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Interview mit Johannes Remmel: "Dieser Schimmelpilz ist hochgiftig"

Interview mit Johannes Remmel : "Dieser Schimmelpilz ist hochgiftig"

NRW-Verbraucherschutzminister Remmel spricht im Interview mit unserer Redaktion über den jüngsten Lebensmittel-Skandal und erklärt, wie frühzeitige Kontrollen hätten verhindern können, dass mit gefährlichen Schimmelpilzen verseuchtes Tierfutter nach NRW gelangt.

Herr Minister, schon wieder Aufregung um Lebensmittel. Was sagen Sie den Konsumenten?

Johannes Remmel Zunächst einmal muss man feststellen, dass es bereits im Oktober vergangenen Jahres Warnungen an die Futtermittelindustrie gegeben hat, dass entsprechende Maislieferungen europaweit unterwegs sind. Insofern verwundert es schon, dass diese Ware dennoch in so großem Umfang in den Kreislauf gekommen ist.

Ist das auch ein Vorwurf an die Milchwirtschaft?

Remmel Nein. Die Kontrolle der Milchwirtschaft hat offensichtlich funktioniert — in Niedersachsen ebenso wie bei uns in Nordrhein-Westfalen. Als einzige Branche hat sie eine Selbstorganisation, die 400 Kontrolleure beschäftigt. Deshalb hatten wir hier in den letzten Jahren auch eine recht große Sicherheit. Aber diese Kontrollen fanden ja erst am Ende statt; sie hätten viel früher erfolgen müssen. Eigentlich hätte das Futter gar nicht erst ausgeliefert werden und schon gar nicht zu den Bauern gelangen dürfen. Dem muss jetzt nachgegangen werden.

Wo hätte geprüft werden müssen?

Remmel Bei den Mischfutter-Unternehmen. Dort gibt es ständige Beprobungen. Spätestens da hätte auffallen müssen, dass es Belastungen in der Mais-Lieferung gibt. Die Landesregierung wird dies jetzt aufzuklären haben.

Wie ernst muss man Ihrer Einschätzung nach das Vorhandensein von Schimmelpilzen in Tierfutter nehmen?

Remmel Eine akute Gesundheitsgefährdung schließe ich nicht völlig aus, aber ich kann sie derzeit auch nicht in der Breite erkennen. In NRW sind bislang keine Überschreitungen festgestellt worden. Allerdings ist dieser Schimmelpilz hochgiftig und krebserregend.

Warum wurde überhaupt Tierfutter aus Serbien bezogen? War nur der Preis ausschlaggebend?

Remmel Das kann ich derzeit noch nicht abschätzen. Offensichtlich hat aber nicht nur ein Mischfutterhersteller die Ware verarbeitet, sondern zumindest noch ein weiterer.

Was schließen Sie daraus?

Remmel Das bedeutet, dass sowohl die Kontrolle im Herstellerland als auch bei den Futterbetrieben nicht funktioniert hat. Wir waren der Annahme, dass nach dem letzten Dioxinskandal die Hürden so hoch sind, dass das eigentlich hätte auffallen müssen. Dem gehen wir jetzt intensiv nach. Dabei geht es auch um die Verpflichtung von privaten Laboren, auffällige Messergebnisse den Behörden mitzuteilen. Entweder wurde nicht untersucht; dann ist das ein Problem. Oder aber die Messergebnisse wurden nicht gemeldet; dann ist das auch ein Problem.

Man kann kriminelle Machenschaften nicht ausschließen. Sind die Strafen ausreichend?

Remmel Strafen sind das eine. Sie belaufen sich auf rund 50.000 Euro. Allerdings wäre es meiner Meinung nach für die Ernährungsindustrie und den Handel schmerzhafter, wenn es eine Gesamthaftung gäbe. Ich finde es richtig, wenn die Gewinne, die mit Täuschung und Gesundheitsgefährdung erzielt werden, abgeschöpft würden.

Wie soll das geschehen?

Remmel Es gibt wenige Lieferanten, einige Produzenten und den Handel, der solche Produkte vertreibt. Ich fände es richtig, alle in die Haftung einzubeziehen.

Über welche Summen reden wir denn da?

Remmel Das geht in die Millionen Euro.

DETLEV HÜWEL FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP/anch/csi)