1. Panorama
  2. Deutschland

Gesichtserkennung bei der Polizei: Hunderte Täter gefunden

Zahl der Identifizierten verdoppelt : Polizei findet Hunderte Täter per Gesichtserkennung

Aus dem Entwurf für ein neues Bundespolizeigesetz wurde jüngst der automatisierte Bild-Abgleich mithilfe einer neuen Gesichtserkennungssoftware aus den USA gestrichen. Doch Polizisten in Deutschland finden heute schon Hunderte mutmaßliche Täter per Gesichtserkennungsprogramm.

Zehntausende Recherchen werden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) pro Jahr durchgeführt. Wie hoch die Erfolgsquote 2019 war, teilte das BKA auf Anfrage nicht mit. Nach Angaben der Bundesregierung recherchierte allein die Bundespolizei im ersten Halbjahr 2019 rund 1200 Mal im Gesichtserkennungssystem des BKA und identifizierte 219 Menschen.

In Bayern, wo sich das dortige Landeskriminalamt (LKA) als Vorreiter in Sachen Gesichtserkennung sieht, hat sich die Zahl der mutmaßlichen Straftäter, die mithilfe des Programms identifiziert wurden, mehr als verdoppelt - von 146 im Jahr 2018 auf 387 im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2010 waren es nur zehn Erfolgsfälle, wie aus Zahlen des bayerischen LKA hervorgeht. Und die Tendenz ist weiter steigend: Allein im Januar 2020 wurden nach Angaben des Leitenden Kriminaldirektors Bernhard Egger in Bayern schon 55 Identitäten per Algorithmus geklärt.

Ganz unabhängig davon, was man in Zukunft dürfe oder machen könne - auch mit den bereits vorhandenen Mitteln wären nach Ansicht Eggers deutlich mehr Fahndungserfolge denkbar, wenn die vorhandenen Möglichkeiten engagierter genutzt würden. „Das, was wir dürfen, nutzen wir nicht optimal aus“, sagte Egger. Zuletzt war im Januar ein umstrittener Referentenentwurf zu einer gesichtserkennenden Videoüberwachung von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verworfen worden.

(ala/dpa)