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Gericht: Spaziergänger darf sich gegen unangeleinten Hund wehren

Gerichtsurteil : Spaziergänger darf sich gegen unangeleinten Hund wehren

Wenn sich ein unangeleinter Hund einem Spaziergänger nähert, darf sich dieser gegen das Tier wehren. Das entschied das Oberlandesgericht Koblenz.

Es sei dem Spaziergänger aufgrund des unberechenbaren Verhaltens von Tieren nicht zumutbar, zunächst das Verhalten des Hundes auf mögliche Gefahren zu analysieren, teilte das Gericht am Mittwoch mit. Denn dadurch laufe er Gefahr, dass Verhalten falsch zu interpretieren. Wenn der Spaziergänger den Hund abwehre und sich dabei verletzte, hafte der Halter, stellten die Richter klar. Das Oberlandesgericht bestätigte damit eine Entscheidung des Landgerichts Mainz. (AZ.: 1 U 599/18)

Im konkreten Fall war ein Jogger mit seiner angeleinten Hündin im Wald unterwegs. Zur gleichen Zeit gingen der Beklagte und seine Ehefrau mit ihrem unangeleinten Hund spazieren. „Der Hund des Beklagten verschwand schließlich aus dessen Sichtweite und rannte zum Kläger“, hieß es. Der Jogger rief den für ihn nicht sichtbaren Hundehalter auf, sein Tier zurückzurufen. Auf die entsprechenden Rufe reagierte der Hund allerdings nicht. Als der Jogger versuchte, den Hund mit einem Ast von sich fernzuhalten, rutschte er aus und zog sich eine Ruptur der Quadrizepssehne zu, welche operativ versorgt wurde.

Der beklagte Hundehalter wollte nicht für den Schaden haften, da seine Hund lediglich die Hündin des Joggers umtänzelt habe, um mit ihr zu spielen. Der Kläger hätte sich nicht wehren brauchen, da sein Hund erkennbar nicht aggressiv gewesen sei, argumentierte der Halter. Deswegen trage der Jogger eine Mitschuld.

Dem widersprach zunächst das Landgericht Mainz und nach der Berufung nun auch das Oberlandesgericht. Nach der Gefahrenabwehrverordnung hätte der Hund außerhalb bebauter Ortsanlagen sofort und ohne Aufforderung angeleint werden müssen, wenn sich andere Personen nähern, teilte das Gericht mit. Indem er seinen Hund außerhalb seiner Sichtweite haben laufen lassen und ihn somit nicht habe anleinen können, hafte der Beklagte für die entstandenen Schäden. Gelange ein fremder Hund unangeleint und ohne Kontrolle durch den Halter in die Nähe eines Spaziergängers, dürfe dies sich wehren, erklärte das Gericht.

(wer/epd)