Unwetter und viele Einsätze für Rettungskräfte: Die Hitze bleibt bis Mitte der Woche

Unwetter und viele Einsätze für Rettungskräfte : Die Hitze bleibt bis Mitte der Woche

Die hohen Temperaturen sorgen für volle Freibäder und Cafés, rufen aber zugleich Rettungskräfte und Polizei auf den Plan. Die Woche zur kalendarischen Sommerhalbzeit startet heiß - Abkühlung ist aber in Sicht.

Der Kampf gegen die Hitze geht rund um die kalendarische Sommerhalbzeit weiter - eine Verschnaufpause ist aber in Sicht. Bis zu 33 Grad sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für die nächsten Tage voraus - bereits an diesem Wochenende wurde wieder ordentlich geschwitzt.

Für Hitzegeplagte heißt es also erstmal weiter durchhalten - kühlere Temperaturen sind ab Donnerstag zu erwarten. "Die zweite Wochenhälfte wird deutlich kühler, vor allem scheint dann endlich der Regen zu kommen", sagte DWD-Meteorologin Dorothea Paetzold am Sonntag.

Bis zum Mittwoch werde die 30-Grad-Grenze jedoch noch häufig geknackt, hinzu kommen zum Teil heftige Gewitter. Der kalendarische Sommer begann am 21. Juni und endet am 22. September.

Die Menschen strömten am Wochenende in Straßencafés und Biergärten oder suchten Abkühlung in Seen und Freibädern. Besonders heiß war es im Osten, am Samstag etwa wurde im sächsischen Bad Muskau mit 36,3 Grad Deutschlands Höchsttemperatur für diesen Tag gemessen.

Staus: Viele Autofahrer saßen bei der Hitze im Stau fest. In Bayern hatten am Mittwoch die Ferien begonnen, in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein endeten sie am Wochenende. In Bremen und Niedersachsen ist die freie Zeit am Mittwoch vorbei.

Daher waren Reisende aus acht Bundesländern unterwegs. Auf der Autobahn 8 zwischen München und Salzburg etwa stauten sich die Autos in beiden Richtungen zeitweise auf bis zu 25 Kilometern. Der ADAC warnte vor Straßenschäden: Bei möglichen Temperaturen von mehr als 35 Grad könnte der Asphalt aufbrechen.

Polizei: Die Hitze schien einigen Menschen zu Kopf zu steigen. Die Polizei räumte nach einem Streit um Wasserrutsche und Sprungturm zwischen Jugendlichen und dem Bademeister ein Berliner Freibad. Nach Polizeiangaben war die Lage am Freitag eskaliert, als der Turm und die Rutsche wegen Überfüllung gesperrt wurden.

Als Dutzende Jugendliche den Bademeister bedrängten, alarmierte die Leitung des Bades die Beamten. Die Konsequenz: "Heute Familientag" hieß es am Samstag auf einem handschriftlichen Plakat am Eingang.

Noch gefährlicher war der Zwischenfall am Berliner Plötzensee, wo am Freitagabend ein 30-jähriger Mann niedergestochen wurde - es folgte eine Notoperation. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.

Badunfall: Schreckliches Drama in einem anderen Berliner Schwimmbad: Eine 13-Jährige ertrank, nachdem sie eine Rutsche hinuntergerutscht und nicht wieder aufgetaucht war. Sie konnte offenbar nicht schwimmen.

Tiere: Die Trockenheit macht dem Vieh in den Alpen zu schaffen. Auf zwei oberbayerischen Almen mussten Hirten ihre Tiere in tiefere Lagen treiben. "Probleme gibt es dort, wo keine Wege sind und somit keine Möglichkeit besteht, Wasserfässer hinzufahren", sagte der Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern.

Getränke: Die Hitze lässt den Absatz von Mineralwasser kräftig sprudeln. Das hat eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa unter Mineralwasserherstellern ergeben. Die Betriebe hätten im Juli ein Absatzplus von durchschnittlich 10 bis 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erreicht, einige sogar ein Plus von rund 30 Prozent, sagte eine Sprecherin des Verbands Deutscher Mineralbrunnen in Bonn.

Unwetter am Sonntag: Im Osten Sachsens fiel laut DWD am Sonntagmorgen Starkregen. In Thüringen überfluteten Hagel und Regen die A4 bei Jena in Thüringen am Sonntagnachmittag. In Bayern zogen Unwetter am Sonntagnachmittag über Teile Schwabens und der Oberpfalz:

Bäume wurden entwurzelt und blockierten Fahrbahnen und Bahnstrecken, Keller liefen voll. Ein Mensch wurde schwer verletzt, als in Neu-Ulm bei einer Veranstaltung eines Hundesportvereins ein Zelt einstürzte. Drei weitere Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Sturmböen und starker Regen haben einem Zeltlager der katholischen Pfadfinder zugesetzt. Die rund 2500 Pfadfinder und ihre Besucher retteten sich am Sonntagmittag in Sigmaringen (Baden-Württemberg) wie vorgesehen in eine angrenzende Bundeswehrkaserne, wie die Polizei berichtete.

Unterstützt wurden sie von knapp 200 Einsatzkräften von Rettungsdiensten und Feuerwehr. 38 Menschen mussten medizinisch versorgt werden, 10 wurden mit mittelschweren Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Der Sturm beschädigte etwa ein Drittel der Zelte. Die Veranstalter entschlossen sich dennoch, das Zeltlager fortzusetzen.

Unwetter am Samstag: In Brandenburg gab es am Samstagabend an einer Bahnoberleitung einen Kurzschluss, nachdem eine Windhose Gegenstände durch die Luft gewirbelt und Bäume beschädigt hatte. 120 Reisende eines Regionalzugs saßen fest.

An der A9 wurden Bäume entwurzelt. Es kam bei heftigem Regen zu einem Auffahrunfall. Bereits am vergangenen Wochenende hatten Unwetter mit riesigen Hagelkörnern vor allem in Baden-Württemberg Schäden von hunderten Millionen Euro angerichtet.

Waldbrände in Österreich: Mitten in einem Waldbrandgebiet in Oberösterreich stiegen insgesamt 21 Menschen in eine Felswand und mussten in Sicherheit gebracht werden. In Österreich waren während der Hitzewelle einige Waldbrände ausgebrochen.

Mit 39,9 Grad hat Österreich einen neuen historischen Hitzerekord. Der Wert wurde am Samstag in Dellach im Drautal (Kärnten) gemessen, wie die staatliche Wetteranstalt ZAMG berichtete. So heiß war es noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die schönsten Badeseen in NRW

(dpa)
Mehr von RP ONLINE