Genitalverstümmelung in Deutschland: Experten warnen vor wachsender Gefahr

Genitalverstümmelung : Kinderhilfswerk warnt vor zunehmender Bedrohung in Deutschland

Es gebe eine zunehmende Bedrohung durch Genitalverstümmelung für Frauen und Mädchen in Deutschland. Wegen der globalen Migration sei diese menschenrechtsverletzende Tradition auch in Europa angekommen, erklärte das internationale Kinderhilfswerk Plan International.

Deutschland zähle zu den europäischen Ländern mit besonders hohem Anteil an weiblichen Flüchtlingen aus Staaten in Afrika und dem Nahen Osten, in denen Genitalverstümmelung praktiziert werde, so das Hilfswerk anlässlich des UN-Tags gegen weibliche Genitalverstümmelung an diesem Mittwoch.

Plan International verwies auf Studien der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes, wonach in Deutschland etwa 65.000 von Genitalverstümmelung betroffene Frauen und Mädchen leben. Weitere rund 15.500 gelten als gefährdet.

Hilfe in Deutschland bietet Plan International nach eigenen Angaben mit dem Projekt "Let's Change", das Multiplikatoren ausbildet. Sie sollen Familien in ihrem Lebensumfeld über die Folgen aufklären. Zudem sollen Mütter darüber informiert werden, wie sie ihre Töchter schützen können und welche medizinische und rechtliche Hilfe es in Deutschland gibt.

Das Team von "Let's Change" wird den Angaben zufolge von einer aus dem westafrikanischen Benin stammenden Sozialwissenschaftlerin geleitet. Bis vor kurzem seien die Mitarbeiter auch in Flüchtlingsunterkünften aktiv gewesen, um dort Fachkräfte und Mitarbeiter zum Umgang mit weiblicher Genitalverstümmelung zu beraten.

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Die Vereinten Nationen stufen die vor allem in afrikanischen Kulturen verbreitete Genitalverstümmelung seit 1992 als Menschenrechtsverletzung ein. Dabei wird bei Neugeborenen oder jungen Mädchen die Klitoris beschnitten oder entfernt. Hinzu kommt oft ein Beschneiden der äußeren Schamlippen oder deren Zusammennähen. Die Gründe sind religiöser und kultureller Natur.

(lukra/kna)
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