Brandkatastrophe in Ludwigshafen: Ermittlungen zum Wohnhausbrand eingestellt

Brandkatastrophe in Ludwigshafen : Ermittlungen zum Wohnhausbrand eingestellt

Ludwigshafen (RPO). Knapp sechs Monate nach dem verheerenden Feuer in einem Ludwigshafener Wohnhaus mit neun Todesopfern hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen zur Brandursache eingestellt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Feuer durch Fahrlässigkeit verursacht wurde.

Die Ursache der Brandkatastrophe von Ludwigshafen mit neun Todesopfern bleibt ein Rätsel. Wie die Staatsanwaltschaft Frankenthal am Mittwoch mitteilte, wurden die Ermittlungsakten geschlossen, da keine weiteren Ansätze vorliegen. Deutlich geworden sei lediglich, dass der Brand am Fuß der hölzernen Kellertreppe durch "eine bislang unbekannte, eng begrenzte Wärmequelle" ausgelöst worden sei.

Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig erklärte, entstand dadurch zunächst ein Schwelbrand, der nach maximal drei Stunden zu einem offenen Feuer wurde, als bei der Kellertür eine Öffnung entstand und so Sauerstoff in den Keller strömte. Da das Treppenhaus in dem ausschließlich von Türken bewohnten Mehrfamilienhaus wie ein Kamin wirkte, konnte sich das Feuer schnell nach oben ausbreiten. Zudem wurde den Bewohnern der einzige Fluchtweg abgeschnitten.

Die Staatsanwaltschaft schloss als Brandursache erneut einen technischen Defekt, etwa durch Überlastung des Stromnetzes, aus. Auch sei eine vorsätzliche Brandstiftung oder gar ein Brandanschlag mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen. Als Ursache müsse vielmehr ein bisher nicht geklärtes fahrlässiges Verhalten angenommen werden. Staatsanwaltschaft und Polizei hatten nach dem Brand am 3. Februar mehr als 200 Spuren ausgewertet und 120 Zeugen vernommen.

Die Staatsanwaltschaft verwies erneut darauf, dass ein Brandstifter mit hoher Wahrscheinlichkeit entdeckt worden wäre, weil sich am Unglückstag etwa 60 Personen im betroffenen Haus aufhielten. Zwei Mädchen, die in dem Gebäude wohnten, hatten unmittelbar nach dem Brand behauptet, sie hätten einen Brandstifter gesehen, diese Aussage später aber widerrufen.

Bei dem Feuer waren am 3. Februar neun Menschen ums Leben gekommen, 60 weitere wurden verletzt. Die Katastrophe hatte großen politischen Wirbel ausgelöst. Führende türkische Politiker brachten das Feuer mit dem Brandanschlag von Solingen in Verbindung. Türkische Zeitungen empörten sich darüber, dass die Feuerwehr zu spät zur Stelle gewesen sei. Dies konnten die Behörden in Ludwigshafen widerlegen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan machte bei seinem Deutschlandbesuch in Ludwigshafen Station und rief seine Landsleute zur Mäßigung auf.

Hier geht es zur Infostrecke: Chronologie der Brandkatastrophe von Ludwigshafen

(afp)