Gegensätzliche Aussagen im Fall Kachelmann: Eine Nacht - zwei Versionen

Gegensätzliche Aussagen im Fall Kachelmann: Eine Nacht - zwei Versionen

Mannheim (RPO). Zweiter Tag im Vergewaltigungs-Prozess gegen Jörg Kachelmann. Der Angeklagte selbst hat angekündigt zu schweigen. Im Gerichtssaal saß erneut die Frau, die ihn beschuldigt. Was sich wirklich in der Nacht zum 9. Februar abgespielt hat, vermag derzeit niemand zu sagen. Die Aussagen widersprechen sich fundamental.

Auch an Tag zwei des Kachelmann-Prozesses standen die Zuschauer vor dem Landgericht Mannheim geduldig an und ließen sich vor dem Einlass durchsuchen. Und das, obwohl sie die Woche zuvor schwer enttäuscht waren. Denn schon nach wenigen Minuten war der Prozesstag aufgrund der Befangenheitsanträge der Verteidiger schon wieder zu Ende gewesen. Aber am Montag nahm dann im vollbesetzten Saal 1 des Landgerichts das Gestalt an, was die Öffentlichkeit seit Monaten beschäftigt. Es gibt zwei Versionen von dem, was sich in der Nacht zum 9. Februar 2010 zwischen Kachelmann und seiner Freundin in deren Wohnung abgespielt hat, - und kein Unbeteiligter weiß momentan, welche stimmt.

Nach der Anklageschrift, die Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge verlas, gab es Streit wegen der anderen Frau, von der Kachelmanns langjährige Freundin erfahren hatte. Er nahm demnach ein Küchenmesser und bedrohte sie. "Halt die Klappe, oder du bist tot", soll Kachelmann gesagt haben. Laut Staatsanwaltschaft drängte er sie ins Schlafzimmer, schubste sie auf Bett, entkleidete und vergewaltigte sie. Dabei habe er ihr weiter das Messer an den Hals gedrückt, so dass Rötungen entstanden. An den Oberschenkeln hätten sich aufgrund der Gewaltanwendung Hämatome (Blutergüsse) gebildet.

Kachelmann, der Angeklagte, stellt die Nacht indessen ganz anders dar. Zwar machte er am Montag nur wenige Angaben zu seiner Person und ließ durch seinen Anwalt mitteilen, dass er im Prozess schweigen werde. Aber erstmals wurde das verlesen, was er im März dem Haftrichter gesagt hatte. Die Öffentlichkeit kennt diesen Tag, denn nach dieser Aussage rief Kachelmann den vorm Mannheimer Landgericht wartenden Journalisten zu, dass er unschuldig sei. Die Szene lief in allen Fernsehsendern.

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Was Kachelmann damals dem Haftrichter erklärt hatte, wurde am Montag vor dem Landgericht öffentlich. Er sagte, seine Freundin habe bereits in ihrem Schlafzimmer mit Handschellen und Reitpeitsche auf ihn gewartet. Es sei zu einvernehmlichem Sex gekommen, danach hätten sie zusammen gegessen. Erst dann habe seine Freundin ihn wegen eines auf ihn und eine andere Frau ausgestellten Flugtickets zur Rede gestellt, sagte Kachelmann. Als er sie verlassen habe, seien beide vom Ende der Beziehung ausgegangen. Sie sei unverletzt gewesen. Ob er ein Messer angefasst hat, daran kann sich der wegen schwerer Vergewaltigung Angeklagte nicht erinnern.

Mit Spannung hörten die Frauen und Männer in den wieder vollbesetzten Zuhörerreihen des Gerichtssaals, wie Kachelmann in seiner Aussage Einblicke in sein Verhältnis zu Frauen gab: Er sei zeugungsunfähig. Die beiden Kinder seiner früheren Frau seien nicht von ihm. Weil sie ihm die Kinder untergeschoben habe, habe er großes Misstrauen in Beziehungen gehabt. Sein Verhältnis zum möglichen Tatopfer schilderte Kachelmann vor dem Haftrichter als locker. Sie hätten sich seit 1998 maximal zwölfmal im Jahr getroffen, sie sei auch nur einmal in seinem Haus im Schwarzwald gewesen. Er habe ihr allerdings nie gesagt, dass er keine Perspektive für ihre Beziehung sehe.

Die 37-jährige Radiomoderatorin soll nach Medienberichten von einer festen Beziehung ausgegangen sein. Es heißt, Kachelmann habe ihr eine gemeinsame Zukunft und eine Heirat in Aussicht gestellt. Hier steht nun wie beim Tatvorwurf Aussage gegen Aussage. Am Mittwoch will die 5. Große Strafkammer jene Polizeibeamte hören, die das mutmaßliche Tatopfer als erste vernahmen. Auch der Haftrichter, bei dem Kachelmann seine Aussage machte, soll vernommen werden. Danach will die Kammer jene anhören, gegen deren Aussage sich Kachelmanns Verteidiger am Montag erbittert wehrten: zehn weiteren Freundinnen des Wettermoderators.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der zweite Tag im Kachelmann-Prozess

(apd/pst)
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