EZB: 88 verletzte Polizisten bei heftigen Krawallen in Frankfurt

Ausschreitungen bei Blockupy-Protesten : 88 verletzte Polizisten bei heftigen Krawallen in Frankfurt

Autos in Flammen und brennende Barrikaden: Bei den Blockupy-Protesten gegen die EU-Krisenpolitik in Frankfurt sind nach Polizeiangaben mindestens 88 Einsatzkräfte verletzt worden. Auch von Seiten der Demonstranten wurden Verletzte gemeldet.

Bei den Ausschreitungen am Protesttag des kapitalismuskritischen Bündnisses Blockupy in Frankfurt sind nach Polizeiangaben vom Vormittag mindestens 88 Polizisten verletzt worden. Acht Beamte seien durch Steinwürfe verletzt worden, weitere 80 durch eine ätzende Flüssigkeit oder durch Reizgas, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Die Frankfurter Polizei hat im Zuge der Proteste rund 350 Aktivisten in der Innenstadt festgesetzt. Sie hätten zuvor an verschiedenen Stellen der Stadt Straftaten begangen und randaliert, sagte eine Polizeisprecherin. Von einem Kessel wollte sie nicht sprechen, sagte aber nichts über das konkrete Vorgehen.

Unterschätzt habe die Polizei die Lage nicht, es seien aber weitere Übergriffe von Gewalttätern zu erwarten. "Ich denke, wir müssen auch im Laufe des Tages mit weiteren gewalttätigen Aktionen rechnen." Ein Blockupy-Sprecher berichtete, beim Einsatz von Wasserwerfern, Tränengas und Schlagstöcken durch die Polizei seien auch viele Demonstranten verletzt worden.

Mit einer Welle der Gewalt hat der Protesttag der kapitalismuskritischen Blockupy-Bewegung gegen die europäische Krisenpolitik in Frankfurt begonnen. Demonstranten bewarfen in der Innenstadt in der Nähe der Alten Oper Polizisten mit Steinen, mindestens ein Beamter wurde verletzt, wie eine Polizeisprecherin mitteilte. Auch eine Demonstrantin wurde verletzt. Die Polizei wirkte nach Augenzeugenberichten von der Heftigkeit der Gewalt überrascht.

"Die Atmosphäre ist aggressiv", sagte Polizeisprecherin Claudia Rogalski am Mittwochmorgen. Im Frankfurter Ostend, wo die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Sitz hat, gab es kaum eine Straßenkreuzung, an der nicht Mülltonnen, Autoreifen oder Fahrzeuge brannten. Demonstranten versuchten, das weiträumig abgesperrte Gelände der EZB zu stürmen, wurden aber von der Polizei gestoppt.

"Friedlicher, bunter Protest" angekündigt

Um 11 Uhr will die EZB ihre neue Zentrale - die sie bereits seit mehreren Monaten nutzt - mit einem kleinen Festakt offiziell eröffnen. Die Blockupy-Bewegung hatte schon seit längerem angekündigt, die Feier mit Blockaden und Aktionen des zivilen Ungehorsams verhindern zu wollen. Die Polizei rechnet im Tagesverlauf mit mindestens 10.000 Demonstranten. Am Nachmittag sind mehrere Demonstrationszüge geplant.

Am Dienstag hatten die Organisatoren der Kundgebungen noch ihre friedliche Absichten betont. "Wir vom Blockupy-Bündnis planen keine Gewalttaten, sondern einen friedlichen, bunten, lauten Protest", sagte Ulrich Wilken. Der hessische Linke-Landtagsabgeordnete hat die Demonstration angemeldet. Dort werden rund 10.000 Demonstranten erwartet. Geplant sind aber den ganzen Tag über Protestaktionen.

Angriffe auf Polizisten und Feuerwehr

Doch bereits Stunden vor dem Festakt und den Start der Demonstration kommt es zu Ausschreitungen. Es habe an mehreren Stellen Angriffe auf Polizisten gegeben, sagte die Sprecherin weiter. Mindestens ein Beamter wurde verletzt. Die Demonstranten attackierten auch Feuerwehr und Straßenbahnen mit Steinen.

Am Danziger Platz wurde die Feuerwehr mit Steinen angegriffen und musste Löscharbeiten abbrechen. #Frankfurt #18M #M18 #18nulldrei

Im Frankfurter Ostend in der Nähe der EZB gab es kaum eine Straßenkreuzung, an der nicht Mülltonnen, Autoreifen oder Fahrzeuge brannten. Die Feuerwehr sei dadurch am Löschen gehindert worden. Daraufhin rief die Feuerwehr die Demonstranten auf, die Löscharbeiten nicht zu behindern. "Bitte lasst unsere Einsatzkräfte in Ruhe und ihre Arbeit machen!", appellierte die Feuerwehr über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Our firefighters are being attacked. Please stop doing that! #Blockupy #18m #m18 #18nulldrei

"Wir haben mit Gewalt gerechnet, wir haben ausreichend Kräfte im Einsatz", sagte die Polizeisprecherin. "Dass es so schnell kommt - ich hätte auch gewünscht, dass es anders gekommen wäre."

Die Demonstranten blockierten laut Polizei die zentrale Flößerbrücke über den Main und den Ratswegskreisel, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Osten der Stadt.

"Wir reden hier mittlerweile über schwere Straftaten"

Vor dem EZB-Gelände hatte eine Mahnwache von Kapitalismusgegnern am Morgen zunächst ruhig begonnen. Demonstranten berichteten aber von einem Tränengaseinsatz der Polizei. Von Angriffen auf Beamte wisse man nichts, sagte eine Blockupy-Sprecherin.

Blockupy kritisiert das Vorgehen der Frankfurter Polizei. Die Beamten hätten Teile der Demonstration angegriffen, sagte Blockupy-Sprecher Hendrik Wester der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist nicht so, wie wir von Blockupy den Tag geplant haben. Aber man muss auch feststellen, dass offensichtlich das Bürgerkriegsszenario, was die Polizei da aufgemacht hat, (...) von vielen Leuten als Herausforderung und als Provokation begriffen worden ist." Das Bündnis hoffe aber, dass die Lage nicht weiter eskaliere.

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow, hat die Ausschreitungen in Frankfurt kritisiert. "Wir reden hier mittlerweile über schwere Straftaten", sagte Malchow dem Fernsehsender n-tv am Mittwoch. "Der Begriff Demonstrant wird in diesem Fall falsch verwendet." Mit weiteren Ausschreitungen müsse man rechnen.

Unbekannte legen Krähenfüße aus

In der Nacht hatten zudem Unbekannte in Frankfurt 30 Krähenfüße ausgelegt. Die Polizei vermutet, dass die gefundenen Wurfeisen in Zusammenhang mit den Protesten stehen. Sie wurden nach Einschätzung der Beamten auf der Straße verteilt, um Einsatzkräfte zu behindern. Die Reifen zweier Streifenwagen wurden beschädigt. Sie lagen in dem Bereich, in dem ebenfalls in der Nacht zum Mittwoch vier Autos angezündet worden waren. Bei drei weiteren Autos waren Scheiben eingeschlagen worden."Da auch Scheiben einer Immobilienfirma eingeschlagen wurden und vermummte Personen gesehen wurden, gehen wir davon aus, dass diese Verbindung besteht", sagte ein Polizei-Sprecher am frühen Mittwochmorgen. Durch eine der Scheiben wurde Pyrotechnik geworfen, die dort zündete.

Auf Twitter stellt die Polizei in Frankfurt den Zusammenhang der Aktionen mit den Blockupy-Protesten her und fordert die Menschen auf, sich davon zu distanzieren.

Krähenfüße aus der Feldbergstraße heute Nacht. Verhindert, dass Straftäter eure Inhalte untergraben. #m18 #18M pic.twitter.com/AXxdLuhP1D

Im Westend wurden vier Autos in Brand gesteckt. Distanziert euch von Straftätern und unterstützt uns bei den Ermittlungen.#18m #m18

(dpa)
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