Jahren zugenommen.

In mehreren lateinamerikanischen Ländern kennt die Gesetzgebung eigene Straftatbestände für Femizide. In Deutschland forderte die Linksfraktion im Bundestag jüngst eine Beobachtungsstelle für Frauenmorde. Verschiedene Frauenorganisationen setzen sich dafür ein, „Femizid“ im Gesetz zu einer eigenen Straftat zu machen.

Bei vielen Verbrechen lassen sich Zahlen nur schätzen, weil sich die Opfer entweder schämen oder die Täterinnen und Täter verhindern, dass sie ihre Erfahrungen öffentlich machen. Wenn also im Jahr 2018 nach Statistiken des Bundeskriminalamtes 3086 Fälle von sexuellen Übergriffen, sexueller Nötigung oder Vergewaltigung von Frauen in Partnerschaften registriert wurden, ist von einer weitaus höheren Dunkelziffer auszugehen.

Eine repräsentative Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (Fra) aus dem Jahr 2014 zeigte, dass innerhalb eines Jahres vor der Erhebung 3,7 Millionen Frauen in der EU sexuelle Gewalt erfahren haben. Insgesamt gaben elf Prozent der Befragten an, seit ihrem 15. Lebensjahr Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein. Eine Untersuchung von Unicef aus dem Jahr 2017 ergab, dass 15 Millionen der damals 15- bis 19-jährigen Mädchen und Frauen mindestens einmal in ihrem Leben zum Sex gezwungen wurden.

Eine sehr häufige Form der Gewalt gegen Frauen ist sexuelle Belästigung. Diese reicht von Anstarren und anzüglichen Bemerkungen bis hin zu unerwünschten Berührungen. In Deutschland gaben in einer repräsentativen Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos vor zwei Jahren 60 Prozent der befragten Frauen an, seit ihrem 15. Lebensjahr einer Art von sexueller Belästigung ausgesetzt gewesen zu sein. Eine ebenfalls repräsentative Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2015 ergab, dass 17 Prozent der Frauen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt haben.

(felt/epd)