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"Das Wir-Gefühl stärken": Erste Grundschule in NRW führt einheitliche Schulkleidung ein

"Das Wir-Gefühl stärken" : Erste Grundschule in NRW führt einheitliche Schulkleidung ein

Kamp-Lintfort (RPO). Als erste Grundschule in Nordrhein-Westfalen führt die Overbergschule in Kamp-Lintfort heute einheitliche Schulkleidung ein - auf freiwilliger Basis. Die Schüler sind davon begeistert.

Fast wie professionelle Models schreiten Katharina, Stella und Lena den kleinen Laufsteg auf und ab, bleiben dann und wann stehen und drehen sich um die eigene Achse. Die drei Mädchen aus der dritten Klasse präsentieren die neue Schulkleidung der Overbergschule in Kamp-Lintfort. Sie sind begeistert von den neuen Sachen. "Es sieht schön aus", ist die einhellige Meinung der Kinder. "Durch die einheitliche Kleidung soll das Zusammengehörigkeitsgefühl an der Schule gestärkt werden", sagt Schulleiterin Sigrid Hamann.

Die Kollektion besteht aus T-Shirts und Polo-Hemden in den Farben weiß, hellblau und dunkelblau sowie dunkelblauen Sweatshirts, Fleece- und Strickjacken. Der Aufdruck des Schul-Logos auf der linken Brust ist optional. "Dazu tragen die Schüler dann dunkelblaue Jeans oder Stoffhosen", sagt Hamann.

"Seit Anfang des Schuljahres haben wir schon darüber nachgedacht", erzählt Hamann. Das neue Schulgesetz in NRW erlaubt seit 1. August das Tragen von Schuluniformen. Einige Lehrerinnen seien aus den Sommerferien zurückgekommen und hätten Positives über Schuluniformen aus dem Ausland, beispielsweise aus England, berichtet. "Dann haben wir eine anonyme Umfrage unter den Eltern gestartet, und die Resonanz war sehr gut", sagt die Schulleiterin. Zusammen mit den Eltern wurden dann auch die Farben für die Oberteile ausgesucht.

Natürlich habe es auch einige kritische Stimmen zu dem neuen Einheits-Look gegeben. Hauptargument der Gegner sei gewesen, dass die Individualität der Kinder eingeschränkt werde. "Aber die Schulkleidung ist keine Schuluniform", betont Hamann. "Diese Outfits lassen noch genug Raum für die Individualität der Kinder." Die positiven Argumente würden eindeutig überwiegen. "Die Schulkleidung soll das Wir-Gefühl stärken", sagt die Direktorin. Eine Studie der Universität Gießen habe zudem herausgefunden, dass Schüler mit Schulkleidung rücksichtsvoller und aufmerksamer seien und besser lernen würden.

"Außerdem stehen die Eltern nicht unter Druck, teure Markenkleidung zu kaufen", argumentiert Hamann. Auch die sieben Lehrerinnen der Grundschule werden die Schulkleidung künftig tragen. Und da gerade die Lehrerinnen nach den Worten ihrer Chefin besonders auf schickes Aussehen achten, hat man die Kleidungsstücke mit viel Bedacht ausgesucht. "Wir haben sehr viel Wert auf gute Qualität gelegt", betont Hamann. Eine Firma für Berufsbekleidung liefere die Sachen.

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Die Preise für den Schuldress gehen von 4,50 Euro pro T-Shirt über 9,90 Euro für das Polo-Hemd und 12,90 Euro für das Sweatshirt bis zu 26,90 Euro für Fleece- und Strickjacke. "Die Erstausstattung kostet zwischen 80 und 100 Euro pro Kind", sagt Hamann. Man habe versucht, den Preis so niedrig wie möglich zu halten. "Das ist schon viel Geld", sagt eine Mutter. Doch das Wichtigste sei, dass sich ihre Tochter wohlfühle, und deshalb werde sie die Neuanschaffung auch tätigen. "Und wer aus finanziellen Gründen nicht an der Schulkleidung mitmachen will, kann sich an den Förderverein der Schule wenden", erklärt Hamann.

In den nächsten Monaten wird sich nun zeigen, ob sich die Einheitsbekleidung im Schulalltag der Overbergschule als praktikabel erweist. Im Moment sind die Grundschüler geradezu enthusiastisch. Und auch bei der Farbpräferenz ist man sich, egal ob Junge oder Mädchen, ziemlich einig: "Hellblau."

(afp)