Was sagt sie für 2007 voraus?: Die Wahrsagerin vom Rhein

Was sagt sie für 2007 voraus?: Die Wahrsagerin vom Rhein

Solingen (RP). Die Zukunft liegt oft im Verborgenen - auch in diesem Fall. Das Gelände einer Autowerkstatt im Solinger Stadtteil Merscheid: Nur ein kleines Keramikschild an der Tür des Einfamilienhauses ganz am Ende des Grundstücks weist den Weg zu Madame Destemona. Hier wohnt eine der bekanntesten Wahrsagerinnen Deutschlands.

Elegant sieht sie aus, wie sie im schwarzen Hosenanzug die Tür öffnet, so gar nicht den landläufigen Erwartungen an eine Wahrsagerin entsprechend. Im Türrahmen wartet keine schwarze Katze, stattdessen stürmt ein Jagdhund schwanzwedelnd auf die Besucher zu. Es gibt weder Räucherstäbchen noch Glaskugeln. Und der Satz des Kaffees, den Destemona serviert, liefert keine Zukunfts-Daten, sondern landet in der Spülmaschine.

"Was soll ich mit so einem Zeug?", fragt die 45-Jährige und lacht. "Wer zu mir kommt, sucht ehrlichen Rat und keinen Hokuspokus." Nicht zuletzt deshalb nennt sich Destemona lieber "Lebensberaterin" als Wahrsagerin - auch wenn die Arbeit letztlich dieselbe ist.

"Ich lege meinen Kunden die Karten", sagt die gebürtige Leverkusenerin. "Darin lese ich wie andere in einer Zeitung." Dann lächelt sie erneut und fügt hinzu: "Heute morgen habe ich zum Beispiel gesehen, dass Sie Schwierigkeiten hatten, einen Fotografen zu besorgen." Volltreffer - woher hat sie das gewusst? "Ich habe doch gesagt: ich lese Karten", erwidert Destemona.

Skat-, Tarot- und Lenormand-Karten - benannt nach Napoleons Wahrsagerin (1772-1843) - eröffnen ihr die Persönlichkeit der Kunden. Erst legt sie Vergangenheit und Gegenwart, danach die Zukunft. "So hat jeder die Chance, von Anfang an zu prüfen, ob ich irgendwelchen Unsinn erzähle oder nicht." Ihr Talent hat Destemona, die bürgerlich Michaela Garcew heißt, nach eigener Aussage von ihrer Großtante Margarethe Goussanthier geerbt. Die sorgte als "Madame Buchela" nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Vorhersagen über Jahrzehnte für Schlagzeilen. Sie sagte Soraya die Heirat mit dem Schah von Persien voraus und riet Kanzler Konrad Adenauer, die deutschen Kriegsgefangenen aus Russland zu holen. Adenauer besuchte die zierliche, aus einer Sinti-Sippe stammende Frau regelmäßig. Buchela traf Willy Brandt und Helmut Kohl. Sogar US-Senator Ted Kennedy war ihr Kunde.

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Im Alter von neun Jahren bemerkte Destemona erstmals, dass auch sie besondere Fähigkeiten besaß. Damals ging sie mit ihrer Mutter einkaufen und sah eine Frau vor einem Schaufenster stehen. "Ich habe plötzlich gesagt: ,Guck mal Mama, die Frau kriegt ein Baby'", erinnert sich Destemona. "Die Dame kam auf uns zu und fragte, woher ich das wisse. Sie wusste es selbst erst seit drei Tagen."

Schauspieler, Rechtsanwälte, Politiker, Geschäftsleute - das Spektrum der Menschen, die sich von einem Besuch in Merscheid Hilfe versprechen, ist groß. "Fast alle kommen wieder", sagt Destemona, die die Trefferquote ihrer Vorhersagen mit 90 Prozent angibt - selbst Kunden, denen sie Unangenehmes verkünden muss. "Schließlich hat ja jeder die Möglichkeit, sein Schicksal bis zu einem gewissen Grad selbst in die Hand zu nehmen", betont die Hellseherin. "Wenn ich etwa jemandem voraussage, dass er im kommenden Jahr gekündigt wird, kann er sich wenigstens rechtzeitig nach etwas Neuem umsehen."

Doch die Zukunft verändern - das ist auch Destemona nicht möglich. "Ich kann wahrsagen", sagt sie und hält die Hände mit den Karten fast entschuldigend in die Höhe. "Zaubern kann ich leider nicht."

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