Erdüberlastungstag Deshalb lebt Deutschland ab heute ökologisch auf Pump

Berlin · Ginge es nach den natürlichen Ressourcen, die Deutschland rein rechnerisch zur Verfügung stehen, wäre das Jahr schon am 4. Mai vorbei. Was dahinter steckt.

Gefällte Kiefernstämme liegen in einem Kiefernwald auf einem Stapel. (Archiv) Bereits an diesem Donnerstag wären die für dieses Jahr verfügbaren natürlichen Ressourcen der Erde verbraucht, wenn alle Menschen so leben würden wie die Menschen in Deutschland.

Gefällte Kiefernstämme liegen in einem Kiefernwald auf einem Stapel. (Archiv) Bereits an diesem Donnerstag wären die für dieses Jahr verfügbaren natürlichen Ressourcen der Erde verbraucht, wenn alle Menschen so leben würden wie die Menschen in Deutschland.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Deutschland hat nach Berechnungen von Umweltschützern in diesem Jahr am 4. Mai seine ökologischen Ressourcen für das Jahr 2023 aufgebraucht. Während der weltweite Erdüberlastungstag im Juli oder August erreicht werden wird, fällt der deutsche „Earth Overshoot Day“ wie 2022 auf den 4. Mai, wie die Umweltorganisation Germanwatch mitteilte.

Der symbolische Tag wird jährlich vom Global Footprint Network errechnet. Deutschland liegt mit seinem Pro-Kopf-Verbrauch und seinen Emissionen im obersten Viertel aller Länder. Der Ressourcenverbrauch in der Bundesrepublik ist dabei so hoch, dass drei Erden notwendig wären, wenn für alle Menschen weltweit ein solcher Bedarf an Ressourcen und Emissionsausstoß ermöglicht werden sollte.

Zum Vergleich die Zahlen des vergangenen Jahres: Bei einem weltweiten Ressourcenverbrauch wie in den USA wären 5,1 Erden notwendig; es folgen Australien mit 4,5 und Russland mit 3,4 Erden. China lag auf Rang 12 mit 2,4 Erden. Im Schnitt verbraucht die Erdbevölkerung derzeit jedes Jahr 1,75 Erden - wobei die meisten Länder weit unter dem rechnerischen Wert von einer Erde liegen.

Ein zentraler Überlastungsfaktor in Deutschland sind laut Umweltschützern die Treibhausgas-Emissionen. „Die CO2-Emissionen in Deutschland müssten dreimal so schnell sinken wie bisher. Zugleich müssen wir den Rohstoffverbrauch minimieren, wenn wir die Tragfähigkeit des Planeten und die Menschenrechte schützen wollen“, sagte Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

„Es gibt einige positive Ansätze hierzulande. Aber wenn wir die nicht massiv beschleunigen, werden wir noch Jahrzehnte brauchen, um zu einer nachhaltigen Lebensweise zu finden“, fügte er hinzu. Mit den schwerwiegenden Folgen dieser jahrzehntelangen Übernutzung müssten vor allem die jungen und nachfolgenden Generationen sowie arme Menschen, vor allem im globalen Süden, fertig werden. „Doch die haben am wenigsten zu dieser Krise beigetragen.“

Priorität hat aus Sicht von Germanwatch die weltweite Verringerung der Treibhausgasemissionen um mindestens 43 Prozent bis 2030 gegenüber 2019. Die notwendigen Veränderungen müssten zugleich so umgesetzt werden, dass der Ressourcenverbrauch soweit wie möglich verringert wird. „Dafür ist eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Hebel.“ Es gelte, Produkte langlebiger zu machen, zum Beispiel durch reparaturfähiges und haltbares Produktdesign und ein Recht auf Reparatur. Darüber hinaus müsse für ein hochwertiges Recycling gesorgt werden.

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Germanwatch forderte zugleich, Bahn- statt Flugreisen auch auf längeren Strecken zu etablieren „Die Bahn sollte auch auf grenzüberschreitenden Strecken in Europa das bevorzugte Reisemittel werden - das würde Reisen deutlich energieeffizienter und klimafreundlicher machen“, forderte Jacob Rohm, Referent für klimafreundliche Mobilität bei Germanwatch. Alle Faktoren eingerechnet, seien Bahn- und Busreisen im Inland pro Kilometer ungefähr sechsmal klimafreundlicher als Flugreisen.

Die Umweltorganisation appellierte an jeden einzelnen Bürger, den ökologischen Fußabdruck zu verringern und weniger zu konsumieren, anders mobil zu sein und Wohnraum zu verkleinern. Die Wende zur Nachhaltigkeit werde aber nur gelingen, wenn Rahmenbedingungen für alle verändert würden. Auf EU- und Bundesebene würden derzeit viele Rahmen gesetzt – von der Ausgestaltung des European Green Deal und dem EU-Lieferkettengesetz bis hin zur Transformation im Gebäude- und Verkehrssektor.

(grz/kna)