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Staus und Unfälle wegen zu knapper Vorräte: FDP für nationale Streusalzreserve

Staus und Unfälle wegen zu knapper Vorräte : FDP für nationale Streusalzreserve

Berlin/Düsseldorf (RP). Weil den Winterdiensten das Salz ausgeht, drohen vermehrt Staus und Glatteis-Unfälle. Deshalb fordert die FDP, ausreichende Salzreserven in Deutschland zu bilden. Auch in Nordrhein-Westfalen sind die Vorräte zu knapp.

Schnee und Eis haben den Verkehr auf der Sauerlandlinie in der Nacht zu gestern komplett zum Erliegen gebracht. Tausende Autofahrer steckten mehr als 20 Stunden auf der A 45 im Stau und wurden vom Roten Kreuz versorgt. Verursacht wurde das Chaos laut Polizei durch unvernünftige Lastwagenfahrer, die bei Überholversuchen steckengeblieben waren.

Der Landesbetrieb Straßen NRW räumte allerdings auch Engpässe bei der Streusalz-Versorgung ein. Anfang der Woche habe die A 45 zeitweise wegen Salzmangels nicht gestreut werden können, sagte ein Sprecher. In NRW würden jedes Jahr 120.000 Tonnen Streusalz eingelagert. In diesem Winter seien aber bereits 200.000 Tonnen ausgestreut worden. Der Lieferant in Hannover sei seiner vertraglichen Verpflichtung, innerhalb von 48 Stunden neues Salz zu liefern, nicht nachgekommen.

Splitt-Gemisch in der Hauptstadt

Auch in der Bundeshauptstadt geht der Salzvorrat zu Ende. Die Berliner Stadtreinigung bereitete gestern die Bürger darauf vor, dass sie jetzt ein Splitt-Gemisch streuen muss. Andere Städten haben den Winterdienst auf nur noch wenige Straßen konzentriert. Autobahnmeistereien stellten sich darauf ein, nur noch eine Fahrbahn frei zu halten, da auch sie nicht genügend Salznachschub erhalten.

Eine Unternehmenssprecherin erläuterte, dass immer mehr Winterdienste auf riesige Salzlager verzichteten und sich auf den Nachschub durch Lieferanten verließen. Die seien aber offenbar in diesen Tagen überfordert. Der Verband der Kali- und Salzindustrie berichtete, dass seine Mitgliedsfirmen derzeit in drei Schichten rund um die Uhr arbeiteten, um täglich 50.000 Tonnen Salz liefern zu können. Dass es trotzdem zu extremen Engpässen komme, sei vermutlich auf Logistik und unzureichende Lagerhaltung zurückzuführen, sagte Verbandsgeschäftsführer Hartmut Behnsen.

"Hier muss der Bund einschreiten"

FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring setzte sich daher im Gespräch mit unserer Zeitung dafür ein, flächendeckend eine Streusalzreserve in Deutschland zu schaffen. "Der Bund muss als Auftraggeber alle Bundesländer zur Vorhaltung einer Mindestreserve an Salz drängen, damit im gesamten Bundesgebiet die Bundesverkehrswege auch in Wintersituationen uneingeschränkt befahrbar sind", mahnte Döring. Es könne nicht sein, dass es zu solchen Engpässen bei der Salzversorgung komme. Döring: "Hier muss der Bund einschreiten."

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Sven Kische, Vize-Geschäftsführer des Verbands für Spedition und Logistik NRW, begrüßte den FDP-Vorschlag. "Der Staat muss gewährleisten, dass die Straßenmeistereien auch bei langen Kälteperioden über die Runden kommen", sagte Kische.

Das Chaos auf den Straßen sei durch die schlechte Vorbereitung der Straßenbetriebe mitverursacht worden — von einer unbeherrschbaren Winter-Katastrophe könne schließlich keine Rede sein. Auch der ADAC Nordrhein forderte, dass eine ausreichende Bevorratung von Streumitteln sichergestellt werden muss. "Es kann nicht sein, dass die Straßen nicht gestreut werden, weil die Kommunen Haushaltsmittel sparen wollen", sagte Roman Suthold, Leiter der ADAC-Verkehrsabteilung.

Der Wechsel von Tauwetter und Frost schafft auch in den nächsten Tagen ein Problem: Unter dem durch nachfallenden Schnee wachsenden Gewicht stürzten gestern bereits mehrere Hallendächer in verschiedenen Bundesländern ein. In Attendorn wurde dabei ein Mann schwer verletzt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Eis und Schnee halten Autofahrer auf A45 fest

(RP)