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Prozessauftakt im Mordfall Brunner: Ein Anschlag auf die Zivilcourage

Prozessauftakt im Mordfall Brunner : Ein Anschlag auf die Zivilcourage

Düsseldorf (RP). Es war ein Anschlag auf die Zivilcourage: Am 12. September 2009 schlugen zwei Jugendliche am Münchner S-Bahnhof Solln zigmal auf den Manager Dominik Brunner ein, weil dieser Kinder vor ihrem Erpressungsversuch schützen wollte. Brunner erlag seinen schweren Verletzungen. "Weil Du nicht weggesehen hast, habe ich Dich verloren", schrieb die Lebensgefährtin des 50-Jährigen in ihrem Nachruf. Brunner wurde zum Synonym für Zivilcourage, sogar eine Stiftung mit seinem Namen wurde gegründet. Ab heute müssen sich die beiden mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht München verantworten.

Der Angeklagte Markus S. war zur Tatzeit 18 Jahre, der Angeklagte Sebastian L. 17 Jahre alt. Zusammen mit einem weiteren 17-Jährigen hatten sie an der S-Bahnhaltestelle Donnersbergerbrücke laut Anklage vier Schüler im Alter von dreizehn bis fünfzehn Jahren um 15 Euro zu erpressen versucht. Die vier Schüler stiegen in die nächste S-Bahn, S. und L. folgten ihnen, während ihr Kompagnon eine andere Bahn wählte. Im Zug kam es dann zu dem Zusammentreffen der beiden Gruppen mit Brunner.

Der Manager, der sich auf dem Weg zu seiner Lebensgefährtin befand, bekam die Erpressung mit, stellte sich den Ermittlungen zufolge schützend vor die Kinder und verständigte per Handy die Polizei. Dann bot er den vier Kindern an, dass sie mit ihm am S-Bahnhof Solln aussteigen könnten — die verängstigten Teenager nahmen gerne an. Die Ermittler bezeichneten das Verhalten Brunners als vorbildlich, er habe alles richtig gemacht — und musste dennoch sterben.

Was aber genau am hellichten Tage auf dem S-Bahnsteig geschah, steht bis heute nicht eindeutig fest. Womöglich starteten die zwei Jugendlichen aus eigenem Ansporn ihren Angriff auf Brunner. Zeugen berichteten Medienberichten zufolge aber auch, dass dieser selbst nach dem Aussteigen seine Jacke abgelegt habe und als erster zugeschlagen habe — allerdings sind die Zeugenaussagen den Berichten zufolge nicht eindeutig.

Anklage wegen Mordes

Für die juristische Bewertung der Tat könnte der genaue Ablauf entscheidend werden: Denn angeklagt sind die beiden Heranwachsenden wegen Mordes. Ein Vorwurf, der ins Wackeln geraten könnte, falls auch das Gericht zu dem Schluss kommt, dass Brunner mit dem Schlagen angefangen hat. An der Brutalität der beiden angetrunkenen Jugendlichen ändert dies aber nichts: Innerhalb von wenigen Minuten fügten sie Brunner laut dem Obdukionsergebnis 22 sehr schwere und 22 leichte Verletzungen zu, die schweren Verletzungen führten in ihrer Summe zum Tod.

Zu dem auf neun Verhandlungstage angesetzten Prozess werden fünfzig Zeugen erwartet. Obwohl die beiden Angeklagten noch so jung sind, lässt der Richter ausdrücklich die Öffentlichkeit zu — jeder soll sehen, wer diesen Anschlag auf die Zivilcourage verübt hat.

(RP)