Germanwings: Andreas L. soll massive Sehstörungen gehabt haben

Protokoll vom Samstag : Andreas L. soll massive Sehstörungen gehabt haben

Vier Tage nach dem Absturz von Germanwings-Flug 4U9525 werden die Hintergründe nur langsam klarer. Auch über den Copiloten kommen Details nur langsam ans Licht. Der Termin für die zentrale Trauerfeier steht fest. Die Entwicklungen des Tages zum Nachlesen.

+++ 19.49 Uhr: Erste Leichenteile des Copiloten Andreas L. sind identifiziert worden. Dies bestätigten französische Ermittler gegenüber "Bild am Sonntag". Die Identifizierung der sterblichen Überreste wurde mittels eines DNA-Abgleichs vorgenommen.

+++18.53 Uhr: Was passiert eigentlich auf dem Gebiet des Unglücks, wenn es dunkel wird? Wer befindet sich dann noch vor Ort? Diese Fragen werden in diesem Artikel beantwortet.

+++ 17.13 Uhr: Kannte Andreas L. die Gegend des Absturzortes? Der Copilot soll die Unglücksregion in den französischen Alpen seit seiner Jugendzeit gekannt haben. Er sei mit seinen Eltern dorthin gekommen, berichtete Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron am Samstag dem französische Sender iTele. Diese hätten zwischen 1996 und 2003 mit ihrem Segelflugclub aus Montabaur Flüge in der Gegend unternommen. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle. Er selbst habe die Familie dort nie getroffen, doch deren Aufenthalte seien im Club allgemein bekannt, sagte Kefer der Deutschen Presse-Agentur. Der Flugverein von Seyne-les-Alpes, noch näher am Katastrophenort gelegen, hat indes keine Hinweise auf einen früheren Aufenthalt der Familie des Copiloten.

+++ 16.45 Uhr: Immer mehr Details zum Gesundheitszustand des Copiloten werden bekannt: Andreas L. litt nach einem Pressebericht unter massiven Sehstörungen. Wie "Bild am Sonntag" vorab meldet, hatte sich der 27-Jährige deswegen in ärztliche Behandlung begeben. Ob diese Probleme organischer oder psychosomatischer Natur waren, sei derzeit unklar und Gegenstand von Ermittlungen. Jedenfalls hätten sie seine Flugtauglichkeit gefährdet.

+++ 16.24 Uhr: Nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" fanden die Ermittler Belege für eine schwere "psychosomatische Erkrankung" des Co-Piloten. Der 27-Jährige sei "von mehreren Neurologen und Psychiatern behandelt worden", zitierte die Zeitung einen ranghohen Fahnder. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Germanwings-Piloten in Düsseldorf hätten die Beamten eine Vielzahl von Medikamenten zur Behandlung der psychischen Erkrankung sichergestellt. Hinweise auf Rauschmittel oder eine Abhängigkeit von Drogen und Alkohol gebe es nicht.

Andreas L. litt demnach unter einem "starken subjektiven Überlastungssyndrom" und war depressiv.

+++ 15.40 Uhr: Französische Ermittler untersuchen nach dem Absturz auch die Möglichkeit eines technischen Defekts. "Derzeit kann die Hypothese eines technischen Fehlers nicht ausgeschlossen werden", sagte der Chef der in Düsseldorf eingesetzten französischen Ermittler, Jean-Pierre Michel, am Samstag dem französischen Sender BFMTV. Die Ermittlungen gingen voran, es fehlten aber noch "technische Details". Bei den gemeinsamen Ermittlungen sollten Erkenntnisse vom Absturzort und dem Flugverlauf mit Ergebnissen der deutschen Ermittler verbunden werden, sagte Michel.

+++ 14.48 Uhr: Auch für die Kriminalexperten an der Absturzstelle ist die Identifizierung der Opfer eine Belastungsprobe auf vielen Ebenen.

+++ 13.50 Uhr: Ermittler sollen im Haus von Andreas L. Medikamente sichergestellt haben, die auf eine schwere psychosomatische Erkrankung hinweisen. Das berichtet die "Welt am Sonntag" und bezieht sich dabei auf die Aussage eines hochrangigen Fahnders.

+++ 13.33 Uhr: Der Absturz hat vier Tage nach dem Unglück Auswirkungen auf viele Bereiche des öffentlichen Lebens. So wird unter anderem ein A-Liga-Fußballspiel nicht stattfinden. Die Spieler des SV Stürzelberg sehen sich nicht in der Lage aufzulaufen, weil der Co-Trainer des Teams unter den Opfern der Flugzeugkatastrophe ist.

+++ 12.30 Uhr: Dem Trauergottesdienst am 17. April in Köln werden der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, vorstehen. Zu dem staatlichen Trauerakt sollen nach Informationen der Katholischen Nachrichten-Agentur KNA ferner die Leiter jener Diözesen und Landeskirchen eingeladen werden, in denen viele Angehörige der Opfer wohnen.

+++ 12.22 Uhr: Das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig hat die Personalakte des Copiloten geprüft. "Wir haben Einsicht in die Unterlagen genommen und die Erkenntnisse mündlich an die Staatsanwaltschaft gegeben", sagte Holger Kasperski vom Luftfahrt-Bundesamt der dpa. "Mehr gibt es dazu aktuell nicht zu sagen", fügte Kasperski hinzu. Andernfalls könne es die Ermittlungen gefährden. Einen sogenannten SIC-Eintrag in der Akte wollte der Behördensprecher nicht bestätigen. Ein solcher Eintrag steht für besondere regelhafte medizinische Untersuchungen.

+++ 12.20 Uhr: Der Copilot Andreas L. soll als Heranwachsender mit seinem Segelflugverein mehrfach in der Nähe der späteren Absturzstelle gewesen sein. Ein Mitglied des Segelflugclubs in Sisteron sagte dem französischen Sender i-Tele, L. sei mit seiner Familie und Mitgliedern des Luftsportclubs seiner Heimatstadt Montabaur zwischen 1996 und 2003 regelmäßig in der Gegend gewesen. Er sei dort mehrfach geflogen. Der Club selbst gab dazu keinen Kommentar ab.

+++ 11.50 Uhr: Der Flughafen Düsseldorf legt jeden Tag zwei neue Kondolenzbücher aus. Am ersten Tag der Schulferien sind die Schlangen am Schalter genauso lang, wie an derTrauerstelle für die Opfer des Germanwings-Absturzes in der Abflughalle.

+++ 11.22 Uhr: In der Kathedrale von Digne-les-Bains im Südosten Frankreichs hat ein Trauergottesdienst für die Opfer der abgestürzten Germanwings-Maschine begonnen. Vor dem Altar waren 150 Kerzen aufgestellt, für jedes Todesopfer eine. Digne-les-Bains liegt unweit des Ortes, in der der Airbus A320 am Dienstag zerschellt war. "Ich bin gekommen, um für die Familien der Toten zu beten", sagte eine Gläubige, bevor sie in die Kirche trat. Der Trauergottesdienst sei eine wichtige Geste der Anteilnahme. Viele Menschen waren sichtlich erschüttert und brachten Blumengebinde mit zur Trauerzeremonie. Zwei Familien von Opfern wurden am Samstag in Digne erwartet. Ob sie an dem Trauergottesdienst teilnehmen wollten, war nicht bekannt.

+++ 10.57 Uhr: Germanwings trauert derweil heute auf Twitter auf diese Weise.

#indeepsorrow pic.twitter.com/gX055OZNmF

+++ 10.56 Uhr: Nicht nur in den Tageszeitung, sondern auch in der Mitarbeiterzeitung gedenkt Lufthansa der Absturzopfer.

Lufthansa trauert. Als Zeichen unserer tiefen Bestürzung erscheint heute unsere Mitarbeiterzeitung in schwarz. pic.twitter.com/b1T5fmBYmV

+++ 10.21 Uhr: Eine Sprecherin der NRW-Regierung sagte, an dem "Gottesdienst und staatlichen Trauerakt" im Kölner Dom werden auch Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen. Eingeladen seien Familien und Freunde der Opfer sowie Vertreter aus den anderen Ländern, die von der Katastrophe betroffen sind. Nach Angaben der Sprecherin soll auch die "anteilnehmende Bevölkerung" zu der Trauerfeier in den Dom kommen können.

+++ 10.01 Uhr: Einem Medienbericht zufolge soll der Copilot der Germanwings-Maschine im Gespräch mit einer Ex-Freundin Andeutungen gemacht haben, er werde einst große Bekanntheit erlangen.

+++ 09.56 Uhr: Der Bergungseinsatz wurde am Samstag schon früh fortgesetzt. Das französische Fernsehen zeigte, wie Hubschrauber erneut in den Einsatz flogen. Die Retter konzentrieren sich neben der Bergung und Identifizierung der Leichen auf die Sicherung der Unfallstelle in dem schwierigen Gelände.

+++ 09.35 Uhr: Auch die Lufthansa bringt am Samstag bundesweit ihre Trauer in Tageszeitungen zum Ausdruck. In der ganzseitigen Anzeige heißt es: "Der unfassbare Verlust von 150 Menschenleben erfüllt uns mit tiefster Trauer. Unser aufrichtiges Beileid, unsere Gedanken und Gebete gelten allen Angehörigen und Freunden unserer Gäste und Kollegen. Wir danken den vielen tausenden von Helfern aus Frankreich, Spanien, Deutschland und den zahlreichen anderen Ländern dieser Welt für ihre Hilfe und Unterstützung."

+++ 09.10 Uhr: Die Anteilnahme in Düsseldorf ist auch vier Tage nach dem Unglück spürbar. Der Flughafen Düsseldorf, die Stadt und die Deutsche Oper am Rhein schalteten große Traueranzeigen. "Der 24. März 2015 wird für immer als schwarzer Tag in die Luftfahrtgeschichte eingehen. Unsere Gedanken sind in diesen Tagen bei den 144 Passagieren und Besatzungsmitgliedern, die so unvermittelt aus dem Leben gerissen wurden", heißt es zum Beispiel dort.

+++ 08.22 Uhr: Angehörige der Passagiere des verschwundenen Malaysia-Airlines-Fluges MH370 haben den Hinterbliebenen des abgestürzten Germanwings-Fluges am Samstag ihr Beileid ausgesprochen. "Unsere Gedanken und Gebete sind mit den Familien und Freunden der Passagiere und Besatzungsmitglieder von 4U9525", schreiben die MH370-Familien auf ihrer Facebook-Seite. "Wir geben ihnen unsere Unterstützung in diesen herzzerreißenden Zeiten."

+++ 07.11 Uhr: Seit Freitagabend ist klar: Die zentrale Gedenkfeier für die Opfer des Germanwings-Absturzes soll nach Informationen unserer Redaktion am 17. April stattfinden. Die Feier soll um 12 Uhr im Kölner Dom beginnen. Bereits am Freitag gab es Gedenkgottesdienste in Düsseldorf und in Haltern für die 150 Toten.

Lesen Sie hier das Nachrichtenprotokoll vom Freitag.

(felt)
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