Scharfe Kritik an Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: "Entweder ist er ein Betrüger oder krank"

Scharfe Kritik an Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst: "Entweder ist er ein Betrüger oder krank"

Limburgs Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst lässt ein Bischofshaus bauen, das fünfmal teurer ist als geplant. Öffentlich schweigt er. Bereits 2012 gerät er in die Schlagzeilen. Der Bischof soll erster Klasse nach Indien geflogen sein, um dort soziale Projekte zu besuchen. Rufe nach seinem Rücktritt werden lauter. Ein Kritiker nennt den Kirchenmann "offensichtlich krank".

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitierte am Dienstag aus einer Erklärung des dreiköpfigen Vermögensverwaltungsrats, der die Finanzen des Bischöflichen Stuhls beaufsichtigen soll. "Wir sind durch den Bischof von Limburg hinter das Licht geführt worden", heiße es darin. Den Mitgliedern des Gremiums seien die Gesamtkosten nicht bekannt gewesen: "In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, dass gemäß des Statutes des Bischöflichen Stuhles zu Limburg weder Haushaltspläne für die Jahre 2012 und 2013 vorgelegt noch dass entsprechende Einzelprojekte genehmigt worden sind."

Falls Tebartz-van Elst den Vermögensverwaltungsrat tatsächlich getäuscht habe, "bleibt dem Bischof keine andere Wahl, als dem Papst seinen Rücktritt anzubieten", sagte der Frankfurter Pfarrer Werner Otto, Sprecher des bischofskritischen "Hofheimer Kreises" von 20 Pfarrern. Die Kosten seien "moralisch nicht zu rechtfertigen und den Gläubigen nicht zu vermitteln".

Felsiger Baugrund

Der offizielle Name des Bischofssitzes lautet "Diözesanes Zentrum St. Nikolaus". Zur Residenz gehören die Privatwohnung des Bischofs und Konferenzräume in einem Neubau, eine Privatkapelle sowie zwei denkmalgeschützte Gebäude. Die Kostenexplosion hat die Diözese bisher sowohl mit dem schwierigen, felsigen Baugrund als auch mit der aufwendigen Sanierung historischer Gebäude erklärt.

Für die Baufinanzierung hatte das Bistum seinerzeit dem Vernehmen nach aus Kirchensteuermitteln eine Rücklage in Höhe von 2,5 Millionen Euro gebildet. Weitere nötige Mittel sollten dem Kirchenvermögen des Bischöflichen Stuhls entnommen werden. Zur Aufsicht darüber hatte der Bischof den Verwaltungsrat eingesetzt. Eben der hatte nach Angaben des Bistums am Montag eine von Tebartz-van Elst für Oktober angekündigte verwaltungsinterne Kostenrechnung "festgestellt und erörtert", aus der sich die Summe von rund 31 Millionen Euro ergibt.

Finanzierung wird überprüft

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Alle zur Verfügung stehenden Unterlagen würden jetzt der von Tebartz-van Elst Anfang September erbetenen Sonderkommission der Deutschen Bischofskonferenz zugeleitet, so das Bistum. Diese habe den Auftrag, "die verschiedenen Einzelprojekte der gesamten Baumaßnahme hinsichtlich der Kosten und der Finanzierung zu überprüfen". Das Ergebnis werde dann dem Bischof und der Öffentlichkeit vorgelegt.

Folgt man dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, könnte es im November so weit sein. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass da etwas auf die lange Bank geschoben werde, hatte Zollitsch am Rande der Herbstvollversammlung der Bischöfe Ende September betont. Es gehe darum, wieder Vertrauen zu gewinnen.

Warten auf das Prüfgericht

Zu den Vorwürfen nahm Tebartz-van Elst zunächst keine Stellung. Der Bischof wolle sich nicht vorschnell äußern und setze zunächst auf die Prüfung durch die Deutsche Bischofskonferenz: "Wir warten ab, was der Prüfbericht ergibt", teilte das Bistum mit. Dann werde klar sein, welcher Baubereich wie viel gekostet habe. Ein Sprecher verwies auch darauf, dass der Bischof der geistliche Leiter des Bistums sei. Für Verwaltungsfragen seien andere zuständig, etwa der Generalvikar.

Am späten Nachmittag wollte Tebartz-van Elst gestern in Wiesbaden eigentlich ein Buch zu den Päpsten Benedikt XVI. und Franziskus vorstellen. Der Termin wurde abgesagt.

(RP)
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