Jetzt ermittelt der Staatsanwalt: Geheimnisverrat nach Käßmanns Alkoholfahrt?

Jetzt ermittelt der Staatsanwalt: Geheimnisverrat nach Käßmanns Alkoholfahrt?

Lüneburg (RPO). Nach Anzeigen wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat im Fall Käßmann ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft Lüneburg. Hintergrund ist die Frage, warum die Alkoholfahrt der ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann so schnell publik wurde. Ein Antragsteller vermutet, ein Polizist habe die Information an die Medien weitergegeben.

"Der Vorgang liegt uns vor, nun müssen wir uns einen Überblick verschaffen", sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde am Freitag. "In den Anzeigen selbst werden keine Detailkenntnisse offenbar. Es gibt also erst einmal keinen konkreten Punkt, an dem wir ansetzen können", sagte die Sprecherin.

Die damalige EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann, war in der Nacht zum 21. Februar mit 1,54 Promille im Blut von der Polizei aufgegriffen worden, nachdem sie mit ihrem Dienstwagen eine rote Ampel überfahren hatte. Sie trat wenige Tage später von ihren Ämtern zurück.

In den Wochen danach wurde die Frage aufgeworfen, wie der Fall so schnell an die Öffentlichkeit kommen konnte. Als erste hatte die "Bild"-Zeitung berichtet. Vier Strafanzeigen gingen bei der Staatsanwaltschaft Hannover - die das Verfahren mittlerweile an die Lüneburger Kollegen abgegeben hat - ein. In ihnen wird der Vorwurf des Geheimnisverrats gegen Unbekannt erhoben.

  • Alkoholfahrt : Strafanzeigen wegen Geheimnisverrats im Fall Käßmann

Einer der Anzeigensteller ist Rechtsanwalt Godehard Schreiber aus Hannover. Er vermutet, dass ein Polizist gegen Geld die Information weitergegeben hat. Der Präsident der Polizeidirektion Hannover, Uwe Binias, hatte sich am Montag in der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" gegen Vorwürfe gewehrt.

Unterdessen kündigte "Bild"-Sprecher Tobias Fröhlich in der "Süddeutschen Zeitung" an, die Zeitung werde ihre Informanten für den Fall, dass die Ermittlungen gegen sie gerichtet werden, "selbstverständlich schützen".

Hier geht es zur Infostrecke: Mitleid und Bestürzung - die Presse zum Fall Käßmann

(DDP/csi)