Reinhard Lettmann: Früherer Bischof von Münster stirbt in Bethlehem

Reinhard Lettmann: Früherer Bischof von Münster stirbt in Bethlehem

Das Heilige Land war für ihn fast schon zu einer zweiten Heimat geworden. Trotz gesundheitlicher Beschwerden zog es Münsters Altbischof Reinhard Lettmann in die Region, wo Jesus wirkte. Und ausgerechnet dort, in Bethlehem, ist der katholische Geistliche am Dienstagmittag verstorben - sechs Wochen nach seinem 80. Geburtstag. Am Morgen hatte er noch die Heilige Messe gefeiert.

Lettmann gehört zu jenen Kirchenmännern, die das Zweite Vatikanische Konzil persönlich miterlebten. Die vor rund 50 Jahren eröffnete Kirchenversammlung (1962-1965), an der er als Stenograf und Platzanweiser teilnahm, prägte den volksnahen Seelsorger.

Erst kürzlich feierte der Bergmannssohn, der zunächst Weihbischof in Münster war, sein 40-jähriges Bischofsjubiläum. Obwohl er für die bessere Atmung einen Sauerstoffschlauch tragen musste, nahm er selbst an dem Festgottesdienst Ende Februar im Dom teil. Mit einer bewegenden Geste trat er vor die Gemeinde und intonierte a capella den kurzen Lobpreis "Meine Seele preist die Größe des Herrn" - Ausdruck des Dankes für ein erfülltes Leben.

28 Jahre, von 1980 bis 2008, leitete der gebürtige Dattelner die westfälische Diözese. In die Regie des Bistums war er aber schon viel früher eingebunden. Bischof Joseph Höffner, der spätere Kölner Kardinal, machte Lettmann zunächst zu seinem Privatsekretär - und 1967 mit 34 Jahren zum jüngsten Generalvikar Deutschlands. Papst Paul VI. berief ihn dann 1973 zum Weihbischof, bevor er acht Jahre später die Leitung der Diözese übernahm.

"Besonnenheit ist das Schwierigste im Amt"

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"Bischof Reinhard", wie ihn die Münsterländer gerne nannten, zeichnete eine besondere Mischung aus Menschenfreundlichkeit und Prinzipientreue aus. Geradlinig, aber nie verbissen und mit einer guten Portion Humor, vertrat er seine Positionen. "Besonnenheit ist das Schwierigste im Amt", sagte er in der Rückschau auf sein Wirken als Bischof. "Man kann leichter zu Extremen neigen und so auch leichter in die Presse gelangen."

Die Situation der Kirche redete der Bischof mit dem markant rollenden "R" nicht schön. In den zurückliegenden Jahrzehnten sei das christliche Milieu vielfach weggebrochen. "So kommt es mehr auf die Entschiedenheit des Einzelnen zum Glauben an." Christen sollten sich jedenfalls nicht in Ghettos zurückziehen, sondern die Gesellschaft mitgestalten. In seinen Büchern versuchte der Bischof, Suchenden Anregungen zu Besinnung und Gebet zu geben. Ein großes Anliegen war ihm der Schutz des Lebens, sei es ungeboren, behindert, krank oder sterbend. Großen Wert legte er auch auf die Ökumene.

Zu den Höhepunkten in Lettmanns Leben zählen der Besuch von Papst Johannes Paul II. 1987 in Münster und Kevelaer, das 1\.200-jährige Bistumsjubiläum im Jahr 2005 sowie die Seligsprechungen der Ordensfrauen Maria Euthymia und Anna Katharina Emmerick, des Priesters Karl Leisner und von Kardinal Clemens August Graf von Galen. Aber eben auch das Zweite Vatikanische Konzil.

Dieses fand er in seiner Bedeutung von zahlreichen Menschen verkannt. "Viele wissen nicht mehr, was vorher war", ärgerte sich Lettmann. Beispiel Messfeiern in der Muttersprache: Die Gottesdienste, für die das Konzil den Weg ebnete, berührten das Herz der Menschen doch viel tiefer als die früheren Messen in lateinischer Sprache.

(KNA/felt/das)
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