Sexueller Missbrauch: "Es gibt dringenden Handlungsbedarf in den Sportvereinen"

Sexueller Missbrauch : "Es gibt dringenden Handlungsbedarf in den Sportvereinen"

Zu wenige Sportvereine in Deutschland treffen Maßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch, wie aus einer Erhebung des Missbrauchsbeauftragen der Bundesregierung hervorgeht. "Es gibt dringenden Handlungsbedarf", sagte Johannes-Wilhelm Rörig am Mittwoch in Berlin der Nachrichtenagentur dpa.

So hätten nur etwa ein Drittel aller Vereine einzelne Präventionsmaßnahmen wie blickgeschützte Räume in Duschen oder Notfallpläne bei konkretem Verdacht getroffen. Der Beauftragte der Bundesregierung hatte 12.000 Fragebögen an Sportvereine verschickt. Nur 650 hatten geantwortet. Nach Angaben des Beauftragen sind etwa 7,6 Millionen Jungen und Mädchen in Deutschland in mehr als 91.000 Sportclubs aktiv.

"Körperliche Nähe im Sport ist ein Muss", dürfe aber nicht ausgenutzt werden, ebenso wie das Vertrauen der Kinder zum Trainer. "Jeder Verein kann durch klare Regeln verhindern, dass dieses Vertrauen missbraucht wird", sagte Rörig.

So seien Transparenz und Verhaltensregeln für Training, Duschen oder Übernachtungen nötig. "Erwachsene haben nichts in Duschen von Jungen und Mädchen zu suchen." Immer noch würden Empfehlungen oder Leitfäden von Dachverbänden zu wenig umgesetzt. "Das ist die große Herausforderung, Verantwortliche in der Basis zu aktivieren." Deshalb diskutierten am Mittwoch in Berlin auf Initiative des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Deutschen Sportjugend Vertreter von Verbänden über sexualisierte Gewalt im Sport.

So sollen etwa Fälle wie der schwere sexuelle Missbrauch von Kindern durch einen ehemaligen Mannheimer Jugendtrainer verhindert werden. Der Mann war deswegen im Juli zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Nach Feststellung des Gerichts hatte sich der Verurteilte als Trainer in einem Inline-Hockey-Verein Kontakt zu seinen Opfern verschafft. Zwischen 2004 und 2012 habe er sich hier an Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 15 Jahren vergangen.

Laut DOSB-Vertreter Christian Sachs seien Vereine mittlerweile besser vernetzt, um zu verhindern, dass pädophile Trainer einfach den Verein wechseln. "In den letzten Jahren hat sich extrem viel getan", sagte Sachs. Auch gebe es mittlerweile die Möglichkeit, bei Verdacht die Trainerlizenz zu entziehen. Dennoch: "Es ist noch ein langer Weg."

Hier geht es zur Infostrecke: Wie entdeckt man, ob ein Kind missbraucht wird?

(dpa)
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