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Dominik Weil aus Stromberg baut ausgediente Bundeswehr-Transall zur Ferienunterkunft aus.

Bundeswehr-Transall als Ferienunterkunft : Urlaub im Militärflugzeug

Übernachten mal anders: Dominik Weil aus Stromberg im Hunsrück baut eine ausgediente Bundeswehr-Transall zur Ferienunterkunft aus.

„Geschlafen wird auf der Laderampe. Und hier stellen wir einen Schleudersitz hin, der schließlich in eine solche Ferienwohnung gehört.“ Es ist stockfinster im Bauch der Transall, die einst jahrzehntelang für die Bundeswehr unterwegs war. Doch der neue Besitzer des zweimotorigen Transportflugzeugs mit der Kennung 50+79 auf dem tarnfarbigen Rumpf kennt jedes Detail im Innern, ohne es sehen zu müssen. Dominik Weil hat seine Maschine soeben bei der Vebeg, der Verwertungsgesellschaft für Bundeseigentum, ersteigert. „Das Preisschild steht noch drauf“, scherzt er mit Hinweis auf die Kennung. Der alte Transporter habe ihn exakt 50.079 Euro gekostet.

„Hier bauen wir eine Dusche ein, dort kommt ein Flugsimulator hin“, erklärt der 54-Jährige mit spürbarer Begeisterung weiter. Doch noch sitzt er im Laderaum nicht auf dem ebenfalls vorgesehenen bequemen Sofa, sondern auf grauen, fünf Tonnen schweren Betonblöcken. Sie sollen verhindern, dass die Transall, zum Beispiel bei einem Orkan, doch noch einmal ungeplant in die Luft geht. Mit der letzten Landung der 50+79 auf dem Flugplatz im pfälzischen Zweibrücken hat Dominik Weil seinen großen Traum verwirklicht, um dessen Umsetzung er achteinhalb Jahre zäh und mit zahlreichen Rückschlägen gekämpft hat: ein eigenes Flugzeug, das zur Ferienunterkunft umgebaut wird.

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„Ich habe 29 Tonnen Altmetall davor bewahrt, in Alu-Getränkedosen umgeschmolzen zu werden. Ferien im Militärflugzeug, das gibt es noch nicht. Das wird weltweit einmalig sein“, schwärmt der Reiseverkehrskaufmann und fummelt am Heck im Dunkeln an einem Griff herum. „Ich habe gerade erst gelernt, diese Tür für Fallschirmspringer zu öffnen“, sagt er – ein letzter heftiger Ruck nach oben, der künftige Haupteingang zum 54 Quadratmeter großen und 32 Meter langen „Hotel zwischen zwei Flügeln“ ist offen und gibt Ausblick auf mehrere geparkte kleine Privatmaschinen und ein Fahrzeug der Flughafenfeuerwehr.

Selbst sei er leider niemals in einer Transall geflogen, bedauert Weil. Trotzdem hat es mit der Luftwaffe zu tun, wenn er jetzt stolzer Eigentümer einer solchen Transportmaschine geworden ist. Als Wehrpflichtiger diente er 1989/1990 in einem Jagdbombergeschwader. Und als die Phantom-Jets im Jahr 2013 endgültig außer Dienst gestellt wurden, erkundigte sich der Obergefreite der Reserve nach ihrem Schicksal und erfuhr von der Verschrottung. „Man müsste eine Phantom kaufen, um die Erinnerung daran zu erhalten“, überlegte er mit zwei Freunden aus der Bundeswehrzeit. „Andererseits: Was macht man mit einem ausgedienten Jagdbomber?“, zweifelte das Trio. Parallel wurden jedoch bereits die ersten Transall ausgemustert. „Darin ist viel mehr Platz. Den kann man nutzen“, war der weiterführende Gedanke. Doch wie ließ sich diese Idee umsetzen? Die ersten ausgewählten Flugplätze waren für eine Landung ungeeignet; die Zerlegung für einen Straßentransport erwies sich als zu aufwendig und viel zu teuer. Auch die bürokratischen Hürden schienen zunächst unüberwindlich.

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Aber mit seinem Projekt namens „Trallotel“ erfährt der 54-Jährige bis heute eine breite Unterstützung gleichgesinnter Luftfahrtbegeisterter, nicht zuletzt vom Flugplatzbetreiber Triwo und der Region Zweibrücken. Hier soll die Maschine, nur wenige Meter vom Flugplatzzaun entfernt, den finalen Standplatz finden. Als die 50+79, die zum jetzt aufgelösten Lufttransportgeschwader 63 in Rendsburg-Hohn gehörte, gelandet war, wurde sie von der Flughafenfeuerwehr mit Wasserfontänen und von vielen Hundert Schaulustigen mit lautem Jubel begrüßt. Aus dem Lautsprecher schallte dazu die Filmmusik von „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“.

Tollkühn sei er selbst nicht, aber schon ein wenig verrückt, gesteht der Touristik-Experte. Er habe lange für sein „Trallotel“ gespart, fahre zum Beispiel ein 14 Jahre altes Auto. Sponsoren habe er ebenfalls nicht, hoffe aber trotzdem, das Projekt eines Tages in die schwarzen Zahlen zu bekommen: „Die Transall als ,Engel der Lüfte‘, die über ein halbes Jahrhundert lang Tausenden von Menschen durch ihre Hilfs- und Evakuierungsflüge das Leben gerettet hat, besitzt eine riesige Fangemeinde. Die ersten Buchungsanfragen haben mich bereits erreicht.“

Sein Sohn Benjamin (19), ein Schreinergeselle, helfe beim Umbau in eine komfortable Unterkunft für vier bis sechs Personen, das Cockpit bleibe im Original erhalten. Zunächst werde die Transall in die Festivals auf dem Flugplatz eingebunden und für Wohltätigkeitsaktionen genutzt. Heiraten in oder an der Transall? „Nichts ist unmöglich“, sagt Dominik Weil. Außerdem werde sein „Baby“ der Feuerwehr zunächst als Übungsobjekt dienen. In der ersten Jahreshälfte 2023, so der Plan, wird die 50+79 dann endlich als Ferienhaus starten.