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Flughafen Hamburg und Polizei fordern Reisende wegen Chaos zur Mithilfe auf

Polizeichef über Chaos an Flughäfen : „Deutsche haben verlernt zu fliegen“

An mehreren Flughäfen in Deutschland kommt es derzeit zu Chaos und langen Warteschlangen. Während Airlines als Hauptursache den Personalmangel nennen, sieht ein hochrangiger Polizeimitarbeiter eine Teilschuld bei den Reisenden.

Der Vizepräsident der Bundespolizeidirektion Hannover, Michael Schuol, sagte, viele Menschen hätten „verlernt zu fliegen“ und appellierte an die Reisenden, vor allem ihr Handgepäck schon vorher auf verbotene Gegenstände und die vorgegebenen Mengen für Flüssigkeit zu prüfen. Es sei zudem „nicht hilfreich“, wegen hoher Gepäckgebühren mehrere Handgepäckstücke mitzunehmen, dann dauere alles noch länger.

Schuol dämpfte Erwartungen an eine kurzfristige Entspannung der Lage an deutschen Flughäfen durch ausländische Kräfte – das gehe „nicht ganz so schnell, wie man das aus den Medien entnehmen kann“. Am Mittwoch hatte die Regierung zugesagt, ausländischen Hilfskräften die Einreise erleichtern und „gegebenenfalls“ auch mehr Bundespolizei einsetzen zu wollen. Für die Airports in NRW dürfte die Unterstützung zu spät kommen. Unserer Redaktion liegt jedoch bereits die erste Bewerbung einer Türkin vor. Sie würde gerne schnell nach Deutschland kommen, Kostenpflichtiger Inhalt aber offenbar gibt es viele Hürden.

Der Luftverkehr komme derzeit in ganz Europa fast täglich an seine Grenzen, sagte Hamburgs Flughafen-Chef Michael Eggenschwiler am Donnerstag. „Die Lage ist sehr angespannt.“ Es gebe dabei auch „nichts schönzureden“. Passagiere müssten sich „auf gewisse Wartezeiten“ einstellen. Warum sich das Gepäck-Chaos am Düsseldorfer Flughafen im Herbst sogar noch weiter verschlimmern könnte, Kostenpflichtiger Inhalt lesen Sie hier.

Fluggesellschaften und Flughäfen macht vor allem Personalmangel zu schaffen. Flüge werden gestrichen, auf den Flughäfen kommt es zu langen Warteschlangen. In der Corona-Pandemie waren viele Stellen gestrichen worden, dazu kommen aktuell viele Corona-Erkrankungen. Einer Studie zufolge fehlen derzeit an deutschen Flughäfen rund 7200 Fachkräfte.

Ausländische Hilfskräfte sollen an Flughäfen aushelfen

Der Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow, verwies auch auf die Umstände der Corona-Pandemie. Die Planungen für Flugangebot und Personal für diesen Sommer seien im September erfolgt – geprägt von guten Erfahrungen mit dem Reiseverkehr im vergangenen Sommer. Dann seien die Inzidenzen im November und Dezember wegen der Omikron-Variante und Reisewarnungen „massiv in die Höhe gerauscht“ und die Unternehmen mussten „massiv auf die Bremse treten“.

Im April und Mai dieses Jahres stieg die Nachfrage dann wieder sprunghaft an – die Personalanpassung könne aber nicht so schnell erfolgen, sagte von Randow. Zudem gebe es auf dem deutschen Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung. Hinzu kämen Engpässe im Luftraum, unter anderem wegen des Ukraine-Kriegs. Daher mussten zunächst geplante Kapazitäten wieder reduziert werden.

(ahar/mba/AFP)