Fall "Robby": Letzter Zirkusaffe in Deutschland lebt beim Circus Belly

Ein Jahr nach dem Urteil im Fall „Robby“ : So geht es dem letzten Zirkusaffen in Deutschland

Das Gerichtsverfahren um den letzten Zirkusaffen in Deutschland machte vor einem Jahr bundesweit Schlagzeilen. Robby habe von dem Stress damals nichts mitbekommen, sagt sein Besitzer heute. Er sei nach wie vor entspannt, aber mache keine Kunststücke mehr.

Schimpanse Robby (48) beeindruckt die Zirkusbesucher heute nicht mehr mit Rollerfahren oder Ballwürfen, sondern mit seiner Persönlichkeit. „Die Leute sind fasziniert von ihm, wenn sie ihn aus der Nähe sehen und wenn er Kontakt aufnimmt“, sagt sein Besitzer Klaus Köhler. Nach jahrelangem Rechtsstreit hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg vor einem Jahr entschieden, dass der betagte Affe im Circus Belly bleiben darf.

Das Tier sei zwar auf den Menschen geprägt und werde nicht artgerecht gehalten, urteilten die Richter. Man könne ihn aber wohl nicht mehr zeitnah an Artgenossen gewöhnen. Köhler hatte befürchtet, dass Robby an gebrochenem Herzen stirbt, sollte man ihn aus der Zirkusfamilie nehmen. „Er ist mit meinen Kindern aufgewachsen“, betont der 71-Jährige, während er dem Affen Bananen und Äpfel reicht. Robby habe vom Tauziehen um ihn nichts mitbekommen. „Den Stress hatte nur ich.“

Die Bremer Tierärztin Alexandra Dörnath hatte Köhler in seinem Kampf für einen Verbleib von Robby im Zirkus unterstützt. Der Affe, der noch kaum graue Haare hat, gehöre zu den ältesten Schimpansen in menschlicher Obhut weltweit, sagt sie. „Er ist entspannter als die meisten Zoo-Schimpansen.“ Dies hätten auf das Stresshormon Cortisol getestete Speichelproben ergeben, die ihm der Direktor ein Jahr lang jeden Monat spielerisch abgenommen habe.

Der für den Circus Belly zuständige Landkreis Celle hatte nach Protesten von Tierrechtlern im Herbst 2015 angeordnet, dass der Affe abgegeben werden muss. Köhler reichte dagegen erfolgreich Klage ein. Hund Ted lebt mit in Robbys Wagen und Außengehege. Wenn der Zirkuschef eintritt, tollen Affe und Hund mit ihm herum. Köhler gibt dem Schimpansen ein paar Knüffe, nach einer Tobephase lässt der Affe sich von ihm in Ruhe lausen. „Wir beschäftigen uns alle mit ihm. Er liebt Kinder, besonders meinen vierjährigen Enkel“, sagt der 71-Jährige. Manchmal wolle Robby aber auch einfach nur seine Ruhe haben.

(atrie/dpa)
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