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Glaeseker und Schmidt sollen betroffen sein: Erste Anklage in der Wulff-Affäre steht bevor

Glaeseker und Schmidt sollen betroffen sein : Erste Anklage in der Wulff-Affäre steht bevor

Die Staatsanwaltschaft Hannover will nach einem Medienbericht in der Affäre um Ex-Bundespräsident Christian Wulff jetzt die erste Anklage erheben. Wulffs früherer Sprecher Olaf Glaeseker und der Partyveranstalter Manfred Schmidt müssen sich demnach wegen mutmaßlicher Korruption vor Gericht verantworten.

Laut "Spiegel" räumte Filmproduzent David Groenewold ein, für Wulff Hotelkosten von 400 Euro übernommen zu haben. Offiziell wollte sich die Staatsanwaltschaft Hannover dem Bericht zufolge nicht zur bevorstehenden Anklage-Erhebung äußern. Die "BamS" berichtete weiter, Glaeseker habe sich nach Erkenntnissen der Ermittler zu 18 Freiflügen und 17 kostenlosen Urlaubsaufenthalten in Schmidts Ferienhäusern in Spanien und Frankreich einladen lassen. Im Gegenzug solle Glaeseker dem Partymacher geholfen haben, Sponsoren für dessen Veranstaltungsreihe "Nord-Süd-Dialog" zu finden.

Der ehemalige Wulff-Sprecher bestritt laut "BamS" gegenüber der Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Bestechlichkeit: Er habe Schmidt nicht geholfen, weil er eine Gegenleistung erwartet habe, sondern weil er ein enger, langjähriger Freund sei. Glaesekers Anwalt sagte der Zeitung, der Verteidigung liege die Anklageschrift bislang nicht vor. "Wir werden im Detail dem Gericht gegenüber Stellung nehmen und die Vorwürfe vollständig zurückweisen."

Vor knapp zwei Monaten hatte die "BamS" berichtet, Wulff selbst werde ein Prozess wegen Korruptionsverdachts wohl erspart bleiben. Er war vor gut einem Jahr nach Einleitung staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen wegen des Verdachts der Vorteilsnahme von seinem Amt als Bundespräsident zurückgetreten. Hintergrund waren unter anderem auch Vorwürfe im Zusammenhang mit Urlauben, für die der Berliner Filmproduzent David Groenewold die Hotelrechnungen bezahlt haben soll.

Laut "Spiegel" räumte Groenewold ein, im Jahr 2008 für Wulff 400 Euro Hotelkosten anlässlich eines Besuchs des Oktoberfests übernommen zu haben. Laut seiner Stellungnahme gegenüber der Staatsanwaltschaft Hannover habe er sich damals beim Check-out zunächst eine Informationsrechnung vorlegen lassen. Dabei sei er von der Höhe überrascht gewesen. Da er Wulff vor der Reise einen niedrigeren Preis genannt habe, sei ihm dies "unangenehm" gewesen.
Deshalb habe er die Differenz heimlich übernommen.

Der Staatsanwaltschaft, die gegen Groenewold wegen des Verdachts der Vorteilsgewährung ermittelt, dürfte es laut "Spiegel" schwer fallen, seine Version zu widerlegen. Weder Hotelangestellte noch andere Hotelgäste hätten sich trotz intensiver Befragungen durch die Ermittler an den Bezahlvorgang erinnern können. Die Beweislage für eine mögliche Anklage bleibe damit dünn. Denn wenn Wulff gar nicht gewusst habe, dass ihm ein Vorteil gewährt worden sei, könne er davon auch nicht beeinflusst worden sein.

(AFP/felt)