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Sonne lässt Ozonwerte steigen: Erst die Hitze - dann Unwetter

Sonne lässt Ozonwerte steigen : Erst die Hitze - dann Unwetter

Düsseldorf (RPO). Hoch Gertraud hat die Menschen im Land am Dienstag gehörig ins Schwitzen gebracht. Die Temperaturen stiegen deutlich über 30 Grad, die Ozonwerte überschritten die kritische Marke. In der Nacht soll es erste Gewitter und später einen Temperatursturz geben. Es gibt eine Unwetterwarnung für Teile von NRW.

Bereits am Abend sollten erste Gewitter von Westen her aufziehen. Für Mittwoch sagen die Meteorologen einen Temperatursturz voraus. In den Frühstunden des Mittwochs erreicht dann eine Gewitterfront den Westen Deutschlands, die im Laufe des Tages über das Land hinweg ostwärts ziehen soll. Vor allem in der Osthälfte und im Süden des Landes werden schwere, teils unwetterartige Gewitter erwartet.

Temperatur-Spitzenreiter in NRW

Landesweit seien die Temperaturen am bislang heißesten Tag des Jahres auf über 30 Grad gestiegen, sagte der Meteorologe Franz Josef Molé vom Deutschen Wetterdienst in Essen. Temperatur-Spitzenreiter war nach dessen Angaben des Wetterdienstes Duisburg. Dort kletterte das Thermometer am Nachmittag auf 36 Grad. Nach Informationen des WDR war es hingegen in Marl mit 37,3 Grad noch etwas heißer, gefolgt von Duisburg-Hochfeld mit 36,3 Grad. Selbst auf dem 800 Meter hohen Kahlen Asten wurden noch 26 Grad erreicht:

Der Juni-Spitzenwert für NRW wurde allerdings nicht geknackt. Am 27.6.1947, dem bislang heißesten Juni-Tag seit Beginn der Aufzeichnungen, waren die Temperaturen in Köln und Bonn auf 37,9 Grad gestiegen, wie Molé sagte.

An den Ozon-Messstationen Wesel-Feldmark und Borken-Gemen wurde am Nachmittag die kritische Marke von 180 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten, wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Recklinghausen auf seiner Internetseite mitteilte. In anderen Städten lag der Messwert nur knapp darunter.

Laut LANUV reagieren zwischen 10 und 20 Prozent der Bevölkerung empfindlich auf Ozon. Sie leiden bei hohen Werten unter anderem unter Schleimhautreizungen, Atemwegsbeschwerden und Kopfschmerzen.

Gewitter bringen deutliche Abkühlung

In den kommenden Tage dürften die Ozonwerte und die damit verbundenen Beschwerden jedoch durch Gewitter und fallende Temperaturen zurückgehen. Die von Westen her aufziehende Gewitterfront, die starken Regen, Sturmböen und vielleicht sogar Hagel mit sich bringt, wird am Mittwoch für Abkühlung sorgen. Im Rheinland werden die Temperaturen den Vorhersagen zufolge am ganzen Tag nicht über 20 Grad steigen.

Ab Donnerstag soll sich das Wetter wieder beruhigen. Laut Wetterdienst wechseln sich dann Sonne und Wolken bei immer noch verhältnismäßig niedrigen Temperaturen ab.

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Laut Bauernregel entscheidet der Siebenschläfertag über das Wetter des Sommers. Montag war Siebenschläfertag, örtlich wurden über 30 Grad gemessen. Doch die Meteorologen glauben trotz Hoch "Gertraud" am Siebenschläfertag nicht an einen heißen Sommer.

"Eine erneute Hitzewelle in den nächsten Wochen ist unwahrscheinlich. Der Sommer wird unbeständig", sagt Lars Dahlstrom vom Wetterdienst Meteomedia.

Im gesamten Juli sei demnach mit wechselhaftem Wetter zu rechnen. Und auch für diese Prognose lässt sich die Siebenschläfer-Weisheit heranziehen. Denn der 27. Juni als Stichtag für Wetterprognosen ist aus Expertensicht grundsätzlich falsch. "Es geht um einen Zeitraum, nicht um einen Tag", sagt Thomas Kesseler-Lauterhorn vom Deutschen Wetterdienst.

Tatsächlich ließen die letzten Juni-Wochen und der Juli-Anfang Rückschlüsse auf das Sommerwetter zu. "Wir haben derzeit keine stabile Hochdruckphase, sondern sehr wechselhafte Bedingungen. Bereits morgen zieht ein erneutes Tief aus Westen heran und wird weiten Teilen des Landes heftige Unwetter und kühlere Temperaturen bescheren", sagt Lars Dahlstrom.

Erst im August könne es — so die erweiterte Siebenschläferregel — wieder anhaltende Sonnentage geben. "Prognosen über zehn Tage hinaus sind aber immer ein bisschen Kaffeesatzleserei", sagt Thomas Kesseler-Lauterbach.

Für die erweiterte Bauernregel, die angeblich in rund zwei von drei Jahren zutrifft, gibt es auch eine wissenschaftliche Erklärung. "Der Jetstream — ein starker Höhenluftstrom — zieht die Tiefdruckgebiete wie an einer Perlenschnur über Europa. Er stabilisiert sich in diesen Tagen und liegt im Hochsommer meist über den gleichen Regionen", erklärt Kesseler Lauterbach. Derzeit verläuft der Stream über Mitteleuropa: "Also müssen wir uns auf Tiefdruckgebiete einstellen."

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(RP/dapd)