1. Panorama
  2. Deutschland

Darsteller schwer verletzt: Empörung über "Liliputaner-Action" in der Disko

Darsteller schwer verletzt : Empörung über "Liliputaner-Action" in der Disko

In der Party-Branche sind Events mit Kleinwüchsigen keine Seltenheit. In Cuxhaven warb ein Club mit dem Aufruf "Wer den Liliputaner einsperrt, bekommt einen Flatscreen." Nachdem ein Tänzer stürzte und sich schwer verletzte, überrollt den Betreiber eine Welle der Empörung.

Am Wochenende kam es in Janssen's Tanzpalast in Cuxhaven zu einem folgenschweren Zwischenfall. Ein kleinwüchsiger Tänzer stürzte und verletzte sich schwer, seitdem liegt er auf der Intensivstation.

Der Vorfall wirft Licht auf die mitunter zweifelhaften Methoden des Party-Geschäfts. So wurde der Tanzabend am vergangenen Samstag als "Project X Party" beworben. Pate dafür steht ein gleichnamiger Film. Er erzählt wie auf einer wilden Feier alles aus dem Ruder läuft. Unter anderem jagen die mit Alkohol und Ecstasy versorgten Gäste einen Kleinwüchsigen und sperren ihn in einen Backofen.

"Partyluder" gesucht

Ähnlich exzessiv klangen beim Tanzpalast in Cuxhaven die Ankündigungen des Events: Frauen im Minirock oder Hot Pants wurde freier Eintritt zugesagt, zur Begrüßung gab es Hochprozentiges mit Red Bull versetzt, auf einem "Partygirl-Contest" wurde des "wildeste Partyluder" gesucht, auf der Tanzfläche sollte sich ein Pool mit "heißen Girls" befinden.

Mitten drin in diesem Setting fand sich auch ein Unterhaltungs-Event mit einem Kleinwüchsigen. Das dazugehörige Versprechen: "Wer den Liliputaner einsperrt, bekommt einen FLATSCREEN!" Bei dieser Darbietung geschah das Unglück. "Bild" griff das Ereignis auf und beschreibt es als Hetzjagd: Der Tänzer sei durch den Saal gejagt und anschließend in einen Backofen gesperrt worden.

"Da macht man sich keine Gedanken"

Der Betreiber weist die Vorwürfe zurück. Derartige "Events" würden Woche für Woche durchgeführt und von verschiedenen Agenturen angeboten. Der Unfall sei außerdem nicht aufgrund einer "Hetzjagd" passiert, sondern während der "in Discos üblichen Tanzanimation". Auch die Schilderung der Polizei spricht für ein tragisches Unglück. Doch dass eine Diskothek in ihrer Werbung wie eine Jahrmarktbude aus dem 19- Jahrhundert von "Liliputanern" spricht und dazu aufruft, diesen einzusperren, bleibt freilich in der Welt.

So stand bei Janssen's Tanzpalast — womöglich stellvertretend für die Branche - offensichtlich der Wille zum unbedingten Entertainment im Vordergrund. "Da macht man sich keine Gedanken", sagte Betreiber Eric Janssen Spiegel Online. Auch nicht im Hinblick auf die diskriminierende Bezeichnung "Liliputaner". Im Nachhinein sei der Begriff grenzwertig, gibt sich Hassen reumütig. Man werde sicherlich weiter Mottopartys veranstalten. "Dieses Thema allerdings nicht mehr."

  • OSD und Polizei kontrollieren am Rheinufer.
    Oster-Bilanz in Düsseldorf : Party mit 16 Personen und Filmteam in Club im Hafen
  • Nachtschwärmer im Circus Nightclub am Bramley-Moore
    Feiern fast wie vor Corona : Test für Club-Party in Liverpool
  • Thomas Hermanns (rechts) brachte das Logo
    Kultur in Mönchengladbach : Quatsch Comedy Club zieht nach Gladbach

Scharfe Kritik in sozialen Netzwerken

Die Empörung ist dennoch groß. Der Verband der Kleinwüchsigen kritisierte die Aktion als "Zurschaustellung", der Slogan sei verächtlich und gebe kleinwüchsige Menschen der Lächerlichkeit preis. Menschen als Liliputaner zu bezeichnen, zur Belustigung zu missbrauchen und zum Gespött zu machen, gehöre untersagt. Der Verband prüft derzeit einen Verbotsantrag.

Auch auf seiner Facebook-Seite schlägt dem Tanzpalast Kritik entgegen. "Es gibt Sachen, die sind nicht zu entschuldigen", schreibt dort ein nach eigenem Bekunden ehemalige Stammgast dem Betreiber ins Stammbuch. Aus kommerziellen Gründen ein verachtendes Menschenbild zu verbreiten, dürfe von einer modernen Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Eine andere Besucherin beschimpft die Diskothek als "rassistischen und unverschämten Club."

(pst)