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Der mysteriöse Tod Ludwigs II.: Geheimbund wittert seit 125 Jahren Mord

Der mysteriöse Tod Ludwigs II. : Geheimbund wittert seit 125 Jahren Mord

Düsseldorf (RPO). An einen Suizid wollen sie nicht glauben, an einen Unfall schon gar nicht. Für die Männer des Geheimbundes der Guglmänner steht ganz klar fest, dass der Tod ihres Königs ein Mord war. Der bayerische Monarch Ludwig II ist vor 125 Jahren ums Leben gekommen.

Immer noch sind die Umstände des Ablebens des schillernden Kronenträgers ungeklärt. Experten, Forensiker und Historiker kämpfen seit Jahren um eine Erklärung für den nassen Tod im Starnberger See. Derzeit scheint ein Suizid die wahrscheinlichste Todesursache zu sein. Der Monarch war gemeinsam mit seinem Leibarzt spazieren gegangen, später wurden die beiden Leichen treibend im See gefunden.

Diese Erklärung ist für die - umstrittenen - Guglmänner allerdings alles anderes als plausibel. Bei ihren öffentlichen Auftritten tragen sie ähnlich wie die Teilnehmer von Prozessionen in Spanien eine schwarze Mönchskutte mit einer Kapuze (die "Gugl"), die den Kopf komplett verhüllt.

Fragt man die Guglmänner, ist der 13. Juni nicht der 125. Todestag Ludwigs II. Am Ableben zweifeln sie dabei nicht, nur an der Formulierung: "Schon der Terminus Todestag ist verharmlosend. Es müsste eigentlich Mordtag heissen!", sagt eines der Mitglieder des Geheimbundes. Der Montag sei ein Vertuschungsjubiläum, sagt der Guglmann. Seit 125 Jahren werde nun schon versucht, die wahren Todesumstaende Ludwig II. zu verheimlichen. Und praktisch ebenso lange versuchen die Guglmänner, sie aufzudecken. Wer zu ihnen gehört oder wie viele Mitglieder sie haben, halten sie seit jeher geheim.

"Die Wahrheit wird man am Ende nicht aufhalten können"

Die Zuversicht, dass sich ihre Version des Todesgeschehens noch in der breiten Wahrnehmung durchsetzt, haben die Guglmänner auch nach 125 Jahren nicht aufgegeben. Sie hoffen weiter, dass eines Tages Ludwigs Sarg geöffnet wird und die Verletzungen sichtbar werden, die der Schuss am Skelett Ludwigs hinterlassen hat. Sie sind überzeugt: "Die Wahrheit wird man am Ende nicht aufhalten können."

Dass um den 125. Todestag Ludwig II. in Bayern wieder in den Fokus rückt, freut die Guglmänner. Für sie ist er "eine wichtige Identifikationsfigur", der "wichtigste König", der "Begründer des modernen Bayern", auf dessen Technikfreundlichkeit sogar die Philosophie von "Laptop und Lederhose" zurückverfolgt werden könne.

Ludwig II. als Projektionsfläche

Am liebsten wäre ihm eine demokratisch regierte konstitutionelle Monarchie eines unabhängigen Bayern, sagt ein Guglmann. "Wir halten es mit Georg Lohmeier: Wir brauchen keinen König, aber schöner wär's." Es gäbe einfach schönere Bilder, ein schöneres Leben, schwärmt er. "Ich glaube, dass ein Grund für die Ludwig-Begeisterung auch ist, dass man so etwas gerne hätte, und Ludwig II. die ideale Projektionsfläche dafür ist."

"Es ist ein Todestag, ein Gedenktag, das darf man nicht vergessen", sagt der Guglmann mit Blick auf das Jubiläum am Montag. "Aber es ist auch ein Tag, an dem man an das Positive von Ludwig II. denkt. Und deswegen überwiegt die Freude, dass an diesem Tag viele Menschen ludwigbewegt sind."

Auch die Guglmänner wollen rund um das Datum aktiv werden. Aber wie sie auftreten, das halten sie noch geheim. Die Aktionen des Geheimbundes lebten schließlich auch vom Moment der Überraschung.

Auch in der Landespolitik sind die Männer mit dem schwarzen Gewändern tätig. Sie verlangen die Unabhängigkeit Bayerns. Außerdem wollen sie die Einführung von bayerischen Euromünzen, auf denen König Ludwig II. abgebildet ist.

Im Juni 1999 erregten die Guglmänner bundesweite Aufmerksamkeit, als sie zum 113. Todestag Ludwigs II., in voller Montur und Kutten und mit vor der Brust gekreuzten Fackeln durch München zogen.

mit Agenturmaterial

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Guglmänner und der Tod Ludwigs II.

(felt/top/dapd)