Foto-Fahndungen: Polizei setzt auf Gesichtserkennung

Zahl der Fotofahndungen steigt: Polizei setzt auf Gesichtserkennung

Durch die neue Technik ist die Zahl der Fotofahndungen rasant gestiegen.

Bereits vor dem Testlauf einer automatisierten Gesichtserkennung ist die Polizei dazu übergegangen, Fahndungen durch Fotovergleiche im großen Stil zu betreiben.

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Landeskriminalämter (LKÄ) nutzen das Gesichtserkennungssystem seit 2008. Im ersten Jahr griffen die Behörden noch 484 Mal darauf zu. Im folgenden Jahr waren es bereits 1228 Einsätze, deren Zahl vor allem in den vergangenen Jahren kräftig zunahm auf 23.140 im Jahr 2017.

Insgesamt verzeichnete das BKA 115.798 Recherchen per Gesichtserkennung. Dabei ging es um verdeckte Fahndungsersuchen von Polizeibehörden im Schengen-Raum. Das heißt: Die Betroffenen merkten gar nicht, wenn ihr Aufenthalt erfasst und gemeldet worden war. BKA und LKÄ identifizierten auf diese Weise 2394 Personen.

  • De Maizière verteidigt Pilotprojekt : Testlauf zur Gesichtserkennung in Berlin gestartet

Hinzu kamen 18.723 Recherchen per Gesichtserkennung durch die Bundespolizei, die insgesamt 1334 weitere Personen identifizierte. Die "Trefferquote" stieg bei der Bundespolizei von 6,6 Prozent im Jahr 2010 auf 12,7 Prozent. Bei BKA und LKÄ sank der Anteil erfolgreicher Identifizierungen von 6,3 auf 2,9 Prozent.

Linken-Europaexperte Andrej Hunko sieht in dieser Entwicklung bis hin zu einer automatisierten Gesichtserkennung eine "große Gefahr für den Datenschutz und das Prinzip der Datensparsamkeit". Weil die Behörden auch weitere Datenbanken mit Gesichtserkennung ergänzten, wie die EU-Fingerabdruckdatei, würden "Asylsuchende zu Versuchskaninchen für den Überwachungsstaat".

Derzeit geben die Polizisten alle Anfragen noch mit der Hand ein, am Berliner Bahnhof Südkreuz läuft ein Test mit automatischer Erkennung.

(may-)