EZB: Blockupy — "Wir distanzieren uns nicht pauschal"

Reaktionen auf Krawalle in Frankfurt: Blockupy: "Wir distanzieren uns nicht pauschal"

Am Tag nach den Blockupy-Krawallen in Frankfurt beginnt die Diskussion darüber, wer denn die Verantwortung für das Chaos und die mehr als 200 Verletzten trägt. Aus Politik und Polizei kommt vor allem Kritik an den Organisatoren. Und die wollen sich nicht von der Gewalt distanzieren.

Brennende Barrikaden, angezündete Polizeiautos, Steinewürfe — dass es zu Protesten bei der Eröffnung der neuen EZB-Zentrale kommen würde, hatte man schon im Vorfeld geahnt. Doch das Ausmaß hat dann doch viele überrascht. Mehr als 220 Polizisten und Demonstranten wurden bei den Krawallen am Mittwochvormittag in Frankfurt verletzt, welcher Sachschaden entstand, das ist noch nicht geklärt. Doch auch dieser dürfte hoch sein.

Wie die Krawalle ausarteten, zeigt auch ein Video der Polizei Frankfurt, dass aus dem Inneren der Wache auf der Zeil gedreht und bei Twitter veröffentlicht wurde.

Hier ein Video, das die Angriffe auf das 1.Polizeirevier #Frankfurt zeigt und selbsterklärend ist #18M #18nulldrei pic.twitter.com/cplhoqPFW4

So fragen sich am Tag danach viele, wer denn die Verantwortung für die Krawalle trägt. Die Politik jedenfalls war sich bereits am Mittwoch einig in der Verurteilung der Gewalt. Am heutigen Donnerstag kommen zudem Vorwürfe in Richtung der Organisatoren hinzu. So sagte etwa Bundesinnenminister Thomas de Maizière im ZDF-Morgenmagazin: "Wir wussten von der Tatsache, dass dort Gewalt angewendet werden soll." Das sei in der Szene lange bekannt gewesen. "Deswegen können die Veranstalter jetzt auch heute nicht so unschuldig tun."

Auch der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel machte die Organisatoren für die Krawalle mitverantwortlich. "Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Organisatoren klar von Gewalt distanzieren. Das haben sie leider nicht getan", sagte er dem "Mannheimer Morgen".

Und das taten sie auch nicht am Tag nach den Krawallen bei ihrer Pressekonferenz, wie unter anderem der Hessische Rundfunk berichtet und auch Mitarbeiter des HR von der PK twitterten.

Frederic Wester vom #Blockupy-Bündnis: "Wir distanzieren uns nicht pauschal von der Gewalt." Käme auf Einzelfall an.

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#Blockupy-Bündnis wirkt in Gewalt-Frage gespalten: Randalierer waren "irre", sagt Wilken (Linke), Wester will sich nicht distanzieren #M18

Mit Blick auf die Ausschreitungen sagte er, das Bündnis könne keine Garantie dafür geben, beim nächsten Mal alles im Griff zu haben.

#Blockupy-PK:Gewaltsame Ausschreitungen seien im politischen Kontext zu sehen.Auch in Zukunft keine Vermeidung möglich.Blockupy macht weiter

Mitorganisatorin Hannah Eberle wertete die Proteste insgesamt als Erfolg. "Wir blicken auf einen erfolgreichen politischen Tag zurück", sagte Eberle. Sie freue sich, "dass der Widerstand endlich den Weg nach Frankfurt gefunden hat". Auch Eberle hob hervor, dass manche Aktionen außerhalb des zuvor vereinbarten Konsens gewesen seien. Sie ging aber ebenfalls nicht eindeutig auf Distanz zu den Ausschreitungen.

Bereits einen Tag zuvor hatte Eberle in einem Interview mit der "Hessenschau" vor allem hervorgehoben, dass es wichtig sei, warum so viele Menschen auf die Straße gegangen seien. Zu den Krawallen sagte sie in dem Interview: "Ich glaube, eine zerbrochene Glasscheibe in Frankfurt macht nicht das wett, was wir in Europa täglich erleben", um dann auf die Flüchtlinge zu verweisen, die zu tausenden im Mittelmeer umkommen. Ob Eberle zu diesem Zeitpunkt schon vom Ausmaß der Krawalle wusste, ist nicht erkennbar.

Noch am Morgen hatte Frederic Wester um ZDF gesagt: "So eine Eskalation war nicht unser Ziel". Das seien nicht die Bilder gewesen, "die wir wollten und für die wir stehen als Bündnis".

mit Agenturmaterial

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(das)
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