"Extinction Rebellion" in Berlin: Aktivisten blockieren Straße des 17. Juni

Protest der Klima-Aktivisten : „Extinction Rebellion“ sorgt für Verkehrschaos in Berlin

Umweltschutz-Aktivisten haben am Montag Teile des Verkehrs in Berlin lahmgelegt. Rund tausend Demonstranten haben die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule sowie den Großen Stern blockiert. Auch der Potsdamer Platz war betroffen.

Die Verkehrsinformationszentrale Berlin bat Autofahrer, den Bereich um den Tiergarten weiträumig zu umfahren. Die Anhänger der Bewegung „Extinction Rebellion“ wollten dort auf die drohende Klimakatastrophe und das Artensterben aufmerksam machen. Die Aktion sorgt in Berlin für Chaos, rund 1000 Demonstranten sollen sich bereits gegen 5 Uhr am Montagmorgen an der Straße eingefunden haben.

Die Aktivisten haben zudem eine Arche an der Siegessäule aufgestellt. Das hölzerne Boot soll an das Artensterben erinnern. Am Mittag hat die ehemalige Seenotretterin und Klimaaktivistin Carola Rackete bei einer Kundgebung die Klimapolitik der Bundesregierung kritisiert. „Es ist mehr als Zeit, dass die Regierung die Wahrheit sagt und den ökologischen Notstand ausruft“, forderte Rackete. „Wir befinden uns in einer existenziellen weltweiten Krise, die sich immer schneller verstärkt.“ Sie sei froh, dass sich Extinction Rebellion dazu entschlossen habe, „die ganze Woche hier zu bleiben, um Berlin Tag und Nacht zu blockieren“, sagte Rackete unter großem Applaus der 1000 Demonstranten an der Siegessäule.Am Montagmittag erreichte der Protest auch den Potsdamer Platz erreicht. Demonstranten stellten Blumentöpfe, Sofas, Tische und Stühle auf die Kreuzung. Die dortige Demonstration war für 12 Uhr angekündigt. Laut Polizei sind rund 300 Teilnehmer eingetroffen. Bis 14 Uhr soll dort protestiert werden.

Die Demonstranten hatten bereits am Wochenende ein „Klimacamp“ im Regierungsviertel zwischen Reichstag und Kanzleramt aufgeschlagen und angekündigt, den Verkehr lahmlegen zu wollen. Geplant ist eine ganze Woche der Rebellion, Aktivisten wollen auch in Großstädten anderer Länder protestieren, darunter in London, Paris, Madird, Amsterdam und New York. Wie die Aktivisten vorgehen, wollen sie erst Minuten vorher bekanntgeben, angemeldet sind ihre Aktionen zumeist nicht.

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) verurteilte die Protestblockaden der Klima-Aktivisten in einem Fernsehauftritt am Montagmorgen. „Das geht natürlich gar nicht“, sagte Braun im „Morgenmagazin“ des ZDF. „Das Anliegen des Klimaschutzes, das teilen wir ja alle“, argumentierte der CDU-Politiker. Doch die Ankündigung gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr sei nicht akzeptabel.

Die FDP warnte vor antidemokratischen Zügen der Bewegung. „Über die extremen Forderungen zum Klimaschutz hinaus stellen Aktivisten der Gruppierung offen die Demokratie in Frage“, sagte Parteichef Christian Lindner der Deutschen Presse-Agentur. „Klimaaktivisten und Grüne sollten sich von den antidemokratischen und teils totalitären Äußerungen aus dieser Gruppierung distanzieren.“ Klimaschutz sei keine Entschuldigung für Gewalt, die bei Blockaden ihren Ausgangspunkt nehme, sagte der Liberale.

Auch der Grünen-Politiker Boris Palmer kritisierte „Extinction Rebellion“. „Es gibt gute Gründe, endlich entschiedenes Handeln für den Klimaschutz zu fordern. Wer aber Demokratie und Rechtsstaat dafür über Bord wirft, wird ziemlich sicher auch den Kampf gegen den Klimawandel verlieren. Protest ja, Rebellion nein“, sagte der Tübinger Oberbürgermeister der „Bild“-Zeitung.

Zu Staus kam es am Montagmorgen nicht nur im Bereich um die Siegessäule, sondern auch am Flughafen Tegel. Der Grund: Polizisten kontrollierten dort Busse. Ziel ist es, zu verhindern, dass Klima-Aktivisten auch die Zufahrten zum Flughafen blockieren. Weitere Aktionen der Gruppe in Berlin sollen folgen, für Montagmittag ist etwa eine Veranstaltung am Potsdamer Platz geplant.

Auch in London gab es am Montag Proteste von „Extinction Rebellion“. Bis zum frühen Nachmittag wurden mindestens 135 Demonstranten festgenommen. Die Aktivisten hatten etliche Straßen und auch mehrere Themse-Brücken in der britischen Hauptstadt blockiert. Vor allem die Straßen im Regierungsviertel und vor dem Parlament waren betroffen. Demonstranten machten Yoga auf der Straße oder protestierten mit Schildern, auf denen etwa geschrieben stand: „Der Planet ändert sich - warum nicht wir?“

(cka/dpa/epd)
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