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Studie: Ein Viertel aller Neu-Eltern ist überfordert

Studie : Ein Viertel aller Neu-Eltern ist überfordert

Etwa ein Viertel aller Eltern von Neugeborenen sind bei der Erziehung ihrer Kinder unsicher oder völlig überfordert. Bereits drei Monate nach der Geburt lebt in jeder zehnten Familie der leibliche Vater nicht mehr im Familienhaushalt.

Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch in Düsseldorf veröffentlichte Begleitstudie über das Präventions-Modell im rheinischen Monheim, das Kindern Hilfen von der Geburt bis zum Berufseintritt anbietet. Da es sich bei der Untersuchung um "eine Vollerhebung" handele, könnten die Daten als bundesweit repräsentativ gelten, erklärte Studienleiterin Gerda Holz vom Frankfurter "Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik".

Laut Untersuchung zählen 17 Prozent der Neueltern zu den "unsicheren Familien" und rund sechs Prozent zu den Risiko-Familien. Während die Risiko-Familien frühzeitig eine systematische Unterstützung durch das Jugendamt bekämen, werde die Gruppe der unsicheren Familien "leicht übersehen". Bei andauernder Belastung drohten viele unsichere Familien zu Risikofamilien zu werden. 77 Prozent der Familien gelten nach der Studie als stabil und "selbstorganisiert".

Ämter müssen helfen

Die Ergebnisse seien "eine starke Herausforderung an die Politik der Kommunen und des Landes", erklärte die Vizevorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Britta Altenkamp. "Unsichere Familien" seien durch Jugendämter und freie Träger verstärkt in den Blick zu nehmen. Andernfalls würden "unzählige Chancen zur Prävention" verpasst. Auch Landesfamilienministerin Ute Schäfer (SPD) unterstrich die Bedeutung von Präventionsprojekten. Sie verwies auf das in 18 Kommunen gestartete Modellvorhaben "Kein Kind zurücklassen" der Landesregierung und der Bertelsmann Stiftung. CDU-Oppositionsführer Karl-Josef Laumann lobte als Vorsitzender der "Stiftung Wohlfahrtspflege" die "lückenlose Hilfskette" des das Monheimer Präventionsprojekt.

Dort hat die Stadt unter dem Motto "Frühe Förderung von Anfang an" gemeinsam mit 60 freien Trägern und Kooperationspartnern seit 2002 eine Präventionskette aufgebaut, die von der Geburt bis zum Berufseintritt eines Kindes reicht. Zu den Hilfsangeboten zählen Betreuung, Begleitung, Bildung, Beratung und Begegnung. Unmittelbar nach der Geburt ihres Kindes werden die Eltern vom städtischen Jugendamt aufgesucht und über die freiwilligen Familienhilfen informiert.

Der Monheimer Bürgermeister Daniel Zimmermann (PETO) betonte, das von der Stadt jährlich mit 560.000 Euro bezuschusste Projekt rechne sich für seine Kommune. Während die Kosten der Jugendhilfe bundesweit in den letzten Jahren um 30 Prozent gestiegen seien, liege die Steigerungsrate in Monheim bei lediglich 20 Prozent. Zugleich seien die Zahlen der Schulschwänzer und -abbrecher spürbar zurückgegangen sowie die Übergangsquoten von der Grundschule an die Gymnasien deutlich gestiegen. Zudem verspreche er sich langfristig positive Effekte für die Inanspruchnahme der sozialen Sicherungssysteme, so Zimmermann. "Gesamtgesellschaftlich bedeutet das eine deutliche Kostenreduzierung."

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(KNA)