Nach Amoklauf und S-Bahn-Mord: FDP will mehr Sozialarbeiter und Psychologen

Nach Amoklauf und S-Bahn-Mord: FDP will mehr Sozialarbeiter und Psychologen

München (RPO). Auf den Amoklauf von Ansbach und den S-Bahnüberfall von München reagiert die bayerische FDP: Sie hat zusätzliche Sozialarbeiter und Schulpsychologen angekündigt. Eine Arbeitsgruppe soll nun Details klären.

Die von der Staatsregierung eingerichtete Arbeitsgruppe werde in den nächsten Wochen einen konkreten Zeitplan vorlegen, kündigte FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger am Sonntag im Programm von Antenne Bayern an.

Die FDP-Landeschefin und frühere Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger erklärte, Aufgabe der schwarz-gelben Arbeitsgruppe sei jetzt, konkrete Zahlen über nötige Stellen und deren Finanzierung zu erarbeiten. "Da müssen Stellen her und das kostet Geld", sagte sie. In diesem Bereich aber dürfe nicht gespart werden. Man müsse versuchen, frühzeitig auf die Kinder und Jugendlichen einzuwirken. "Nur so besteht die Chance, so manche Lebensläufe nicht in dieser Gewaltspirale enden zu lassen."

Unterdessen gingen die Ermittlungen zu der Amok-Tat im Ansbacher Gymnasium Carolinum weiter: Die Polizei setzte ihre Befragungen von Lehrern und Schüler fort. Das Schulgebäude ist seit Samstag wieder freigegeben, am Montag soll erstmals wieder außerplanmäßiger Unterricht sein.

Ebenfalls am Montag will die Polizei sich zu dem Tatmotiv des Amokläufers äußern. Die 25-köpfige Sonderkommission ist bei ihrer Suche nach dem Motiv offenbar am Wochenende fündig geworden. Die Ansbacher Oberstaatsanwältin Gudrun Lehnberger, der ermittlungsführende Staatsanwalt Jürgen Krach und der Leiter der Kriminalpolizeiinspektion Ansbach, Hermann Lennert, kündigten "abschließende Erkenntnisse über den Tathergang und das Tatmotiv" an.

Am Sonntagabend um 19 Uhr sollte in Ansbach ein Ökumenischer Gottesdienst stattfinden. Am Montag gibt es laut der Schule noch keinen regulären Unterricht. Die Schüler treffen sich zunächst in der Turnhalle, wo Psychologen und Seelsorger bereitstehen. Anschließend sei eingeschränkter Unterricht bis zur vierten Stunde geplant. Bei Bedarf könnten die Kinder und Jugendlichen aber noch einmal zu Hause bleiben, schrieb die Schule auf ihrer Internetseite.

"Gewaltexplosionen vor allem an weiterführenden Schulen"

  • Chronologie des Amoklaufs von Ansbach

Unterdessen forderten Experten mehr Zuwendung für Schüler sowie eine bessere Ausbildung von Lehrern. Alle Amokläufer litten unter Anerkennungsverlusten, deshalb müsse sich an den Schulen "eine neue Anerkennungskultur entwickeln", sagte der Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer dem "Spiegel".

Der Berliner Erziehungswissenschaftler Hans Merkens forderte "Unterstützungssysteme", die vor allem an Gymnasien fehlten. Auf den Schülern laste "ein enormer Erwartungsdruck, Erfolg zu haben. Von den Eltern, den Lehrern, der Gesellschaft", sagte er der "Berliner Zeitung". Das persönliche Versagen oder die Angst davor spiele fast immer eine Rolle bei einer krisenhaften Entwicklung.

"Wenn wir schon wollen, dass unsere Kinder mehr leisten, müssen wir Unterstützungssysteme anbieten", sagte Merkens. Die Unterstützung werde bislang den Eltern überlassen. "Die Schulen kümmern sich nicht um ihre Leistungsversager. Das muss sich ändern." Allein mehr Schulpsychologen, wie jetzt gefordert wird, seien aber nicht die Lösung des Problems. "Da wird dann nur schon wieder eine Aufgabe delegiert. Die Schulen müssen sich um ihre Schüler, vor allem um die Schwachen, kümmern."

Heitmeyer forderte, Schulen sollten die Persönlichkeitsentwicklung fördern und nicht zerstören. "Gewaltexplosionen finden wir vor allem an weiterführenden Schulen", sagte Heitmeyer, hinter diesem Phänomen stecke vermutlich ein strukturelles Problem.

Bei dem Amoklauf von Ansbach hatte ein 18-jähriger Gymnasiast am Donnerstag neun Schüler und einen Lehrer zum Teil lebensgefährlich verletzt, bevor er von der Polizei angeschossen und dabei selbst schwer verletzt worden war.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Amoklauf in Ansbach: 18-Jähriger verletzt Mitschüler

(AP/jt)