900 Schweine in Stall erstickt: Empörung über Tierdrama in Vreden

900 Schweine in Stall erstickt: Empörung über Tierdrama in Vreden

In einem Schweinestall im münsterländischen Vreden sind mehr als 900 Schweine nach einem Lüftungsausfall verendet. Kreisveterinär Albert Groeneveld sagte, das Drama hätte verhindert werden können, wenn eine Alarmanlage funktioniert hätte.

"Das Gerät ist für Ställe mit einer ausschließlich technischen Belüftung gesetzlich vorgeschrieben", erklärte der Experte. Jetzt wird wegen eines Verstoßes gegen die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung ermittelt. Ein Gutachter soll feststellen, ob die Alarmanlage fehlerhaft montiert wurde. Der Stall, in dem Mastschweine gezüchtet werden, sei noch neu, sagte Groeneveld. Der Schaden liegt bei mehr als 100.000 Euro.

Die Grünen im Düsseldorfer Landtag nahmen den Fall zum Anlass, um auf die Haltungsbedingungen in der Schweinemast aufmerksam zu machen. Die Tiertragödie zeige, dass "die Technik den Menschen nicht ersetzen kann", sagte Norwich Rüße, agrarpolitischer Sprecher der Grünen.

"Es ist verantwortungslos, Tiere komplett der Stalltechnik zu überlassen", sagte der Politiker. Die Schweine seien "elendig erstickt, und niemand hat es bemerkt", erklärte Rüße. Es sollte selbstverständlich sein, dass jeder Bauer seine Tiere wenigstens einmal am Tag zu Gesicht bekomme. Gerade bei extremer Witterung seien diese auf besondere Fürsorge angewiesen. Der Vorfall hatte sich bereits am 23. Juni ereignet — an dem Tag war es sehr heiß.

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Der Eigentümer des Stalls, Christian Röring, wies die Vorwürfe zurück. Er habe nicht gegen die Betreuungspflicht verstoßen. Die Schweine seien offenbar innerhalb weniger Stunden in der Nacht verendet. "Meines Erachtens haben wir es mit einem Fall von höherer Gewalt zu tun", sagte der Landwirt. Er habe jedenfalls keinen Stromausfall bemerkt. Röring beklagte, der Fall sei offenbar nur deshalb an die Öffentlichkeit gebracht worden, weil sein Vater, Johannes Röring, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes und Bundestagsabgeordneter der CDU ist. Den Hof betreibe er aber völlig eigenständig, erklärte Christian Röring.

Das Unglück wurde offenbar dadurch beschleunigt, dass an dem Stall eine Filteranlage angebracht ist, die verhindern soll, dass Gerüche und Schadstoffe in die Umwelt gelangen. Wegen des fehlenden Luftaustauschs stieg der CO2-Gehalt in dem Stall nach dem Ausfall der Lüftung in kurzer Zeit auf eine tödliche Konzentration an.

(gmv)
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